Gustav Christensen schleppte eine Kiste Bier in die Kabine. Marius Gersbeck ebenfalls. Und irgendwann tauchte noch ein dritter Kasten auf. Geschenke aus der Ostkurve. Böse Zungen könnten behaupten, dass der Alkohol am Sonnabend dringend nötig war. Um sich das 0:0 gegen den VfL Osnabrück schön zu trinken. „Eine nette Geste, wir haben uns brutal gefreut“, erklärte Florian Niederlechner. „Wir haben heute Abend noch Weihnachtsfeier.“

Für Trainer Pal Dardai war noch eine Flasche Rotwein dabei. Der Ungar ist bekennender Weinliebhaber. Und wirkte nach dem Unentschieden gegen den Tabellenletzten überraschend entspannt. „Für uns sind das nach Dardai-Rechnung minus zwei Punkte“, erklärte der Coach. „Das tut aber nicht weh, weil wir am Anfang der Saison solche Spiele noch verloren hätten.“

Hertha BSC verabschiedet sich mit einer trostlosen Vorstellung aus 2023

Jetzt steht der Hauptstadtklub nach 18 Partien im Mittelfeld der Tabelle. Nach den Duellen der Konkurrenz am Sonntag ist alles zwischen Rang sieben und neun drin. Der Sichtkontakt mit den Spitzenteams der Zweiten Liga ist hergestellt. In Westend gibt’s zur Abwechslung mal fröhliche Weihnachten.

Dabei war die letzte Partie im Jahr 2023 wie Rouladen ohne Füllung und Sauce – trocken, zäh und weit von einem Leckerbissen entfernt. Der Grund: Hertha fehlte Fabian Reese an allen Ecken und Enden. Der Schlüsselspieler der Berliner hatte mit einem fiebrigen Infekt passen müssen.

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„Fabi hat gefehlt, so ehrlich muss man sein“, sagte auch Niederlechner. „Aber das darf keine Ausrede sein.“ Niemand hatte dem Rest der Mannschaft verboten, trotzdem Fußball zu spielen. Doch damit taten sich die Blau-Weißen gegen einen kompakten Gegner recht schwer: kein Tempo, kein Zielspieler für schnelles Umschalten, ideenlose Offensive und behäbiges Aufbauspiel.

Wenige Torszenen, kaum Gefahr in den Strafräumen

Haris Tabakovic, der im Vergleich zum 2:1 gegen Kaiserslautern Smail Prevljak in der Startelf ersetzte, schoss sich selbst an die Hand (21. Minute), Derry Scherhant versuchte es nach einem Solo-Lauf (45.+1), Marten Winkler köpfte nach Flanke vom eingewechselten Nader El-Jindaoui, der sein Zweitliga-Debüt feierte, knapp am Tor vorbei (76.). Und Michal Karbownik vertändelte einen aussichtsreichen Alleingang kurz vor Schluss (90.+5).

Es sollten die einzigen Torannäherungen der Berliner bleiben. „Für die Zuschauer war das optisch nicht so schön“, wusste Trainer Dardai. „Aber beide Mannschaften müssen das Unentschieden akzeptieren.“ Osnabrück hatte schließlich auch nicht viel anzubieten.

Die 43.650 Zuschauer hatten sich beinahe eine Tapferkeitsmedaille fürs Durchhalten verdient, als kurz vor Schluss dann doch noch etwas Leben in die Partie kam. Allerdings sehr zum Leidwesen der Gastgeber. Stürmer Niederlechner sah nach einem Foul an VfL-Mittelfeldspieler Lukas Kunze die Gelbe Karte.

Niederlechner sieht nach VAR-Einschreiten Rot

Weil sich dann aber der Kölner Keller meldete, Schiedsrichter Patrick Ittrich noch einmal an den Monitor gebeten wurde und nach Studium der Bilder doch Rot zückte, war der Frust bei Niederlechner ziemlich groß. „Scheiß VAR“ polterte der Bayer, als er in die Katakomben stapfte.

„Ich habe gewusst, dass ich ihn erwischt habe, aber es gab kein Tempo in der Aktion und er ist ja auch sofort wieder aufgestanden“, erklärte Niederlechner hinterher. „Das ist ja der ganze Quatsch am Videobeweis. Sie schauen sich dann ein Standbild an, wo sie sehen, dass ich mit offener Sohle an seinem Knöchel war und geben Rot. Drum braucht den VAR keiner, drum will ihn keiner, drum hasst ihn jeder.“

Auch Kapitän Toni Leistner und Trainer Dardai waren unzufrieden mit dem Ablauf der Entscheidung. Referee Ittrich hatte erst diverse Male auf Vorteil für Hertha entschieden, dann aber unterbrochen und das Foul von Niederlechner geahndet, obwohl die Berliner zwischenzeitlich gar nicht mehr in aussichtsreicher Situation gewesen waren.

Stürmer fehlt zum Rückrundestart gegen Düsseldorf

„Aus Vorteil, Vorteil und Vorteil hat er eine Rote Karte gezeigt“, sagte Chefcoach Dardai. „Die Szene gefällt mir nicht. Aber Flo muss das akzeptieren.“ Mindestens zum Rückrundenstart gegen Fortuna Düsseldorf am 21. Januar (13 Uhr, Olympiastadion) wird der Angreifer seinem Klub fehlen.

Für Niederlechner endete das Fußballjahr 2023 damit frustierend. Der Rest des blau-weißen Tross suchte das Positive. „Wir sind jetzt seit neun Spielen ungeschlagen“, sagte Kapitän Leistner, „das muss uns in dieser Liga erst mal jemand nachmachen.“