Drittes Spiel, dritte Niederlage für Hertha BSC in der Zweiten Liga. Nach dem verdienten 0:3 (0:2) beim Hamburger SV, bei dem die Berliner nahezu alles schuldig blieben, rutschte Hertha wieder ans Tabellenende. Hertha ist damit der erste Bundesliga-Absteiger seit Einführung der eingleisigen Zweiten Liga, der nach drei Partien punkt- und torlos ist.

„Wir haben die erste Halbzeit verschlafen und uns nicht getraut, mit dem Ball zu spielen“, suchte Defensivmann Jeremy Dudziak nach einer Erklärung: „Wir müssen einfach mehr Eier kriegen und diese Eier nicht nur im Training zeigen.“

Abwehrspieler Leistner redet Klartext nach der Niederlage

Abwehrspieler Toni Leistner sagte: „Wir reden in der Woche immer ganz viel, aber im Endeffekt fehlt die Qualität wahrscheinlich. Das Übergangsspiel ist nicht da, die Torchancen sind nicht da, die Körpereinsätze sind vorne nicht da – damit kann man in der Zweiten Liga nicht bestehen. Es fehlt die Überzeugung, es fehlen die Erfolgserlebnisse. Ich dachte, dass wir mit dem Jena-Spiel im Pokal Erfolgserlebnisse gesammelt haben. Aber heute haben wie uns – auf gut Deutsch – eingekackt bei den Zuschauern hier.“

Zum sportlichen Fehlstart gesellt sich ein Fortgang in der Causa Marius Gersbeck. Wie die „Süddeutsche“ berichtet, wird die Salzburger Polizei Anzeige gegen den Hertha-Torwart wegen schwerer Körperverletzung stellen. Gersbeck soll im Juli während des Trainingslagers in Zell am See einen Österreicher krankenhausreif geprügelt haben. Kommende Woche soll der Abschlussbericht der Polizei an die Staatsanwaltschaft überstellt werden, die dann über eine Anklage gegen den 28-Jährigen entscheiden wird.

Hertha BSC startet mit Gechter für Serdar

In Hamburg hatte Hertha-Trainer Pal Dardai seine Startelf auf einer Position verändert. Linus Gechter ersetzte Suat Serdar, der nicht im Kader stand. Wie Dardai am Sky-Mikrofon erklärte, wollte Serdar selbst kein Risiko eingehen, nachdem er am Donnerstag die Trainingseinheit wegen muskulärer Probleme abgebrochen hatte.

Das Problem, mit dem der Bundesliga-Absteiger vor 57.000 Zuschauern im ausverkauften Volksparkstadion zu kämpfen hatte, war schnell ersichtlich. Gegen dominante Hamburger reagierten die Berliner lediglich. Bei Balleroberungen fand kaum eine Spielfortsetzung statt, laut Statistik hatte der Hauptstadtklub das Spielgerät nach nur neun Sekunden schon wieder verloren.

Die Folge war das 0:1 nach 38 Minuten. Robert Glatzel konnte den Ball am Hertha-Strafraum unbedrängt kontrollieren, und Bakery Jatta durfte Glatzels Querpass völlig frei ins Tor schlenzen. Hertha-Torwart Tjark Ernst hatte keine Chance. Und Coach Dardai war erzürnt, rief in Richtung Trainerbank „Schlafmütze“, weil seine Mannschaft nach eigenem Ballverlust nicht schnell genug die Ordnung wiederhergestellt hatte.

Gegentor per Elfmeter in der Nachspielzeit

Zuvor durften die Berliner zweimal vom Videoassistenten profitieren. Glatzels vermeintlicher Treffer wurde wegen Abseitsstellung zuvor nicht gegeben (17.). Und der Strafstoß nach dem Zweikampf zwischen Hertha-Verteidiger Toni Leistner und Glatzel wurde von Schiedsrichter Frank Willenborg wegen Handspiels zuvor von Laszlo Benes wieder zurückgenommen.

Kurz vor der Pause dann der nächste Rückschlag für die Berliner. Wieder ein früher Ballverlust, dann bringt Benes den Ball in Richtung Hertha-Tor – wäre nicht die Hand von Marton Dardai dazwischen gewesen. Schiedsrichter Willenborg zögerte keine Sekunde, wieder Elfmeter für den HSV. Eine Chance, die sich Benes nicht entgehen ließ. Hertha-Torwart Ernst verladen, den Ball in die Mitte gesetzt – das 0:2 war perfekt (45.+4).

Kurz nach dem Seitenwechsel die nächste Hiobsbotschaft: Marton Dardai (Knieprobleme) musste angeschlagen vom Feld (53.), Marten Winkler ersetzte ihn. Erst in der 64. Minute zwang Palko Dardais Schuss HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes zur ersten Parade. Dann verzog Marco Richter (67.). Das bisschen Hertha-Hoffnung machte Hamburgs Glatzel mit dem 0:3 zunichte (81.).