Die Eröffnungsfeier dieser Olympischen Spiele war ein gigantisches Spektakel. Mehrere tausend Jahre chinesischer Kulturgeschichte gebündelt in Massenchoreographien und Lichteffekten – das war beeindruckend, wenn auch für mitteleuropäische Betrachter etwas gewöhnungsbedürftig; sehr viel Gleichschritt, sehr wenig Leichtigkeit.
Der Funke der Freude und Begeisterung im Stadion sprang denn auch erst über, als die Sportler aus aller Welt, bunt gekleidet und in loser Marschformation, Besitz vom „Vogelnest“ nahmen. Hoffen wir, dass ab heute nur noch der Sport und die Athleten die Schlagzeilen von den Olympischen Spielen 2008 beherrschen.
Natürlich hat Olympia immer auch mit Politik – gewollt oder ungewollt – zu tun. Das wissen wir spätestens seit den Spielen von Berlin 1936. Sie sind ja auch nicht zufällig 2001 an Peking vergeben worden. Nämlich in der Erwartung, das Reich der Mitte möge sich dem Rest der Welt weiter öffnen, den zahlreichen Volksgruppen innerhalb des Riesenreichs autonome Rechte einräumen und den 1,3 Milliarden Untertanen der kommunistischen Partei mehr Freiheiten gewähren und vor behördlicher Willkür schützen.
Dass diese Erwartungen übertrieben waren, Chinas Führung sich nicht an die gemachten Zusicherungen gehalten hat und das Internationale Olympische Komitee (IOC) allzu oft nicht sehen und hören wollte, wo es frühzeitig auf Einhaltung der Zuschlagsbedingungen hätte pochen müssen, haben die vergangenen Tage noch einmal bestätigt. Ein selbstbewusstes, nicht am Profit orientiertes IOC hätte sich das nicht bieten lassen. Ein Illusionist andererseits, wer erwartet hat, in einem Riesenreich wie China könnten sich binnen Jahren gesellschaftspolitische Freiheiten wie in Mitteleuropa Bahn brechen. Seit Überwindung des Steinzeitkommunismus hat das Land in dreißig Jahren enorme Fortschritte gemacht. Das zu würdigen, ohne auf das Fordern nach Respektierung der grundlegenden Menschenrechte zu verzichten, muss das Gebot im Umgang mit Pekings Führung sein.
China ist ein totalitäres System, eine Diktatur mit dem Anspruch einer Weltmacht, der mit den Spielen von Peking untermauert werden soll. Wer sich einem Milliarden-Publikum rund um den Globus empfehlen will, der darf weder die Presse gängeln noch jede Kritik im Keim ersticken. Die Staatsführung hat nach den schweren Fehlern der Vergangenheit in den kommenden zwei Wochen die Chance, China als Land des guten Gastgebers vorzuführen, in dem nicht alle Landsleute, Sportler und Besucher jederzeit nach ihrer Pfeife tanzen. Wird diese Chance vertan, war für China fast alles umsonst. Peking bliebe als Olympia-Stadt der Einschüchterung, die Spiele als „Spiele der Zensur“ in Erinnerung.
Möge also ab heute der Sport alles beherrschen. Denn die Olympischen Spiele, wenn sie denn begonnen haben, faszinieren unverändert. Damit verbunden die Hoffnung, dass in den Wettkämpfen – fair und ohne Chemikalien – die wirklich Besten Gold gewinnen. Und natürlich auch, dass zu ihnen einige Deutsche gehören.

























































