Es war eine Premiere für Pal Dardai. Als der Trainer von Hertha BSC nach dem Duell mit Greuther Fürth am Sonnabend zur Pressekonferenz kam, gratulierte ihm Gästecoach Alexander Zorniger zum Sieg. Bislang war es immer der Ungar gewesen, der seinem Kollegen die Glückwünsche überbringen musste. Ein völlig neues Gefühl also, das nicht nur der 47-Jährige auskostete.

Seine Spieler hatten kurz zuvor das Tollhaus Olympiastadion mit 35.291 Zuschauern mit jeder Faser genossen. 5:0 (2:0) gegen Fürth – der erste Saisonsieg für den Berliner Fußball-Zweitligisten, die ersten drei Punkte, die den Hauptstadtklub weg vom Tabellenende beförderten.

Hertha BSC spielt zum ersten Mal in der Liga zu Null

„Ich bin froh, dass sie sich befreit haben“, erklärte Cheftrainer Dardai lächelnd. Eine Gefühlsregung, die man beim ihm in den vergangenen Wochen immer seltener gesehen hatte. Zu erdrückend war der Fehlstart mit drei Niederlagen und null Toren gewesen.

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Am Sonnabend aber herrschte riesige Erleichterung im blau-weißen Kosmos, fast schon pure Ekstase. Die Mannschaft feierte minutenlang vor der Ostkurve, tanzte und hüpfte. „Das war von vorn bis hinten stark“, erklärte Torhüter Tjark Ernst, der dazu beitrug, dass die Berliner zum ersten Mal in dieser Saison zu Null spielten.

Eine Premiere von vielen an diesem Sonnabendnachmittag. Die zweite: Der Einsatz von Neu-Verpflichtung Michal Karbownik. Nach Schulterbeschwerden hatte der Pole im Kader bislang gefehlt, stand gegen Fürth aber direkt in der Startelf (statt Pascal Klemens) – und lenkte das Spiel von hinten heraus.

Tabakovic nutzt Patzer von Fürth-Torhüter Urbig

So entstanden Räume, die seine Teamkollegen zu nutzen wussten. Wie Haris Tabakovic, der mit seinem ersten Tor in der Zweiten Liga die 292 Minuten dauernde Durststrecke ohne Hertha-Treffer beendete. Premiere Nummer drei.

Der erste Saisonsieg: Hertha BSC feiert vor der Ostkurve.
Der erste Saisonsieg: Hertha BSC feiert vor der Ostkurve.© imago/Beautiful Sports | IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Luciano Lima

Der lang ersehnte Befreiungsschlag gelang allerdings nur unter Mithilfe der Fürther. Greuther-Keeper Jonas Urbig bekam einen scharfen Rückpass nicht unter Kontrolle und schoss den heraneilenden Tabakovic an, der den Ball so ins Tor lenkte – 1:0 (23. Minute).

„Ich habe gesehen, dass der Tormann die Ballkontrolle etwas weit gemacht hat. Da habe ich auf meine Chance gelauert und es hat geklappt“, erklärte der Schweizer Angreifer. „Es ist wichtig für die ganze Mannschaft, dieses positive Gefühl mal zu erleben, Tore zu schießen, zu gewinnen. Jeder hat es heute verdient.“ Auch Marten Winkler, der das 2:0 nachlegte (31.) und damit seinen ersten Treffer für die Profis des Hauptstadtklubs erzielte. Premiere Nummer vier.

Fürths Trainer Zorniger sieht Gelb-Rot

Das fünfte Debüt folgte nur 30 Sekunden nach Wiederanpfiff. Nach einem Ballgewinn im Mittelfeld nutzte Palko Dardai eine geschickte Vorarbeit von Tabakovic zum 3:0 (46.). So mühelos, wie der Offensivmann nach seinem Treffer über die Bande sprang und jubelnd Richtung Ostkurve stürmte, konnte Hertha fast froh sein, dass Dardai am Sonnabend im Olympiastadion stand – und nicht in der Heimat bei der Leichtathletik-WM in Budapest im Hindernislauf unterwegs war.

„Das dritte Tor war wichtig, danach war die Sache gegessen“, erklärte Trainer Dardai. Fürth hatte der Berliner Effizienz allerdings auch wenig entgegenzusetzen. Zu allem Überfluss wurde Gäste-Coach Zorniger dann auch noch von Schiedsrichter Tobias Stieler mit Gelb-Rot auf die Tribüne geschickt. Co-Trainer Rainer Widmayer übernahm gegen seinen Ex-Klub.

Weil sich das Geschehen auf dem Rasen währenddessen immer weiter Richtung Hertha-Tor verschob, reagierte Dardai, brachte dreimal frisches Personal – und die Joker stachen sofort. Der eingewechselte Gustav Christensen setzte sich auf der linken Seite gut durch und fand in der Mitte den ebenfalls frischen Smail Prevljak – 4:0 (66.). Das erste Tor für den Bosnier und damit Premiere Nummer sechs.

Schlechtester Saisonstart seit 51 Jahren abgewendet

Zehn Minuten später legte Prevljak dann für Tabakovic auf, der zum 5:0 einschob (77.). „Ich bin froh, dass der letzte Pass gelungen ist und wir fünf Tore geschossen haben“, sagte Trainer Dardai mit Blick auf die torlose Misere – abgesehen vom 5:0 im Pokal in Jena – der ersten Saisonwochen. „Die Jungs haben das top umgesetzt.“

Die Premiere Nummer sieben, der erste Sieg in der Liga, hat den schlechtesten Saisonstart seit 51 Jahren, als es vier Niederlagen in Folge setzte, abgewendet. „Wir müssen jetzt Dankbarkeit zeigen, am Boden bleiben und weiter Gas geben“, warnte Doppelpacker Tabakovic. Am kommenden Wochenende geht es zum 1. FC Magdeburg. Trainer Dardai ist sich aber schon sicher: „Wir werden nicht aus der Zweiten Liga absteigen.“