Anschieberin Romy Logsch hat bei ihrem spektakulären Unfall im letzten Lauf der olympischen Bob-Entscheidung eine Fraktur des linken Sprunggelenks erlitten. Die 28-Jährige, die bei Tempo 140 aus dem Schlitten von Pilotin Cathleen Martini gefallen war, erhielt in der Poliklinik des Athletendorfes in Whistler eine Gipsschiene und Krücken. Sie muss nicht operiert werden.
Morgenpost Online: Wie geht es Ihnen, Frau Logsch?
Romy Logsch: Gut. Mir tut die linke Schulter weh und der rechte Knöchel, aber ich bin glücklich, dass ich vor Ihnen stehen kann. Jetzt bin ich wohl eine echte Bobpilotin, es heißt, erst nach einem Sturz wird man zu einer. Aber ich will mich nicht darüber lustig machen.
Morgenpost Online: Was haben Sie gedacht, als Sie aus dem Bob geschleudert wurden?
Logsch: An nichts, es läuft alles wie in einem Film ab, in dem du nicht eingreifen kannst.
Morgenpost Online: Schildern Sie bitte kurz, wie es zu dem Unfall gekommen ist.
Logsch: Bis zu Kurve 11 lief es gut, wir haben viel riskiert, weil wir noch einmal voll angreifen wollten. Dann kam der Fahrfehler, und wir haben eine harte Bande bekommen. Ich dachte, die Kurve 13 kann ganz schön lang sein.
Morgenpost Online: Kurve 13, die berühmte Fifty-Fifty-Kehre, die so heißt, weil die Chancen bei 50 Prozent stehen, sie heil zu durchfahren.
Logsch: Da habe ich plötzlich gemerkt, dass mir die Schulter brennt.
Morgenpost Online: Nachdem Sie von der Wucht der Fliehkräfte herausgeschleudert wurden, haben Sie alle Gliedmaßen von sich gestreckt: automatisch oder instinktiv?
Logsch: Ich weiß es nicht, ich weiß noch nicht mal, dass ich ausgesehen haben soll wie ein Käfer auf den Rücken.
Morgenpost Online: Als Sie sich berappelt hatten, haben Sie sich noch etwas benommen vor dem Publikum verbeugt: Was hat Pilotin Cathleen Martini zu Ihnen gesagt?
Logsch: Sie war genauo geschockt wie ich, sie hat gesagt, dass es ihr unendlich leid tut.
Morgenpost Online: Kann man das Verhalten in einer Sturzsituation wie in der Formel 1 trainieren?
Logsch: Nein, ich wusste in dem Moment nicht, wie mir geschieht.
Morgenpost Online: Haben Sie einen Gedanken daran verschwendet, dass Sie den Kampf um Bronze verloren hatten?
Logsch: Darüber habe ich keine Sekunde nachgedacht.
Morgenpost Online: Ihr ehemalige Pilotin Sandra Kiriasis meinte, Sie hätten sich nicht richtig festgehalten.
Logsch: Ich habe mich festgehalten, vielleicht nicht fest genug.
Morgenpost Online: Es gab viele Diskussionen um die Sicherheit dieser Bahn. Halten Sie die Olympiabahn für zu gefährlich?
Logsch: Die Bahn ist schwierig, aber nicht zu schwierig. Ich habe Respekt vor meinem Sport und Respekt vor dieser Bahn. Es braucht immer 100 Prozent Konzentration, wenn man runterfährt. Wir reden beim Bobfahren über Geschwindigkeiten von Tempo 140, da ist die Eisbahn kein Seidenpapiertuch, da verbrennt man sich die Haut, wenn man so drüberrutscht, wie ich es getan habe. Aber Angst sollte nie mitfahren. Und eigentlich macht es ja Riesenspaß. Vor den Spielen haben Cathleen und ich uns geschworen, Spaß zu haben, vielleicht eine Medaille zu holen, aber vor allem gesund zu bleiben, das hat ja auch bis zum letzten Lauf fast alles geklappt.
Morgenpost Online: Würden Sie gleich wieder den Kanal herunterfahren?
Logsch: Wenn ich könnte, ja, aber ich habe Schmerzen, ich könnte keinen Meter mehr anschieben.
Aufgezeichnet von Robert Dunker
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