London 2012

Die Sportler kommen - Olympia steckt im ersten Stau

Elf Tage vor dem Beginn der Spiele in London ziehen die ersten Gäste ins Athletendorf ein. Das löst zunächst ein Verkehrschaos aus.

Foto: AFP

Auf der einen Seite wird in diesen Tagen kein Offizieller müde zu betonen, dass die Olympischen Spiele in London (27. Juli bis 12. August) einfach wunderbar werden würden. Zahllose Interviews verbreiten diese These, die stets den Kontrast bildet zu den vielen weniger schönen Nachrichten, die von Sicherheitspannen handeln, von unerwünschten Luftabwehrstellungen mitten in der Stadt oder davon, dass der Olympiapark in London erst eine Woche später als geplant nun am 23. Juli eröffnet werden soll.

Als angenehme Ablenkung von diesen Dingen hätte die Ankunft der ersten Sportler in London dienen können. Endlich beginnt das Spektakel zu leben, gewinnt mit den Protagonisten an Farbe. Elf Tage vor dem Beginn der Spiele rückten allerhand Athleten an, gut 1000 wurden am Montag erwartet. Statt großer Freude lösten sie aber erst einmal Chaos aus in der britischen Hauptstadt. Denn mit der Ankunft der Sportler am Flughafen Heathrow wurde auch die erste Olympic Lane in Richtung Olympiapark geöffnet. Das führte durch einen Unfall zu einem 50 Kilometer langen Stau durch London.

Eigentlich sind die Sonderspuren dazu da, Offizielle, Sponsoren und Sportler schneller durch die Stadt zu transportieren, den Rest des Verkehrs behindern sie eher. Am ersten Anreisetag traf es aber auch die Athleten selbst. Der zweimalige Weltmeister über die 400 Meter Hürden, Kerron Clement, verlieh seinem Unmut über die chaotische Anreise im Kurznachrichtenportal Twitter Ausdruck. „Wir sind auf der Straße für vier Stunden verloren gewesen“, schrieb der US-Amerikaner: „Die Athleten sind schläfrig, hungrig und müssen aufs Klo. Können wir nun bitte ins Olympische Dorf?“ Sein erster Eindruck von London war kein sehr angenehmer. Ein zweiter Bus mit Australiern steckte über drei Stunden fest.

Angekommen sind dennoch alle, und einige nutzten die ersten Minuten im Olympischen Dorf sogleich, um sehr deutlich darauf aufmerksam zu machen, dass sie da sind und es nun endlich losgehen kann nach Jahren der Vorbereitung auf die Spiele. Die Vorhut aus Australien etwa behängte alle Balkone ihrer Apartments mit „Aussie“-Transparenten oder Buchstaben, die in den landesfarben grün und gold das Wort „Australia“ ergeben.

Bei Deutschen alles planmäßig

Auch aus Deutschland traf ein Teil der Delegation ein, fünf Slalomkanuten bezogen am Montag ihr Quartier. „Das ist ein sehr schönes Dorf. Es hat eine gute Architektur, ist kompakt und sehr grün“, sagte Bernhard Schwank, stellvertretender Chef de Mission, der bereits vor Ort war. Die Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zum Olympia-Park sei optimal. Bei den Deutschen sei außerdem alles planmäßig verlaufen bei der Anreise. Schwank nahm nach den Kanuten wenig später auch die Segler in Empfang, die jedoch fuhren nicht zum Olympischen Dorf. Die zwölf Athleten machten sich von Heathrow gleich auf ins 190 Kilometer südlich gelegene Revier Weymouth – mit dabei die Starboot-Vizeweltmeister von 2011 Frithjof Kleen und Robert Stanjek aus Berlin.

Kleen hatte sich vergangene Woche noch etwas verächtlich über die Gastgeber geäußert, sprach von schlechtem Essen und mäßig hübschen Frauen. Es war als Scherz gemeint, sorgte aber für etwas Aufregung. Obwohl er sich beim Essen kaum Sorgen machen muss, für die Sportler steht nicht nur das klassische, in der Tat gewöhnungsbedürftige englische Essen auf dem Speiseplan, sondern alles, was das Herz begehrt.

5000 Leute beim Essen

In der Mensa des Olympischen Dorfes kann es beim Essen allerdings sehr unruhig werden, bis zu 5000 Leute können dort speisen. Insgesamt ist das Dorf für 16.000 Sportler und Betreuer ausgelegt, 250.000 Quadratmeter Wohnfläche stehen in den 2818 Doppelzimmern zur Verfügung. Die Apartments sind recht farbenfroh eingerichtet, mit türkisfarbenen Sofas, blauer Bettwäsche und pinkfarbenen Kopfkissen.

Die Notwendigkeit, das Athletendorf zu verlassen, besteht an sich nur bei den Wettkämpfen. Ansonsten findet sich dort alles von einer Bank über Internet-Cafés, Kino, Supermarkt, Krankenhaus bis zum Fitnessstudio. Sogar einen weltweiten kostenlosen Telefonservice gibt es, auch das Haarescheiden ist umsonst. Für die großen fünf Religionen stehen etwa 200 Seelsorger bereit. Und auch das körperliche Vergnügen kommt bei Olympia unter den Aktiven bekanntermaßen selten zu kurz, dafür werden 150.000 Kondome vom Organisationskomitee verteilt.

Einige haben dennoch Vorsichtsmaßnahmen getroffen. So buchten viele der deutschen Beachvolleyballer optional Hotelzimmer außerhalb des Dorfes. „Dort kann es sehr hektisch werden, und ich brauche meinen Schlaf“, sagt die Berliner Medaillenhoffnung Laura Ludwig, auch Partnerin Sarah Goller ist skeptisch angesichts der Massen.

Andere wie die Segler und auch die Rennkanuten sind an ihren außerhalb gelegenen Wettkampforten untergebracht – und nicht traurig darüber. „Vor vier Jahren in Peking war ich sehr aufgeregt, weil ich die ganze Zeit froh war, das alles im Dorf zu erleben. Jetzt kann ich mich besser auf den Wettkampf fokussieren“, sagt Vierer-Weltmeister Norman Bröckl, der mit seinen Kanu-Kollegen und den Ruderern in Eton um die Medaillen kämpft. Dort draußen herrscht auch keine Staugefahr.