Das geht ja gleich gut los. In kompletter Mannschaftsstärke wollen die deutschen Volleyballer heute bei der Eröffnungsfeier ins Olympiastadion einmarschieren. Dumm nur, dass den beiden Größten, Robert Kromm (2,12 m) und Marcus Böhme (2,11 m), das Sakko fehlt. Bei der Einkleidung war kein passendes Teil für die Hünen verfügbar. Aber das ist ja auch kein Wunder bei dem amateurhaften Verhalten, das die deutschen Volleyballer vor den Sommerspielen an den Tag gelegt haben.
Vier Jahre Zeit – und keine Ausrüstung organisiert
Seit 36 Jahren haben sie sich erstmals wieder für Olympia qualifiziert, das ist klasse. Aber zur Einkleidung sind sie als letzte angetanzt, wie dumm. Denn prompt fehlen jetzt einigen Spielern T-Shirts und Trainingsanzüge, auch auf den iPod, der zur Ausrüstung der Deutschen gehört, müssen viele verzichten. Das ist schon vor dem ersten Aufschlag psychologisch ein Nachteil. Diesen Fauxpas hat der Verband zu verantworten.
Sowieso scheint der DVV das Thema Olympia kaum wahrzunehmen, oder die Verantwortlichen konzentrieren sich nur auf Beachvolleyball. Die träumen da echt noch vor sich hin, hoffentlich verpassen die ihr erstes Spiel nicht. Alles liegt jetzt an Trainer Stelian Moculescu, er muss seine Mannschaft richtig einstimmen.
Ich weiß noch, wie stolz ich bei der Einkleidung vor den Olympischen Spielen in Los Angeles und Seoul war. In dem Moment, in dem du die Anziehsachen hast, kannst du nicht mehr von der Liste gestrichen werden. Es sei denn, du wirst krank oder verletzt dich beim Einsteigen in den Flieger. Allerdings ist das auch vom NOK und DOSB eine absolute Frechheit. Wenn eine Mannschaft sich nämlich nach so langer Zeit wieder für Olympia qualifiziert, dann hat sie wie alle anderen auch die gleiche Ausrüstung zu bekommen. Außerdem waren vier Jahre Zeit, um das alles zu organisieren. Die deutschen Funktionäre haben sicher alle ihre passenden Anzüge, T-Shirts und auch iPods.
Zweitligaspieler auf dem olympischen Hockey-Feld
Über ihre Klamotten müssen sich die Hockeyspieler weniger Sorgen machen, dafür aber umso mehr um ihre Abwehr. Ich weiß nicht, was Bundestrainer Markus Weise bei der Nominierung geritten hat. Statt auf den erfahrenen Ulrich Bubolz zu setzen, der 2006 in Mönchengladbach der Garant für den WM-Triumph war, steht mit Max Weinhold nur ein einziger Torhüter im Aufgebot. Bubolz ist ein erfahrener Hase, dagegen setzt Weise in Peking jetzt auf einen Zweitliga-Spieler. Dazu kommt, dass Christian Schulte nur eine P-Akkreditierung hat. Diese kann nur dann geltend gemacht werden, wenn die Ärzte eine Verletzung oder Krankheit bei Weinhold offiziell attestieren.
Markus Weise hat durch seinen Entschluss überhaupt keine taktischen Möglichkeiten auf der Torhüterposition. Wenn Weinhold schlecht spielt, kann er nicht reagieren, er muss mit dem Kölner, der ein ausgewiesener Hallen-Spezialist ist, über die gesamten Olympischen Spiele bestehen.
Weise-Nominierung kann Deutschland die Medaille kosten
Sicher, wenn es gut geht, hat Weise alles richtig gemacht. Wenn nicht, wird er zu Recht in der Luft zerrissen werden.
Weise traut Weinhold offenbar in entscheidenden Spielen überragende Reaktionen zu. Allerdings hat er bei den Testspielen in Spanien und bei der Champions Trophy nicht wirklich gut gehalten. Außerdem ist die Situation, bei Olympischen Spielen mit nur einem Torhüter ins Turnier zu gehen, hochgradig gefährlich. Das Risiko ist viel zu hoch. Und ich bin sicher, dass die Halbfinals im Siebenmeterschießen entschieden werden, weil Spanien, Australien, die Niederlande und Deutschland so ausgeglichen sind. Weises Nominierung kann Deutschland die Medaille kosten.
Trotzdem liegen die Chancen für das deutsche Olympiateam was Medaillen und Ehrlichkeit angeht, klar in den Mannschaftssportarten. Peking werden wohl die Dopingspiele, nur wird es nicht viele aufgedeckte Fälle geben, weil die Sportler den Nachweismethoden immer einen Schritt voraus sind. Beim Schwimmen, Ringen, Gewichtheben oder in der Leichtathletik halte ich die Top-Athleten alle für gedopt. So hart das auch klingen mag. Für die deutschen Mannschaftssportarten jedoch kann ich die Hand ins Feuer legen, dass dort alles sauber zugeht.
Stefan Blöcher (48) hat 259 Hockey-Länderspiele für Deutschland absolviert, er gewann 1984 und 1988 jeweils Olympia-Silber. Heute ist er Geschäftsführer im Klub „Golf de Andratx“ auf Mallorca.




