DFB-Pokal

Olympiastadion – Fluch und Segen für die Bayern

Das Olympiastadion war lange ein Sehnsuchtsort der Bayern, mittlerweile hat es sich für die Münchner zur Albtraum-Location entwickelt.

Bayerns Thomas Müller macht sich bereit für das Spiel im Olympiastadion

Bayerns Thomas Müller macht sich bereit für das Spiel im Olympiastadion

Foto: Kay Nietfeld / picture alliance/dpa

München.  Der Mann war nackt. So fühlt es sich für einen Torhüter an, wenn er ohne seine wichtigsten Helfer auf dem Trainingsplatz steht, ohne seine Torwarthandschuhe. Manuel Neuer konnte auch am Montagvormittag an der Säbener Straße nur eingeschränkt mitmachen, drehte an der Seite der Feldspieler Laufrunden – mit einer Schiene an der rechten Hand.

Der Bayern-Kapitän hat eine Verletzung am Seitenband im rechten Daumen erlitten, weshalb der 32-Jährige schon auf die Bundesliga-Partie bei Bayer Leverkusen (1:3) verzichten musste. Das Band sei zwar nicht gerissen, soll dem deutschen Nationaltorwart aber ziemliche Probleme bereiten. Bei der ­Einheit tauschte sich Neuer lange mit Trainer Niko Kovac aus.

Sieht schlecht aus für das DFB-Pokal-Achtelfinale der Bayern am Mittwoch bei Hertha BSC (20.45 Uhr/ARD und Sky). „Wenn Manuel Schmerzen hat, gehen wir kein Risiko ein“, sagte Kovac am Wochenende. Selbst mit einer Plastik-Schiene wäre die Gefahr zu groß, das Band könnte im Spiel komplett reißen. Dann droht eine Operation und bis zu drei Monate Pause.

Ulreich ersetzt wieder Neuer

Mit Blick auf die für den Verein eminent wichtigen Champions-League-Duelle mit dem FC Liverpool (19. Februar und 13. März) sicher keine Option. Da braucht Bayern den Nationaltorhüter in Bestform. Sein Stellvertreter Sven Ulreich machte in Leverkusen keine gute Figur. In Berlin könnte an diesem Mittwoch einiges auf Ulreich ankommen, vielleicht sogar im Elf­meterschießen, wie es Hertha-Coach Pal Dardai prophezeit hat.

Bei Hertha BSC droht den Bayern ein so früher K.o. im DFB-Pokal wie seit 2006/07 nicht – damals scheiterte man im Achtelfinale an Alemannia Aachen (2:4). Seit 2009/10 standen die Münchner stets mindestens im Halbfinale, erreichten sechs Mal das Endspiel und triumphierten dabei vier Mal.

Das Olympiastadion war seit 1985, seit der Etablierung des Finales in Berlin, der Ort für große Pokalpartys – zumeist jedenfalls. Die beeindruckende bayerische Final-Bilanz seither lautet: 11:4. Im Jahr 2010 konnte man sogar den Zieldurchlauf in der Meisterschaft feiern, holte unter ­Trainer Louis van Gaal am 33. Spieltag die Schale. Doch in den letzten Jahren hat sich der Sehnsuchtsort Olympiastadion zur Albtraum-Location entwickelt, ist mehr Fluch als Segen.

Kovac düpiert die Münchner mit Frankfurt im Finale 2018

Niko Kovac war es, der den Bayern beim letzten Finale mit der Frankfurter Eintracht ein Schnippchen schlug und durch das 3:1 im Mai 2018 dem Münchener Coach Jupp Heynckes dessen allerletzte Pflichtspiel seiner Laufbahn vermurkste. Nichts war’s mit einem Abtritt der Trainer­legende samt Pott.

Doch ein Kovac garantiert keine Berlin-Erfolge. Im September vergangenen Jahres unterlag man Hertha in der Bundesliga mit 0:2, Vedad Ibisevic sowie Ondrej Duda trafen und fügten dem Rekordmeister die erste Saisonpleite zu. Der Anfang der ersten von zwei Herbstkrisen. Kovac, in Berlin geboren, im Wedding aufgewachsen, hat also einiges gutzumachen diesen Mittwoch – im doppelten Sinne.

„Es wird keine leichte Aufgabe für uns, das Pokal-Viertelfinale zu erreichen“, sagte Jerome Boateng, der zweite Berliner im Bayern-Kader. Boateng sagte bei dfb.de: „Hertha hat sich hervorragend entwickelt, spielt unter Trainer Pal Dardai einen sehr attraktiven und auch erfolgreichen Fußball. Da ist etwas zusammengewachsen in den letzten Jahren. Wobei der Weg der Hertha noch nicht vorbei ist.“

Boateng freut sich auf Berlin

Sollte er aus bayerischer Sicht jedoch in diesem Achtelfinale. Boateng, dessen Eltern in Berlin leben, hat gute Chancen, in seiner Heimatstadt gegen seinen Ex-Verein von Beginn an aufzulaufen. „Es ist ja jetzt nicht das erste Mal, aber für mich immer etwas Besonderes“, sagt der Innenverteidiger, der in den ersten drei Rückrundenpartien tatenlos auf der Bank saß, weil in Bayerns Abwehrzentrum Mats Hummels und Niklas Süle gesetzt sind. Nun aber will Kovac ein wenig rotieren.

Auch der zuletzt pausierende Thiago (muskuläre Probleme) kehrt in die Startelf zurück. Die Flügel-Oldies Arjen Robben und Franck Ribéry (beide 35) könnten nach zweieinhalb Monaten bzw. drei Wochen erstmals wieder im Kader stehen. Auch die Außenstürmer träumen von einem erneuten – und für sie wegen der im Juni auslaufenden Verträge letzten – Erlebnis Pokalfinale.

Boateng wurde dreimal Pokalsieger. Sein Ziel: „Ich hoffe natürlich, dass wir wieder Pokalsieger werden. Das ist immer eine tolle Geschichte vor dieser riesigen Kulisse in Berlin.“ Die nächste Hürde auf dem Weg nach Berlin heißt aber Hertha, gegen die der Branchenprimus die letzten vier Bundes­liga-Duelle nicht gewinnen ­konnte – bei drei Remis.

Bangen um Torjäger Lewandowski

Auch Kovacs Vorgängern gelang bei den letzten Gastspielen im Olympiastadion kein Erfolg. Der letzte Hertha-Bezwinger war Pep Guardiola mit einem 2:0 im April 2016. Unter dem Ein-Spiel-Interimstrainer Willy Sagnol holte Bayern im Oktober 2017 ein 2:2, unter Carlo Ancelotti im Februar 2017 ein 1:1, was nur durch einen umstrittenen Last-Minute-Ausgleichstreffer von Robert Lewandowski zustande kam.

Der Torjäger, Bayerns Lebensversicherung, nahm am Montag nicht am Teamtraining teil. „Individuelle Belastungssteuerung“, teilte der Verein mit. Sein Fehlen wäre fataler als der Ausfall von Torhüter Neuer.

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