Cristian Fiél leistete erst mal Aufbauarbeit. Ein Schulterklopfer für Pascal Klemens, ein aufmunterndes Lächeln für den hadernden Jonjoe Kenny und eine Umarmung für einen völlig abgekämpften Deyovaisio Zeefuik. Das 1:3 (1:1) beim SV Darmstadt 98 hinterließ bei Hertha BSC am Sonnabend angesichts der ersten Auswärtsniederlage der Saison vor allem Unzufriedenheit. Und im zweiten Schritt die Erkenntnis, dass gleich neun Spieler nicht so einfach zu ersetzen sind.

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„Wir haben es trotz der vielen Ausfälle echt gut gemacht. Das habe ich so auch noch nicht erlebt. Trotzdem ist es sehr bitter, dass wir das Spiel heute verlieren“, erklärte Florian Niederlechner, einziger Torschütze des Berliner Fußball-Zweitligisten in Hessen.
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Hertha BSC mit Dreierkette und viel Offensivpower
Trainer Fiél kompensierte die Ausfälle in der Innenverteidigung, indem er auf eine Dreierkette mit Pascal Klemens im Zentrum setzte, dazu gleich sechs Offensivkräfte aufbot. Die Aufstellung folgte dem Motto: Wir ignorieren die Defensivprobleme und fokussieren uns einfach auf das Spiel nach vorn.
Darmstadt-Trainer Florian Kohfeldt sprach durch den Personalengpass beim Gegner von der schwierigsten Spielvorbereitung, seit er Anfang September in Hessen den Trainerstuhl übernahm. Das Fazit, nachdem der 42-Jährige die Aufstellung gesehen hatte: „Sie werden ihr Heil in der Offensive suchen.“
Eine mutige Idee, die auch erst mal voll aufging. Eine halbe Stunde, fast 40 Minuten lang, war Hertha die deutlich stärkere Mannschaft. „Wir haben sie nicht zur Entfaltung kommen lassen, es auch defensiv gut gemacht haben“, bewertete Herthas Chefcoach Fiél die ersten Eindrücke seiner Mannschaft, die sich mit dem Treffer zum 1:0 belohnte.
Herthas Ausfälle im Überblick
John Brooks (Sprunggelenk)
Jeremy Dudziak (Muskelverletzung)
Marten Winkler (Muskelverletzung)
Bilal Hussein (Sprunggelenk)
Kevin Sessa (Muskelverletzung)
Fabian Reese (Schmerzen im Fuß)
Linus Gechter (Schlag abbekommen)
Luca Schuler (musk. Probleme)
Cuisance und Kenny fälschen vor dem Ausgleich ab
Derry Scherhant arbeitete sich über die linke Seite in den Strafraum, legte quer und fand Ersatz-Kapitän Niederlechner, der im richtigen Moment in den Ball rutschte (21. Minute). Das vierte Saisontor in der Liga für den Stürmer, der dritte Treffer in den vergangenen vier Spielen.
Doch die Tatsache, dass die Mannschaft von Trainer Kohfeldt immer besser mit dem 3-5-2 des Hauptstadtklubs klarkam, sich auf den Matchplan der Berliner eingestellt hatte, führte zu mehr Druck auf das Tor von Keeper Tjark Ernst. Während der Treffer von Kai Klefisch (26.) wegen Abseits noch zurückgenommen wurde, zählte der Versuch von Philipp Förster (45.+2).
Vor der Strafraumkante waren Deyovaisio Zeefuik und Isac Lidberg mit den Köpfen zusammengerasselt. Eine Behandlungspause inklusive Turban beim Darmstädter später, stand Förster zum fälligen Freistoß bereit. Der Mittelfeldspieler zog ab und bekam nach einem Block von Niederlechner noch den Nachschuss, den er abgefälscht durch Kenny und Michael Cuisance zum Ausgleich einnetzte.
Thorsteinsson-Treffer zählt nicht
„Wenn man so viel vom Spiel hat, muss man auch nachlegen“, monierte Trainer Fiél, nicht zum ersten Mal in dieser Saison. „Du kannst eben immer noch ein Gegentor bekommen.“ Und bei einem sollte es nicht bleiben, am Böllenfalltor.
Das notdürftig zusammengeschusterte Abwehrkonstrukt zerfiel in seine Einzelteile. „Wir waren nicht mehr ganz so mutig“, sagte Herthas Übungsleiter. „Dann hat Darmstadt den Druck aufgebaut und wir sind immer den Schritt zu spät gekommen.“
Ärgerlich aus blau-weißer Sicht: Ein Treffer von Jon Dagur Thorsteinsson zum vermeintlichen 2:1 zählte nicht. Eine Flanke von Scherhant hatte der Isländer mit der Brust angenommen und aus kurzer Distanz ins Tor befördert. Doch der VAR sah ein Handspiel und wies Schiedsrichter Patrick Alt dazu an, auf Abstoß zu entscheiden.
Hertha BSC erstmals mit zwei Niederlagen in Folge
Selbst aus verschiedenen Perspektiven war diese Entscheidung nicht hundertprozentig nachzuvollziehen. „Es wurde Handspiel gepfiffen, aber ich kann nicht sagen, wo dieses Handspiel war“, blieb auch Hertha-Trainer Fiél ratlos zurück.
Stattdessen erhöhte Darmstadt. Erst durch Lidberg, der am zweiten Pfosten im Kopfballduell gegen Aushilfsinnenverteidiger Kenny leichtes Spiel hatte (65.), dann spazierte Andreas Müller durch Herthas defensives Mittelfeld und zog aus 25 Metern ab (80.).
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„Wie wir die Tore kassieren, ist einen Tick zu einfach“, erklärte Chefcoach Fiél. „Das sind Dinge, die wir verbessern müssen.“ Dafür ist nun in der Länderspielpause Zeit, in die Hertha mit zwei Niederlagen in Folge geht. Eine kleine Negativserie, die es in dieser Saison noch nicht gab.







