Die Erleichterung war beinahe greifbar. Als der Schlusspfiff ertönte, verschwanden sie bei Hertha BSC in ganz vielen Umarmungen. 2:1 (1:0) gegen Greuther Fürth, der erste Sieg des Jahres für den Berliner Fußball-Zweitligisten. „Wir haben verdient gewonnen, das ist für die Moral sehr gut, die Jungs halten zusammen“, erklärte Trainer Pal Dardai am Sonntagnachmittag.
Der blau-weiße Hauptstadtklub greift somit auch wieder ins Aufstiegsrennen ein – zumindest aus der Ferne. Für Fürth ist die Niederlage ein Dämpfer im Kampf um die Bundesliga-Tickets. Mit einem Sieg wäre Relegationsrang drei drin gewesen, jetzt ist es Platz vier mit zwei Punkten Rückstand auf den Dritten Hamburger SV.
Bei Hertha BSC wiederholt sich die Geschichte
Hertha wiederum klettert auf Rang acht und hat nun genauso viel Rückstand nach oben wie Polster nach unten (acht Punkte). „Als Kollektiv waren wir füreinander da“, erklärte Fabian Reese, der nach 70 Tagen in die Startelf zurückkehrte. „Das war der ausschlaggebende Grund, weshalb wir als Sieger vom Platz gegangen sind.“ So wiederholen sich die Dinge. Und zwar gleich doppelt.
Auch in der Hinrunde hatte Hertha bis zum vierten Spieltag noch nicht gewonnen. Bis zum Duell gegen Fürth. Diesmal gab es zwar keinen Kantersieg wie beim 5:0 im August. Der Effekt aber ist der gleiche: ein Befreiungsschlag, die ersten drei Punkte. Und am Ende vielleicht die Initialzündung für die restliche Rückrunde.
Greuther Fürth ist Kempfs Lieblingsgegner
Zu verdanken war das Marc Kempf, der sowohl in der 34. Minute nach einem Eckball als auch in der 63. Minute nach einem Freistoß mit dem Kopf zur Stelle war, um einzunetzen. Ein Doppelpack. Das ist dem Innenverteidiger in seiner Karriere schon mal gelungen. Im August 2021, damals noch im Trikot des VfB Stuttgart. Gegner? Greuther Fürth.
Weil bei Hertha im Moment aber in Sachen Personal offenbar Murphys Gesetz herrscht, ging schief, was schiefgehen kann. Und deshalb verletzte sich Kempf, ausgerechnet ein Innenverteidiger. Die Position, auf der die Berliner in Fürth alles andere als üppig besetzt waren.
Youngster Hoffmann feiert sein Profi-Debüt
Eigentlich hatte Linus Gechter den gelbgesperrten Kapitän Toni Leistner ersetzen sollen. Doch der nächste Virus im Team warf die Planung von Trainer Dardai über den Haufen. „Wir sind verflucht“, sagte der Ungar vor der Partie. „Über Nacht hat es unseren letzten Innenverteidiger erwischt. Linus Gechter hat Magen-Darm.“ Deshalb rutschte Pascal Klemens in die Abwehrzentrale und Tim Hoffmann aus der U19 in den Kader.
Dass der 18-Jährige so schnell zu seinem Debüt kommen würde, hatten sie bei Hertha aber nicht geplant. Doch als Kempf nach seinem zweiten Treffer unglücklich aufkam und ausgewechselt werden musste, fand sich Hoffmann plötzlich mitten im Geschehen wieder.
„Es sieht nicht gut, wahrscheinlich das Außenband gedehnt oder gerissen“, erklärte Trainer Dardai. „Am Montag MRT und dann können wir mehr sagen. Er wird erst mal 14 Tage fehlen, im schlimmsten Fall noch mehr.“
Tabakovic mit Knieproblemen, Gelb-Rot für Niederlechner
Zu allem Überfluss ist die Defensive nicht der einzige Mannschaftsteil, auf den Dardai mit Sorgenfalten schaut. Auch Torjäger Haris Tabakovic hatte sich abmelden müssen. „Haris hatte diese Woche Probleme mit dem Knie“, erklärte Dardai. „Da sollte Smail Prevljak seine Chance bekommen, aber er hat auch einen Magen-Darm-Virus.“
Die Krankheitswelle in Westend ebbt nicht ab. „Die Frage wird sein, wer am Freitag bei uns spielt“, blickte der Chefcoach schon auf die Partie gegen den 1. FC Magdeburg (18.30 Uhr, Sky). „Ich hoffe, dass keiner mehr krank wird, sonst haben wir keine Spieler mehr.“
Zumal Florian Niederlechner auch nicht mitwirken darf. Der Stürmer, der in Fürth eine kämpferisch starke Partie machte, sah in der zehnten Minute der Nachspielzeit die Gelb-Rote Karte. „Das ist ärgerlich, das war nicht mal ein böses Foul“, befand Trainer Dardai. „Wir können nichts machen, das müssen wir akzeptieren.“
Hertha BSC zum Schluss mit Durchschnittsalter von 21,7 Jahren
Die letzten Minuten, in denen Fürth auf den erneuten Ausgleich drückte, nachdem Branimir Hrgota das 1:0 des Hauptstadtklubs mit dem Ausgleich gekontert hatte (56.), absolvierten die Berliner in Unterzahl. Und mit einem Durchschnittsalter von 21,7 Jahren.
„Wir haben zum Schluss leidenschaftlich verteidigt, mit Jugendspielern, mit starken Paraden von Tjark“, lobte Pal Dardai. Vier Eigengewächse – darunter Ibrahim Maza, der sein Comeback nach langwierigen Meniskusproblemen feierte – insgesamt sechs Profis im Alter von 21 oder jünger sicherten den Sieg.
„So ist ein Auswärtsspiel, clever spielen, gut verteidigen. Ich bin stolz, dass wir drei Punkte mit nach Hause nehmen“, bilanzierte Dardai. Der 47-Jährige hofft nun, dass sich sein Kader bis zum Heimspiel am Freitag nicht noch weiter ausdünnt. Damit der Befreiungsschlag keine Eintagsfliege bleibt.


