Der Traum vom Finale lebt weiter: Hertha BSC schlägt den Hamburger SV im Achtelfinale des DFB-Pokals mit 5:3 im Elfmeterschießen und steht in der Runde der letzten Acht. Doppeltorschütze Fabian Reese versenkte den entscheidenden Elfmeter. Nach Verlängerung hatte es 3:3 (2:2, 1:2) gestanden. „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Ich finde, zum Schluss war es ein verdienter Sieg“, sagte Trainer Pal Dardai. Alle Hertha-Profis verwandelten ihre Elfmeter: Neben Reese waren das Prevljak, Klemens, El-Jindaoui und Kenny.

Es wehte an diesem kalten Mittwochabend ja schon allein deshalb ein Hauch von Pokalfinale durchs Olympiastadion, weil Herthas Fans rund 15.000 stimmgewaltige Gästeanhänger aus Hamburg gegenüberstanden. So schufen die beiden Fanlager eine würdige Pokalkulisse.

Herthas Trainer Pal Dardai ließ seine Elf wie angekündigt in der Besetzung beginnen, die am Wochenende in der zweiten Halbzeit gegen die SV Elversberg das 5:1 herausgespielt hatte. Das hieß auch, dass der zuletzt angeschlagene Kapitän und Ex-Hamburger Toni Leistner zwar in den Kader zurückkehrte, aber zunächst nur auf der Bank saß. Marton Dardai und Linus Gechter bildeten die Innenverteidigung, Michal Karbownik verteidigte auf der linken Außenbahn und Deyovaisio Zeefuik spielte im zentralen Mittelfeld.

Hertha BSC lieferte dem HSV eine harten Pokalfight, hier in Person von Florian Niederlechner (rechts).
Hertha BSC lieferte dem HSV eine harten Pokalfight, hier in Person von Florian Niederlechner (rechts).© dpa | Andreas Gora

Hertha agiert ebenbürtiger als im Zweitligaduell mit dem HSV

Den Berlinern war anzumerken, dass sie die Gelegenheit dieses Abends nutzen wollten. Von den frenetischen Hertha-Fans angetrieben, die selbst kleinste gelungene Aktionen lautstark bejubelten, biss sich die Dardai-Elf ins Spiel. Der HSV agierte ballsicher, doch Hertha ließ sich keinesfalls so einlullen wie vor zweieinhalb Monaten beim 0:3 in Hamburg in der Zweiten Liga. „Wenn man den Vergleich zu vor zweieinhalb Monaten macht, wie Hamburg uns da vorgeführt hat. Heute war das anders“, sagte Dardai.

Auf dem Weg nach vorne lief für Hertha alles über die linke Offensivseite von Fabian Reese. Und schon bald durften die Berliner jubeln: Der Linksaußen selbst leitete einen Angriff ein und setzte Florian Niederlechner in Szene. Dessen Hereingabe wurde so abgeblockt, dass im Strafraum wieder Reese an den Ball kam. Sein erster Versuch landete am Pfosten, doch mit dem Abpraller erzielte der 26-Jährige das 1:0 (21.).

Herthas Leistner feiert schon in der ersten Halbzeit sein Comeback

Direkt nach dem Führungstreffer kam dann doch Leistner (für Gechter) in die Partie und übernahm auch gleich die Kapitänsbinde vom Torschützen Reese. Der Innenverteidiger konnte jedoch nicht verhindern, dass die Berliner mit der Führung im Rücken hin und wieder in gelegentliche Passivitäten verfielen. So glich der HSV kurz darauf aus: Immanuel Pherai hatte in zentraler Position zwanzig Meter vor dem Tor viel zu viel Platz und erzielte mit einem Flachschuss das 1:1 (31.).

Der Ausgleich ging angesichts der Hamburger Feldüberlegenheit durchaus in Ordnung. Herthas intensive Spielweise hatte Kräfte gekostet: Kurz vor der Pause hatte Laszlo Benes schon die große Möglichkeit, das Spiel zu drehen (41.). Und nur zwei Minuten später erzielte ebenjener Benes dann tatsächlich das 1:2: Tjark Ernst konnte im dichten Getümmel eine Hereingabe nicht festhalten, Hamburgs Mittelfeldspieler staubte ab (43.).

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Der Rückstand zog sowohl Herthas energetischer Spielweise als auch dem Berliner Anhang etwas den Stecker. Der HSV kontrollierte die zweite Hälfte und traf einmal den Pfosten (49.). Doch die Dardai-Elf steckte nicht auf und untermauerte wie vom Trainer gefordert die Weiterentwicklung im Vergleich zum ersten Aufeinandertreffen beider Teams. Das hatte auch mit der Einwechslung Gustav Christensens zur Pause zu tun: Der Däne belebte Herthas rechte Seite, die vorher durch den blassen Derry Scherhant verwaist wirkte.

Nader El-Jindaoui feiert sein Profidebüt für Hertha BSC

Ein Kopfball von Haris Tabakovic (52.) führte noch nicht zum Ziel, ebenso wenig wie eine Doppelchance des eingewechselten Smail Prevljak und Reese (64.). Coach Dardai warf alles nach vorne: In der 80. Minute kam Nader El-Jindaoui aus Herthas zweiter Mannschaft zu seinem Profidebüt. Hertha war bemüht, doch wirklich stürmisch erschien Herthas Schlussoffensive in den letzten Minuten nicht. Die Körner waren nach diesem Pokalfight schlichtweg aufgebraucht.

Dann aber trug ein letzter Aufwind den Ball noch einmal auf die linke Seite zu Fabian Reese, und Herthas Alleskönner wollte sich noch nicht mit dem Ende des Finaltraums abfinden. Er zog nach innen und hämmerte den Ball aus zwanzig Metern humorlos per Aufsetzer in die Maschen (90.). „Fabi genießt seine Kabine, sein Training, seinen Trainerstab, seine Spielweise. Bei einem Eins-gegen-Eins gegen Fabi ist es immer schwierig für den Gegner“, sagte Dardai über seinen Schützling. Es ging also in die Verlängerung.

Die Berliner wirkten darin zunächst wie das frischere Team, doch Hamburg durfte durch eine Koproduktion seiner Joker jubeln: Sebastian Glatzel legte eine Flanke perfekt in die Mitte auf Ransford Königsdörffer ab, der nur noch einschieben musste (102.). Hertha schien nun völlig erledigt und war von Krämpfen übermannt, doch Reese schüttelte noch einen letzten Antritt aus seinen müden Knochen. Er ging auf die Grundlinie und brachte den Ball scharf ins Zentrum, wo ihn Jonjoe Kenny tatsächlich zum 3:3 über die Linie drückte. Der Rest war blau-weißer Jubel.