Tennis

Lisicki-Klub will WTA-Turnier nach Berlin holen

2008 fanden in der Hauptstadt zum letzten Mal die German Open statt. Seitdem steht die Anlage des LTTC Rot-Weiß in Grunewald, einst Heimat von Sabine Lisicki, leer. Doch das soll sich bald ändern.

Foto: Wolfgang Kumm / picture-alliance/ dpa

In Gesprächen mit Journalisten mag Sabine Lisicki es kurz und präzise. Auch die Antwort auf die Frage nach ihrer Heimat fällt in der Regel deutlich aus: Berlin. Obwohl die 23-Jährige sich abseits der Tour inzwischen hauptsächlich in Florida aufhält, kehrt sie so oft wie möglich nach Hause zurück.

2003 zog sie mit ihrer Familie in die Hauptstadt und schloss sich dort dem LTTC Rot-Weiß in Grunewald an. Vor den French Open in diesem Jahr trainierte sie auf der Anlage und nutzte das Fitnesszentrum, was für erhöhtes Interesse neben dem Platz sorgte.

Der Verein von Präsident Werner Ellerkmann ist auch in diesen Tagen wieder gefragt. Zwei Fernsehsender schauten nach Lisickis Achtelfinalerfolg über Serena Williams in Wimbledon vorbei. Ihr Erfolg in London rückt eine Stadt in den Fokus, die seit Jahren ein weißer Fleck auf der Tennis-Landkarte ist.

Bis 2008 war Berlin Ausrichter der German Open, ein WTA-Turnier mit internationalem Format, ausgetragen auf dem Gelände in Grunewald. Steffi Graf gewann hier neunmal, der Center Court A ist nach ihr benannt. Doch vor fünf Jahren gaben die Ausrichter der German Open aus Katar die Turnierlizenz ab, als Ersatz sprang Warschau ein. „Da waren wir ziemlich überrascht“, sagt Ellerkmann.

Das Steffi-Graf-Stadion mit Platz für 7000 Zuschauer ist seitdem kaum gefüllt. Als Graf vor zwei Wochen nach Berlin kam, sollen ihr beim Anblick der baufälligen Arena laut „Bild“ die Tränen gekommen sein.

Prompt meldete sich Eberhard Wensky, ehemaliger Turnierdirektor der German Open, zu Wort. Man könne dort in Zukunft eine Mannschafts-WM der Damen auf Rasen veranstalten und zwecks Umsetzung den legendären Tennis-Manager und Turnierveranstalter Ion Tiriac ins Boot holen.

Interessante Gespräche mit Bewerbern

Bei Rot-Weiß wissen sie nichts von solchen Plänen. Fakt ist aber, dass der Verein seinerseits die Bemühungen um die Ausrichtung eines WTA-Turniers unterstützt. „Bei den Bewerbungen sind einige interessante Namen dabei. Aber noch ist nichts spruchreif“, sagt Ellerkmann.

Klar sei, dass sich eine Veranstaltung dieser Art stark von den restlichen Sportangeboten in Berlin abheben müsse. „Dafür müssen die technischen und finanziellen Voraussetzungen erst noch geschaffen werden. Deshalb möchte ich jetzt nicht sagen, ob es ab 2015 ein WTA-Turnier in Berlin geben wird.“

20 Prozent weniger Tennisspieler in Berlin

Beim Deutschen Tennis-Bund freuen sie sich über die Pläne. „Wir begrüßen das Engagement, ein Turnier nach Berlin zu holen“, sagt DTB-Präsident Karl-Georg Altenburg.

Eine Parlamentarische Anfrage der Linken an den Senat im Februar ergab, dass die Mitgliederanzahl in Berliner Tennisvereinen in den letzten 20 Jahren um 21,3 Prozent zurück ging. Rund 33.000 Berliner sind noch aktiv. Die Hauptstadt als internationale Tennis-Bühne könnte ihre Zahl erhöhen. Genauso wie ein Wimbledon-Sieg Lisickis.