DFB-POKAL

Für Hertha BSC ist es Zeit für etwas Großes

Hertha-Trainer Pal Dardai hofft im Pokal-Achtelfinale gegen Bayern München auf mentale Fortschritte seiner Mannschaft.

Herthas Maximilian Mittelstädt (l.) im Zweikampf mit Bayerns Serge Gnabry beim 2:0-Sieg der Berliner im September 2018.

Herthas Maximilian Mittelstädt (l.) im Zweikampf mit Bayerns Serge Gnabry beim 2:0-Sieg der Berliner im September 2018.

Foto: Thomas Eisenhuth / picture alliance / ZB

Berlin.  Die Bande am Trainingsplatz ist nicht zu übersehen: „Die Zukunft gehört Berlin“ heißt es dort neben dem großen blau-weißen Klubemblem. Abseits des Werbesprechs liegt die Zukunft von Hertha BSC derzeit trotzdem im Nebel. Nicht nur, weil man am Sonntagmorgen auf dem Schenckendorff-Platz kaum von der einen Seite des Platzes zur anderen schauen konnte. Vor allem kam den Berlinern das 0:1 (0:0) gegen Wolfsburg sehr ungelegen. Zum einen, weil Hertha nach der sechsten Saisonpleite dort angekommen ist, wo sich der ­Verein selbst nicht sieht: ­irgendwo im Bundesliga-Mittelfeld.

Dardai ist seit vier Jahren Hertha-Trainer

Und weil Hertha doch lieber mit einem Positiverlebnis in den Februar starten wollte. Schließlich geht es am Mittwoch im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen ­Bayern ­München (20.45 Uhr/Olympiastadion/Restkarten noch erhältlich). Auch das folgende Bundesliga-Programm gegen Gladbach, Bremen und erneut die ­Bayern ist anspruchsvoll. „Das ist eine schwere Phase für uns“, sagte Trainer Pal Dardai. In den Sozialen Medien ­hagelte es von den Fans Kritik für ­Herthas Auftritt gegen Wolfsburg – bei Twitter spottete ein Nutzer, es sei ja eine tolle Taktik, die Bundesliga-Partie abzuschenken, um Kräfte fürs Pokalspiel gegen die Bayern zu schonen.

Das sah der Trainer anders. Er werde „nicht verrückt sein und alles negativ reden. Wir müssen den Jungs jetzt Selbst­vertrauen geben, damit sie gegen die schweren Gegner punkten und im Pokal weiterkommen können.“

Die Blockade gegen Wolfsburg

Auch wenn Dardai das Ganze im Blick hat, dürfte er sehr wohl registriert haben, was gegen Wolfsburg fehlte. Ihn störte die spielerische Blockade in der ersten Halbzeit. Dort wirkte die Mannschaft vor 39.200 Zuschauern mental und körperlich nicht frisch.

Am Dienstag ist Dardai nun vier Jahre im Amt. Bei Hertha ist der Ungar mittlerweile sogar 21 Jahre. Doch nach der Niederlage gegen Wolfsburg wirkte der Coach erstmals ratlos, wie er seine Mannschaft bewerten soll. Er brachte zwei Theorien ins Spiel: „Haben wir vergangene Woche zu viel trainiert?“ Dagegen sprach der Spielverlauf. Je länger die Partie dauerte, desto präsenter wurde Hertha. Die besten Chancen ­erarbeiten sich die Berliner am Ende (Marko Grujic und Vladimir ­Darida/81. Minute, Davie Selke/89.).

Hertha bringt Dardai um den Schlaf

Oder hat Hertha eine mentale Blockade? Dardai sagt, dass sich das Problem schon länger durch die Klub-Historie zieht, erinnerte an die vergangenen Spielzeiten: „Als wir Siebter waren, hätten wir Sechster werden können, als wir Sechster waren, war Platz fünf drin. Vergangenen Saison hätten wir Siebter werden können statt Zehnter.“

Es ist kurios: Droht das Abrutschen in ungemütliche Tabellenregionen, hält die Mannschaft in Schlüsselspielen dem Druck stand, dann ­gewinnt Hertha in schöner Regelmäßigkeit. Aber: „Jedes Mal, wenn wir die Chance haben, einen Schritt nach vorne zu machen, schaffen wir das nicht“, sagte Dardai. „Was machen wir falsch, dass wir blockiert sind, wenn wir Erfolg haben können?“ Das Problem beschäftigt den Trainer. Mit blasser Miene sagte Dardai: „Wir schaffen den Schritt nach vorne nicht. Das ärgert mich. Ich habe nicht geschlafen.“ Hertha bringt den Trainer um den Schlaf.

Mittelstädt kommt wohl für Plattenhardt

Er stellt sich der Verantwortung. „Es ist meine Aufgabe, auch vom Trainerstab, vom Manager, von den Mitarbeitern, der Mannschaft Mittel zu geben, damit wir solche Spiele gewinnen.“

Ein Erfolgserlebnis würde Hertha gut tun. Zum Pokalduell gegen die Bayern wird sich einiges ändern. In der Bundesliga hatte Hertha den Meister in 90 Minuten bezwungen (2:0) – nun setzt Dardai auf die gute körperliche Verfassung. Er spricht von 120 Minuten und dem Erreichen des Elfmeterschießens. Hertha wird mutmaßlich zum ­4-2-3-1-System zurückkehren. Hinten links, wo Marvin Plattenhardt enttäuschte (Dardai: „Da muss man mehr investieren, mehr Laufwege, mehr Mut“) wird wohl ­Maximilian Mittelstädt seine Chance erhalten. Anstelle des angeschlagenen Arne Maier steht Per Skjelbred bereit. Kapitän Vedad Ibisevic nimmt zunächst auf der Bank Platz. Stattdessen wird auf dem Flügel ­Salomon Kalou beginnen.

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