Irgendwie wollten die Mienen nicht so recht zum Ergebnis passen. Sorge war da in manchen Gesichtern bei Hertha BSC zu lesen, gepaart mit ein bisschen Unzufriedenheit und einem Funken Freude. Mit 3:1 (2:0) hatte der Berliner Fußball-Zweitligist gerade gegen den SC Paderborn gewonnen. Der dritte Heimsieg vor 35.832 Zuschauern im Berliner Olympiastadion hatte aber unschöne Nebenwirkungen.
„Wir müssen den Tag heute genießen“, forderte Chefcoach Pal Dardai. „Aber ich als Trainer bin nicht ganz zufrieden. Es gibt Sachen, die wir ansprechen müssen. Defensiv gefällt mir der Weg nicht, da müssen wir uns steigern.“
Kapitän Leistner hadert mit Gelb-Rot
Die Abwehr wird den Ungar in der kommenden Woche sowieso intensiv beschäftigen. Kapitän Toni Leistner sah gegen Paderborn nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte, wird im Auswärtsspiel am nächsten Sonntag bei Hansa Rostock (13.30 Uhr, Sky) fehlen. Genau wie Marc Kempf, der nach seiner Roten Karte beim 1:3 am vergangenen Wochenende für zwei Spiele gesperrt worden war.
„Die erste Gelbe war sehr dämlich von mir, da war ich kurz unkonzentriert“, gab Leistner zu. „Die zweite ist in meinen Augen nie im Leben eine Gelbe Karte. Grenzwertig, aber es ist ein junger Schiedsrichter (Tom Bauer/27, Anm. d. Red.), er hat sich da ein bisschen beeinflussen lassen von der Schauspielerei des Spielers.“

Die Entscheidung aber stand, Leistner gab die Kapitänsbinde an Fabian Reese ab und ging in der 86. Minute vom Feld. „Toni ist erfahren und muss aufpassen“, erklärte Trainer Dardai, der gegen Paderborn Marton Dardai in die Innenverteidigung rutschen ließ. Dafür übernahm Deyovaisio Zeefuik die freie Position auf der Doppelsechs, Marten Winkler war für den Niederländer auf dem rechten Flügel unterwegs.
Kenny mit seinem ersten Treffer für Hertha BSC
Hertha hatte Glück, dass die Tore schon weit vor besagtem Platzverweis gefallen waren. Dass man mit einem Polster von zwei Treffern Vorsprung in die Schlussphase ging. In der ersten Hälfte hatte Haris Tabakovic nach Vorarbeit von Reese mit seinem achten Saisontor das 1:0 für die Berliner (elfte Minute) erzielt.
Kurz vor dem Pausenpfiff konterten die Hausherren dann eine Paderborner Offensivphase und legten dank Jonjoe Kenny mit seinem ersten Treffer überhaupt für den Hauptstadtklub das 2:0 nach (45.+3). „Ich bin glücklich über mein erstes Tor. Wir haben uns die Punkte heute verdient“, erklärte der Engländer.
Zwei geschenkte Tore im Olympiastadion
Doch Paderborn erholte sich schnell von dem Schock vor der Pause, traf nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff durch Florent Muslija (47.). „Das Tor war geschenkt“, sagte Dardai, dem die defensive Zuordnung überhaupt nicht gefiel. Muslija stand völlig frei am zweiten Pfosten.
Doch statt wie in Nürnberg lethargisch zu werden, reagierte Hertha sofort. Nach einem Freistoß von Kenny verwertete Reese den abgewehrten Ball zu einer Flanke, fand in der Mitte wieder Zweitliga-Toptorjäger Tabakovic, der zum 3:1 einnetzte (54.). „Gott sei Dank schenkt uns der Gegner auch ein Tor“, bilanzierte Dardai.
Der sicher geglaubte Heimsieg geriet dann aber eben noch einmal in Gefahr, als Hertha die Schlussphase in Unterzahl überstehen musste. Teilweise verteidigten die Berliner sogar nur zu Neunt, nachdem Bence Dardai von einem Paderborner umgegrätscht worden war. Der 17-Jährige wurde außerhalb des Felds behandelt, hinkte nur deshalb zurück auf den Rasen, damit sich sein Team dem Paderborner Offensivdruck nicht in doppelter Unterzahl entgegenstemmen musste. Gesund sah das nicht aus.
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„Es sieht schlecht aus, er muss ins Krankenhaus“, erklärte Trainer Dardai hinterher. Das rechte Sprunggelenk ist betroffen, eine längere Ausfallzeit droht. Zu dem Zeitpunkt war auch Deyovaisio Zeefuik schon verletzt ausgewechselt worden. Wie schwer die Blessur des Niederländers ist, war nach dem Spiel noch offen.
Am Mittwoch geht es für Hertha BSC im Pokal weiter
Zwei Verletzte, ein Platzverweis, aber drei Punkte. Gemischte Gefühle in Westend. „Kämpferisch war das heute eine Reaktion“, sagte Kapitän Leistner mit Blick auf die Niederlage in Nürnberg in der Vorwoche. „Wie wir aus der Halbzeit rausgekommen sind, darüber müssen wir noch mal reden. Auf dem Platz und in der Liga ist es extrem wichtig, den Kampf zu zeigen.“
Am Mittwoch geht es für Hertha aber erst mal im DFB-Pokal weiter. Der kriselnde FSV Mainz 05 ist in der zweiten Runde zu Gast im Olympiastadion (20.45 Uhr, Sky). Eine defensive Lösung muss Trainer Dardai bis dahin noch nicht gefunden haben. Leistner und Kempf sind nur in der Liga gesperrt.


