In Peking brennt das olympische Feuer. Um vier Minuten nach Mitternacht (18.04 Uhr MESZ) entzündete bei der Eröffnungsfeier im Nationalstadion Li Ning, Chinas dreifacher Turn-Olympiasieger der Spiele von Los Angeles 1984, zum Schluss des größten und längsten Fackellaufes in der olympischen Geschichte die Flamme.
Mit einer atemberaubenden Show hatte Peking zuvor die Welt begrüßt. Um 23.36 Uhr Ortszeit eröffnete Staatspräsident Hu Jintao offiziell mit der traditionellen Formel die Sommerspiele: „Ich erkläre die Olympischen Spiele von Peking zur Feier der XXIX. Olympiade neuer Zeitrechnung für eröffnet“ sagte er im Pekinger Nationalstadion und gab damit um das Startsignal für das größte Sportereignis der Welt.
Mehr als eine Milliarde Zuschauer auf der ganzen Welt saßen vor den Fernsehschirmen, als Hunderte zu Menschen gewordene Bausteine die Botschaft der Spiele aus dem Boden zauberten. Dreimal war in chinesischen Schriftzeichen zu lesen: „Frieden, Frieden, Frieden.“ Weltweite Proteste und Diskussionen über Tibet, Menschenrechte und Zensur hatten im Vorfeld für große Aufregung gesorgt.
„Liebe chinesische Freunde, liebe Athleten: China hat lange davon geträumt, seine Türen zu öffen und die Athleten der Welt nach Peking einzuladen. Und heute Abend ist dieser Traum wahr geworden. Gratulation, Peking“, sagte IOC-Präsident Jacques Rogge. Das Motto der Spiele heißt „eine Welt, ein Traum“ - „und das ist es, was wir heute Abend sind“, meinte der Belgier in seiner Rede weiter.
Rogge wünscht sich, dass diese Spiele „Freude, Hoffnung, und Stolz“ bringen. Als eine Welt sei man nach dem verheerenden Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan mit mehr als 80.000 Toten am 12. Mai dieses Jahres enger zusammengerückt. Der IOC-Präsident dankte den Chinesen für die schier unermüdliche Arbeit: „Peking ist der Gastgeber der Gegenwart und das Tor zur Zukunft. Danke!“
2008 Trommler gaben den olympischen Takt vor, was folgte, war eine gigantische Lichtshow mit einem faszinierenden Festival der Farben. Ein spektakuläres Feuerwerk mit bislang nie dagewesenen Illuminationen setzte vor rund 90.000 Zuschauern im nicht ganz vollbesetzten Nationalstadion den leuchtenden Schlusspunkt hinter die 50 Millionen Euro teure Show der Superlative - nie zuvor hatte sich ein Gastgeber eine Eröffnung mehr Geld kosten lassen. Nicht nur in der Arena war es stimmungsvoll, Hundertausende säumten die Straßen rund um das „Vogelnest“.
Traditionell angeführt von Griechenland marschierte die Rekordzahl von 204 Mannschaften in die spektakuläre Kulisse ein, die Marshallinseln, Montenegro und Tuvalu waren erstmals dabei. Um
23.02 Uhr Ortszeit führte ein stolzer Fahnenträger Dirk Nowitzki Deutschland als 198. Nation ins Olympiastadion. Aus der rund 350 Menschen großen Delegation grüßten in weißen Hosen und grauen Jacken auch die Handball-Weltmeister um Christian Schwarzer, Tischtennis-Europameister Timo Boll, Tennis-Profi Rainer Schüttler und Florett-Weltmeister Peter Joppich.
Grenzenlos war der Jubel, als Basketball-Star Yao Ming wie schon 2004 die chinesische Mannschaft als Gastgeber traditionell an letzter Stelle ins Stadion führte. Mehr als vier Stunden - und damit wesentlich länger als vorgesehen - dauerte die Eröffnungsfeier.
Sichtbare Proteste blieben während des Einmarsches aus. Nach den langen Boykott-Diskussionen hatten aus dem deutschen Team Judo-Olympiasiegerin Yvonne Bönisch und Fechterin Imke Duplitzer aus politischen Gründen auf einen Einmarsch zu Chinas Volksfest im „Vogelnest“ verzichtet.
Riesig waren die Sicherheitsvorkehrungen, die nach den jüngsten Anschlägen in China und Terrordrohungen noch weiter verschärft worden waren und besonders den mehr als 100 Staats- und Regierungschefs sowie gekrönten Häuptern auf der Ehrentribüne galten.
15.000 professionelle Künstler, Studenten und Angehörige des Militärs waren Darsteller des dreieinhalbstündigen Ritts durch 5000 Jahre chinesischer Geschichte unter der Regie von Zhang Yimou, Chinas Gegenstück zu Hollywood-Regisseur Steven Spielberg, mit Kampfkunst, Tanz, Trommeln, Licht und Knalleffekten.
Etliche Teile der Show, so die Bilderwelten und der Part vor dem Showdown bestritt der Düsseldorfer Multimediakünstler Andree Verleger (49), neben dem Londoner Mark Fisher einziger Europäer im Team der Kreativ-Direktoren.
AP/sid/dpa/apä/mim

























































