Es ist eine Serie, die sich durchaus sehen lassen kann. Hertha BSC ist seit vier Spielen ungeschlagen. Das hat man in Westend zuletzt vor gut einem Jahr geschafft. Freuen wollte sich beim Berliner Fußball-Zweitligisten am Freitagabend aber niemand so recht. Denn das 2:2 bei Hannover 96, das diese Serie fortführte, kam nach einer 2:0-Halbzeitführung eher wie eine Niederlage daher.

„Es ist zum Kotzen, dass wir schon wieder eine 2:0-Führung hergeben“, meckerte Kapitän Toni Leistner. Teamkollege Fabian Reese war ähnlich unzufrieden: „Um nach oben zu kommen, braucht es Siege. Nichts ersetzt Siege – das ist die Botschaft des Abends. Wenn wir von Anfang bis Ende konzentriert agieren, werden wir Begegnungen gewinnen. Das muss in unsere Köpfe rein.“

Hertha BSC droht wieder näher an die Rote Zone zu rutschen

Dieses 2:2 gegen einen Aufstiegsaspiranten ist eines dieser Ergebnisse, das man vorher mit Kusshand genommen hätte. Das sich nach der Partie aber nach einer vergebenen Chance anfühlte. Und mit einem Blick auf die Tabelle ist es das auch.

Mit drei Punkten hätten die Berliner erneut die Möglichkeit gehabt, Anschluss an die obere Region herzustellen. So aber können bis Sonntagnachmittag noch drei Mannschaften an Hertha vorbeiziehen. Und der Vorsprung auf die Abstiegszone? Der kann von fünf auf zwei Zähler beträchtlich schrumpfen.

Diszipliniert und defensiv sicher: Hannover mit Problemen

Dass es in Hannover nicht einfach werden würde, war allen Beteiligten klar. Trainer Pal Dardai hatte – auch angesichts des ramponierten Rasens – ein Kampfspiel prophezeit. Zu kämpfen hatten aber erst mal vor allem die Hannoveraner. Und zwar mit dem Mut der Berliner, die früh anliefen, den Gegner unter Druck setzen und zu teils fahrlässigen Fehlern zwangen. Hertha war exzellent auf die Niedersachsen eingestellt. Der verdiente Lohn nach einer disziplinierten ersten Hälfte: die Führung.

Einen abgefangenen Abstoß von 96-Keeper Ron-Robert Zieler leitete Marton Dardai an Reese weiter, der den freistehenden und enorm aktiven Florian Niederlechner sah. Der Stürmer zog per Direktabnahme ab – und bejubelte das 1:0, sein zweites Saisontor (29.).

Youngster Klemens mit erstem Tor für die Profis von Hertha BSC

Hannover versuche sich mit einer Reaktion, wurde von den Gästen aus Berlin aber tief in die eigene Hälfte gedrückt. Offensive Versuche mussten immer wieder abgebrochen und über Zieler umgeleitet werden. Erst als ein Rückpass von Leistner zu kurz geriet, witterten die Hausherren ihre Chance. Doch Hannovers Nicolo Tresoldi hatte das Nachsehen gegen Keeper Tjark Ernst, der blitzschnell geschaltet und den Ball weit vor seinem Strafraum geklärt hatte (35.).

Die defensive Stabilität der Blau-Weißen stellte die beste Offensive der Liga (allerdings ohne ihren verletzten Toptorschützen Cedric Teuchert) vor beinahe unlösbare Aufgaben. Und förderte das eigene Selbstvertrauen in Sachen Angriffslust. Wieder sprintete Reese über die linke Außenbahn und passte in die Mitte, wo Pascal Klemens genau richtig stand, um einzuschieben. 2:0 (45.) – und das erste Tor für den 18-Jährigen aus der vereinseigenen Talenteschmiede.

„Für Pascal Klemens freut es mich, dass er genetzt hat“, erklärte Kapitän Leistner. „Er ackert, macht Extraschichten und agiert genauso, wie man es sich von einem jungen Spieler vorstellt, der dauerhaft ins Team will.“

Die beste Offensive der Liga schlägt erst in Hälfte zwei zu

Die Gefahr lauerte aber in der zweiten Hälfte. Nach gut einer Stunde zündete der Berliner Anhang ein Feuerwerk, das den Verein noch teuer zu stehen kommen wird – und Schiedsrichter Timo Gerach unterbrach die Partie für einen Moment. Es sollte der Knackpunkt des Spiels sein.

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Es schien, als hätte diese kurze Unterbrechung die Konzentration der Berliner gestört, sie aus dem Rhythmus gebracht. Begünstigt dadurch spazierte Hannovers Phil Neumann bis in den Strafraum der Gäste, wo er Havard Nielsen fand, der den Ball zum Anschlusstreffer versenkte (67.).

Kein Lucky Punch für Hertha BSC

Es war das erste Mal, dass Herthas Defensive an diesem Abend schluderte. Die 96er nutzten so ihre erste echte Torchance des Spiels – und legten nach. Ein langer Ball aus der eigenen Hälfte von Marcel Halstenberg landete bei Andreas Voglsammer, der völlig frei vor Keeper Ernst auftauchte und einschob. 2:2 (80.)! Ein Ausgleich, den sich Hertha mit einer weiteren Unaufmerksamkeit in der eigenen Abwehr selbst eingebrockt hatte.

„Wir stehen gut und kompakt, hauen alles rein und machen uns dann mit so individuellen Fehlern alles kaputt“, monierte Herthas Leistner. Und anders als noch in Kiel im September, als Hertha auch 2:0 führte, sich den Ausgleich einhandelte und dank eines Lucky Punch doch noch als Sieger zurück in die Hauptstadt fuhr, blieb es in Hannover bei der Punkteteilung.