Tennis

Der Mann, der Sabine Lisicki zurück zum Erfolg führte

Sabine Lisicki schien kein Glück zu haben mit ihren Trainern. Von Sanchez und Orlik trennte sie sich nach kurzer Zeit wieder. Doch seit Wim Fissette sie coacht, hat sie sich enorm gesteigert.

Foto: Eric Lalmand / pA/dpa

Der Mann, der neuerdings mit scharfem Trainerblick über die sportlichen Schritte von Sabine Lisicki wacht, ist vielen in Deutschland kein Unbekannter. Als Wim Fissette in seinen Teenagerjahren noch selbst den Durchbruch ins große Profitennis versuchte, lebte er vor dem Wechsel ins neue Jahrtausend im niedersächsischen Rödinghausen, spielte dort beim lokalen TC und später auch im bekannten Breakpoint-Team der Familie Weber im nahen Halle (Westfalen). „Es war eine schöne Zeit, aber für eine große Karriere hat es leider nicht gereicht“, sagt Fissette.

Erster Triumph mit Kim Clijsters

Als Coach hat sich der 33-jährige Flame dagegen früh einen guten Namen gemacht – vor allem, als er 2009 seine Jugendfreundin Kim Clijsters bei deren Comeback-Mission in New York auf Anhieb zum Titelcoup begleitete. „Sie hatte mich nach ihrer Babypause einfach angerufen und gefragt, ob ich als Trainer bei ihr arbeiten will“, sagt Fissette – und es schwingt auch jetzt noch ein wenig Ungläubigkeit in seiner Stimme mit.

Schon als Kinder hatten Clijsters und Fissette zusammen trainiert und von der großen Karriere geträumt – ehe sie als Spieler/Trainergespann Kim und Wim den Wanderzirkus durcheinanderwirbelten. „Bei Kim galt genau wie jetzt bei Sabine: Keine Angst vor großen Namen, selbstbewusst durch die Welt gehen“, sagt Fissette, „man gewinnt nur, wenn man sich auch Großes zutraut.“

IMG vermittelte den Belgier an die Berlinerin

Lisickis Versuche, den richtigen Trainer zu finden, gestalteten sich Anfang des Jahres schwierig: Mit dem Spanier Ricardo Sanchez klappte es ebensowenig wie mit dem Kölner Robert Orlik. Seit den French Open ist nun auf Vermittlung des Management-Giganten IMG Fissette bei den Lisickis an Bord, als Partner damit auch von Trainervater Richard Lisicki. „Wir ergänzen uns völlig unkompliziert“, sagt Fissette, der wie der Sportwissenschaftler als gründlicher Analytiker bekannt ist, als Mann mit geschultem Auge für Stärken und Schwachstellen eines Spielers.

Auf Anhieb hat Fissette die Auftritte und Aktionen der deutschen Power-Frau beruhigt – und mit einer größeren Breite im Repertoire versehen. „Sie spielt, auch dank ihres neuen Trainers, schlauer, setzt ihren Kopf besser ein, schießt nicht auf dem Platz herum wie ein Pistolero“, lobt Trainer-Guru Nick Bollettieri, der die Berlinerin schon als Teenager bei sich in Florida coachte. Auch Tennis-Legende Martina Navratilova ist das sofort aufgefallen: „Sabine zeigt hier nicht nur Bumm-Bumm-Tennis, sondern auch große Qualitäten in der Defensive. Sie spielt nicht einfach drauflos, sondern mit viel Überlegung.“

Selbstdarstellung ist nicht die Sache von Wim Fissette

Fissette, keiner vom Stamm der schillernden Selbstdarsteller, will sich dafür aber nicht öffentlich belobigen lassen. Angenehm bescheiden spricht der junge Trainer in fließendem Deutsch davon, „nur hier und da ein paar Schrauben gedreht zu haben: Der Erfolg da draußen, der gehört ihr.“

Fast unwillkürlich fühlt er sich gerade an die rauschhaften Tage in New York erinnert, an das Clijsters-Märchen 2009, in das er als Trainer-Neuling auf großer Bühne „mit hineingerissen wurde“. Und nun schon wieder ein Coup ganz auf die Schnelle, an noch wichtigerer und berühmterer Tennisstätte? „Nichts ist unmöglich für Sabine“, sagt Fissette, „wenn du Serena Williams schlägst, wenn du in einem Turnier so viele gute Gegnerinnen schlägst, dann kannst du gewinnen – ganz klar.“

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