Es waren bewegende Momente, die sich im Olympiastadion vor dem Zweitligaspiel zwischen Hertha BSC und Fortuna Düsseldorf am Sonntag abspielten. Alles stand im Zeichen des Abschieds von Kay Bernstein. Der Hertha-Präsident war am vergangenen Dienstag plötzlich und unerwartet verstorben.

Die Atmosphäre im weiten Rund glich einer riesigen Trauergemeinde. Im Mittelkreis lag ein schwarzes Banner mit der Aufschrift „Wir Herthaner in tiefer Trauer“. Die Werbebanden wurden mit schwarzer Folie abgeklebt. Auf Höhe der Mittellinie hing ein Banner: „In tiefer Trauer um Kay“. Es gab kaum einen Bereich im Olympiastadion, der nicht an Bernstein erinnerte.
Auf Bernsteins Platz auf der VIP-Tribüne lagen Blumen, über die Lehne seines Sitzes war die blau-weiße Trainingsjacke gelegt, die ihn als Hertha-Präsidenten berühmt gemacht hatte.

In der Kapelle im Olmypiastadion gab es einen speziellen Gottesdienst, der auf den Videowänden im Stadion live übertragen wurde. Vor der Ostkurve wurde das Podest aufgebaut, von dem aus Bernstein einst als Vorsänger der Gruppierung „Harlekins“, die er mitbegründet hatte, agiert hatte.

Kay Bernstein: Ultras legen Kranz nieder
Angeführt von Andreas Neuendorf, Herthas Leiter des Lizenzspielerbereichs, legten die Ultras einen Kranz an jenem Podest nieder. Die üblichen Banner fehlten in der Ostkurve. Lediglich das schwarze „Unvergessen“-Plakat vor dem Capo-Pult war zu sehen. Bislang hatte es drei Köpfe gezeigt, nun wurde es um Bernsteins Porträts erweitert.

Gut eine halbe Stunde vor dem Anpfiff kam Pal Dardai auf den Rasen. Lange stand er auf dem Feld und schaute Richtung Ostkurve. Auf der Videoleinwand wurden Schwarz-Weiß-Fotos von Bernstein gezeigt. „Er hat nie gesagt, was ist gut für Kay, er hat immer gesagt, was ist gut für Hertha BSC“, umriss der Hertha-Trainer in einem Satz, wie wichtig Bernstein für den Hauptstadtklub gewesen ist.

Abschied von Kay Bernstein: Andächtige Musik während des Aufwärmens
Wenig später kamen Herthas Profis zum Aufwärmen auf den Rasen, gekleidet in schwarzen Shirts über ihren weißen Trainingsjacken. Verhaltener Applaus, keine Ansagen vom Stadionsprecher, im Hintergrund lief leise andächtige Musik – dass hier in einer halben Stunde Fußball gespielt werden sollte, erschien in diesen Momenten ganz weit weg. Auch Düsseldorfs Fans standen schweigend im Auswärtsblock.

Es gab kurzen Applaus, als sich die Mannschaft wieder Richtung Kabine verabschiedete, begleitet vom John-Lennon-Klassiker „Imagine“. Auf die üblichen Rituale vor dem Anpfiff wurde verzichtet. Die Mannschaftsaufstellungen wurden nur verlesen. Als Stadionsprecher Udo Knierim dies erklärte, gab es kurz Applaus von den Rängen, danach wieder Schweigen. Es folgte eine Schweigeminute, die von bewegenden Worten von Stadionsprecher Fabian von Wachsmann eingeleitet wurde.
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Tausende Hertha-Fans beim Trauermarsch

Am Vormittag waren rund 7000 Menschen in einem Trauermarsch schweigend zum Olympiastadion gezogen. „In tiefer Trauer um Kay“ stand in weißen Buchstaben auf einem schwarzen Banner an der Spitze des Zuges, der sich vom Theodor-Heuss-Platz zum ersten Heimspiel der Berliner aufmachte. Die Fans waren schwarz gekleidet oder trugen die blaue Trainingsjacke des Fußball-Zweitligisten


