Eigentlich muss Hertha BSC vor allem Wolfgang Leitl dankbar sein. Dem großen Bruder von Stefan Leitl. Der brachte seinen kleinen Bruder damals zum Fußball. „Meine Mama hatte keine Lust mehr, Trikots zu waschen und wollte mich zum Schwimmverein schicken. Aber Wolfgang hat mich dann im Fußballverein angemeldet“, erzählte Stefan Leitl einst dem „Donaukurier“.

Montag

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Jetzt ist der heute 47-Jährige Trainer beim Berliner Fußball-Zweitligisten. Das wäre er wohl nicht, wenn er den grünen Rasen als Kind gegen das Schwimmbecken eingetauscht hätte. Wobei es beim blau-weißen Hauptstadtklub auch keine schlechte Eigenschaft ist, den Kopf über Wasser halten zu können.

Hertha BSC will auch mit Leitl endlich Kontinuität

Am Montag gab Hertha bekannt, dass Leitl die Nachfolge von Cristian Fiél an der Seitenlinie antritt, einen Vertrag bis 2027 unterschrieben hat. Den 44 Jahre alten Spanier hatten die Berliner am Sonntag nach der vierten Niederlage in Folge entlassen.

Jetzt soll einer richten, der in der Hinrunde noch bei Hannover 96 angestellt war, in der Winterpause aber gehen musste, weil man die gesteckten Saisonziele gefährdet sah. Der Aufstieg sollte es in Niedersachsen sein. Die Krux an diesem Wechselspielchen: Leitl ist in Hannover daran gescheitert, die Mannschaft und den Fußball nicht ausreichend weiterentwickelt zu haben. Man wollte Kontinuität, bekam sie mit ihm aber nicht.

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Die gleichen Ziele verfolgt man nun in Westend – mit Leitl. Der Kontakt zu ihm kam vor allem über Andreas „Zecke“ Neuendorf zustande, Herthas Direktor Akademie und Lizenzspielerbereich, der Leitl aus gemeinsamen Zeiten bei Ingolstadt kennt.

„Wir sind froh, dass wir mit Stefan Leitl einen sehr erfahrenen Trainer für uns gewinnen konnten, der die Liga bestens kennt und auf seinen vorherigen Stationen bewiesen hat, dass er Mannschaften und Spieler formen und weiterentwicklen kann“, erklärte Sportdirektor Benjamin Weber am Montag in einer Pressemitteilung des Klubs. Man sei überzeugt, sportlich schnell wieder in die Spur zu kommen.

Schon am Freitag steht das Heimspiel gegen Nürnberg an

Dem neuen Trainer bleibt dafür nicht viel Zeit. Am Dienstag soll der gebürtige Münchner das erste Training leiten, am Freitag steht das Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg an (18.30 Uhr, Sky). „Die Aufgabe, diese Mannschaft zu stabilisieren, weiterzuentwickeln und erfolgreich zu machen, reizt mich enorm“, erklärte Leitl.

Dabei gibt es nun etliche Baustellen, die Leitl möglichst zeitnah schließen muss. Oberste Priorität in den kommenden Tagen: die Mannschaft hinter sich bringen. Das gegenseitige Vertrauen untereinander ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Und die Basis dafür, die sportlichen Probleme in den Griff zu bekommen.

Es wird spannend zu sehen sein, wie das Team um Kapitän Toni Leistner, das zu einem großen Teil hinter Cristian Fiél stand, auf die Veränderung an der Seitenlinie reagiert. Wie die Profis den neuen Impuls aufnehmen.

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Co-Trainer Andre Mijatovic kommt mit Hertha-Vergangenheit

Leitl bevorzugt häufig ein Spielsystem mit zwei Spitzen. Hertha aber trat zuletzt beinahe ohne Stoßstürmer auf – aus Mangel an leistungsstarken Alternativen. Florian Niederlechner, Luca Schuler und Smail Prevljak bekommen mit dem neuen Trainer nun auch eine neue Chance, sich zu beweisen, sich anzubieten und es besser zu machen als in den vergangenen Monaten.

Dann wären da die vielen individuellen Fehler, die auch am Wochenende in Düsseldorf wieder zu Gegentoren geführt haben. Hier kommt das gegenseitige Vertrauen wieder ins Spiel – und der Druck von außen, der nach dem Trainerwechsel möglicherweise abgefallen sein könnte.

Leitl kommt zusammen mit seinem Assistenten Andre Mijatovic, ehemaliger Hertha-Profi und Kapitän (2010-2012). „Andre ist mein Vertrauter und Ratgeber“, hatte Leitl über seinen Wegbegleiter gesagt, der ihn auf all seinen Stationen unterstützt.

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Stefan Leitl macht nicht den Hampelmann an der Seitenlinie

Gemeinsam setzen sie viel auf Gruppenarbeit, mit teils komplexen Übungen, die detailliert erklärt werden. Mit Fragen fordert das Duo immer wieder auch die Aufmerksamkeit der Spieler ein – begleitet von einer ruhigen Ansprache und oft im Dialog.

„Solange ich das Gefühl habe, dass die Jungs das umsetzen, was ich fordere, gibt es für mich keinen Grund, an der Seitenlinie den Hampelmann zu spielen“, erzählte Leitl vor einigen Jahren dem „Donaukurier“. „Mit wildem Gestikulieren oder Schreien bekommt man keine Ruhe ins Spiel. Ich bin ein empathischer Mensch und denke, dass das der richtige Weg ist.“

Es sind Werte wie Höflichkeit, Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft, die ihm schon in seiner Kindheit mitgegeben wurden und seine Trainerkarriere bislang geprägt haben. Fünf Jahre beim FC Ingolstadt, drei bei Greuther Fürth – inklusive Aufstieg in die Bundesliga – und schließlich zweieinhalb Jahre bei Hannover 96.

Egoismus und Ellbogenmentalität sind Leitl fremd

Galt er als Spieler noch als „schlampiges Genie“, das nach eigener Ansicht eine erfolgreichere Karriere hätte haben können, wird er als Trainer für seine klaren Meinungen geschätzt. Egoismus und Ellbogenmentalität seien ihm fremd, sagte mal ein Wegbegleiter über den Vater von drei Kindern, der seine Frau Mirjana 2006 heiratete.

Jetzt beginnt für Stefan Leitl ein neues sportliches Kapitel. In Berlin. Bei Hertha BSC. Einem Klub, der mal wieder auf der Suche nach sich selbst ist.

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