Marius Gersbeck lief quer über den ganzen Platz. Ohne großen Jubel, aber mit einem klaren Ziel: Er musste sich unbedingt bei Ibrahim Maza bedanken! Der Youngster von Hertha BSC hatte gerade das 2:1 im Duell mit Hansa Rostock erzielt und damit einen unentschuldbaren Fehler Gersbecks ausgebügelt, der kurz zuvor zum Ausgleich geführt hatte. Deshalb tätschelte Gersbeck jetzt kurz Maza, dann ging es wieder schnurstracks zurück in sein Gehäuse. Noch war schließlich eine knappe halbe Stunde zu spielen.

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Die überstanden die Berliner schadlos und legten sogar noch drei eigene Treffer nach, sodass am Ende ein 5:1 (1:0) für die Mannschaft von Cristian Fiél zu Buche stand. Der hochverdiente Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals war damit gesichert. Vielleicht war aber die Erkenntnis noch wichtiger, dass Hertha in diesem schwierigen Spiel Widerstände überwunden und die Nerven behalten hat.
Hertha BSC musste in Rostock einen echten „Pokalfight“ bewältigen
Die Polizei hatte die Partie im Vorfeld wegen der ausgeprägten gegenseitigen Abneigung beider Fangruppen zu einem Risikospiel deklariert und war deshalb mit einem Großaufgebot vor Ort. Vor und während des Spiels blieb es abseits ein paar bengalischer Feuer aber weitestgehend ruhig, wodurch der Fokus komplett auf dem Sportlichen liegen konnte.
Wobei mit dem ständigen Nieselregen und der lautstarken Kulisse von 25.600 Zuschauern im Rostocker Ostseestadion schon noch zwei externe Einflüsse hinzukamen, die die Ausgangslage eines „Pokalfights“ begünstigten.
Fiél bemängelt fehlende Geduld
Dass auch Hertha bereit war, diesen Kampf anzunehmen, zeigte sich dadurch, dass Deyovaisio Zeefuik erstmals in die Startelf berufen worden war. Das „Kampfschwein“ sorgte mit seiner körperlichen Spielweise für ein gutes Gegengewicht zum giftigen, vom Heimpublikum angestachelten, Rostocker Auftritt.
„Es ist genau das auf uns zugekommen, was wir erwartet hatten“, erklärte der Berliner Trainer Cristian Fiél. „Ein Gegner, der gut verteidigt und dir nicht viel Raum gibt.“ Seine Mannschaft ließ den Ball zirkulieren und konnte zunächst keine gefährlichen Torchancen herausspielen. Es war Geduld gefragt – und genau die fehlte laut Coach Fiél im eigenen Ballbesitz.
Derry Scherhant bringt Hertha in Führung
Da war es dann bezeichnend, dass das 1:0 nach einer Standardsituation fiel: Rostock konnte einen Freistoß aus dem Halbfeld zweimal nicht klären, ehe Derry Scherhant in bester Mittelstürmermanier aus der Drehung die Berliner Führung erzielte (38.). Es war die Belohnung für einen engagierten Auftritt des Linksaußen, der immer wieder auch gute Momente im Gegenpressing hatte.
„Gibst du Hansa den Moment, wo du nicht auf den Ball gehst und ihnen Tiefe anbietest, kriegst du Probleme“, sagte Fiél dazu, der die schnellen Ballrückgewinne seiner Mannschaft als „außergewöhnlich gut“ lobte. So war Rostock im Grunde völlig ungefährlich – bis eben zu Gersbecks schwerem Patzer direkt nach der Halbzeit. Er spielte Rostocks Albin Bersha den Ball direkt in die Beine, sodass dieser nur noch ins leere Tor einschieben musste.
Gersbeck: „Es war dumm.“
„Es war dumm. Ich wollte das Spiel verlagern und habe einen schlechten Pass gespielt“, sagte der Torhüter nach der Partie selbst. Seine Mannschaft brauchte schon einige Momente, um diesen Schock wieder abzuschütteln. Dann aber kam Mazas Antwort (66.).

„Das war ein Fehler, der passieren kann, aber natürlich nicht passieren darf“, sagte Fiél zu der Szene. Er hatte Gersbeck ja den Vorzug vor dem etatmäßigen Stammkeeper Tjark Ernst gegeben, um ihn für dessen starke Trainingsleistung zu belohnen. Mit dem Gegentreffer hatte er das nun teuer bezahlt.
Hertha BSC beweist Teamfähigkeit
„Die Reaktion der Jungs war für mich aber außergewöhnlich gut. Dafür ist es ein Mannschaftssport. Wenn der Kollege einen Fehler macht, versuchst du, es wieder rauszureißen“, so Fiél. Und Hertha war an diesem Tag eine wirklich starke Mannschaft, mit der neuerlichen Führung war die Selbstsicherheit zurück.
Haris Tabakovic bereitete mit einem starken Steilpass das 3:1 durch Marten Winkler vor (75.), der eingewechselte Florian Niederlechner machte den Erfolg mit einem Doppelschlag zum Kantersieg (85./88.). Damit ist nun der erste Pflichtspielsieg unter Fiél gebucht, Hertha befindet sich weiter auf dem Weg nach vorn.
Am nächsten Sonnabend gibt es im Heimspiel gegen Jahn Regensburg (13 Uhr, Olympiastadion) die Chance, das auch in der Liga zu zeigen. Dabei hilft die Erkenntnis, dass die Berliner in der Lage sind, auch gravierende Widerstände wie durch solch einen harten individuellen Fehler aus dem Weg zu räumen. Das freute zum Ende des Tages natürlich auch Gersbeck selbst: „Es ist ein Mannschaftssport. Da geht es nicht um mich, da geht es um Hertha. Und heute hat man gesehen, dass wir eine gute Truppe sind.“





