Fußball

Pleite vor Bayern-Kracher: Berlin unterliegt Wolfsburg

Hertha BSC entwickelt beim 0:1 gegen Wolfsburg keine Durchschlagskraft und kassiert die erste Niederlage des Jahres.

Herthas Davie Selke (r.) blieb nicht nur in diesem Zweikampf mit Wolfsburg John Brooks erfolglos, er vergab auch die späte Chance zum Ausgleich.

Herthas Davie Selke (r.) blieb nicht nur in diesem Zweikampf mit Wolfsburg John Brooks erfolglos, er vergab auch die späte Chance zum Ausgleich.

Foto: Ottmar Winter

Berlin.  Es war ein matte Geste der Höflichkeit. Die Spieler von Hertha BSC schauten nach Spielende in der Ostkurve vorbei und deuten etwas Applaus an – ein Dank für die Unterstützung der treuen Fans. Die Stimmung auf dem Platz wie auf der Tribüne entsprach am Sonnabend den Temperaturen. Eisig war es, 0:1 (0:0) hatten die Berliner verloren gegen Wolfsburg.

Jetzt sei die Phase der Saison, in der es darum gehe, so viele Punkte wie möglich zu sammeln, hatte Trainer Pal Dardai vor dem 20. Spieltag gesagt. Doch den Lohn nahmen die Gäste nach einem Tor von Wout Weghorst (66. Minute) mit nach Niedersachsen.

Für Hertha ist sie nun dahin, die Idee, mit einem guten Rückrunden-Start Schwung und Selbstvertrauen mitzunehmen für das Achtelfinale im DFB-Pokal am Mittwoch gegen Bayern München (20.45 Uhr, Olympiastadion). Stattdessen rutschte der Hauptstadt-Klub nach der sechsten Saisonniederlage auf Rang neun ab.

Torwart Rune Jarstein war vor 39.259 Zuschauern wieder einmal Herthas Bester – und bedient: „Die anderen wollten mehr. Deshalb geht der Sieg von Wolfsburg in Ordnung.“

Die Bedingungen waren schwierig. Es gab durchgehend Niederschlag in einer Mischung aus Regen, Griesel und Schnee. Der Rasen war rutschig. Trotzdem versuchten beide Mannschaften, entsprechend ihren Fähigkeiten einen ordentlichen Ball zu spielen. Das führte erwartungsgemäß zu nur wenigen guten Kombinationen, zu wenig Zusammenhang, bei sehr vielen Ballverlusten. Und es waren letztlich nur einige wenige Situationen, die den Verlauf und auch den Ausgang der Partie bestimmten bestimmten.

In der ersten Szene zeigte Jarstein nach einem Wolfsburger Konter seine Klasse. Zunächst wehrte er einen Schuss von Jérome Roussillon ab, und als der Wolfsburger den Abpraller direkt nahm, bekam der Hertha-Torwart seinen Kopf blitzschnell hoch und lenkte den Ball entscheidend ab. Jener senkte sich in einer Bogenlampe auf die Latte des Berliner Tores (17. Minute).

Aluminium konnte Hertha auch: Nach einem Freistoß von Valentino Lazaro war Karim Rekik am zweiten Pfosten überrascht, dass der Ball bei ihm landete, nahm ihn mit der Brust an und köpfte. Diesmal segelte das Spielgerät auf die Latte des VfL-Tores (23.).

Nach der Pause waren zunächst die Hausherren etwas besser im Spiel. Arne Maier, der später nach einem Tritt in den Unterleib ausgewechselt werden musste, zog aus 18 Metern ab, Wolfsburg-Torwart Koen Casteels parierte (64.). Die nächste Szene entschied dann die Partie. Trotz numerischer Überzahl am eigenen Strafraum kam Hertha nicht an den Ball. Der Wolfsburger Elvis Rexhbecaj steckte das Spielgerät durch zu Roussillon, der quer in die Mitte passte – mit einem langen Schritt war Weghorst vor Marvin Plattenhardt am Ball, unten rechts schlug es ein, 0:1 (65.). „Ein guter Spielzug von Wolfsburg hat das Spiel entschieden, da standen wir hinten nicht gut“, sagte Fabian Lustenberger.

Hertha-Trainer Pal Dardai reagierte mit drei Wechseln: Salomon Kalou, Maximilian Mittelstädt und Vladimir Darida kamen für Vedad Ibisevic, Plattenhardt und Maier. Die Gastgeber rannten nun an, taten sich aber schwer, echte Chancen herauszuarbeiten. Wieder und wieder schlug Hertha hohe Flanken in den Strafraum, allesamt eine leichte Beute für den Wolfsburger Innenverteidiger, Ex-Herthaner John Brooks (1,95 Meter).

Die Berliner gaben nicht auf. Doch weder Marko Grujic mit einem Kopfball, noch Darida vermochten bei ihren Doppelchancen den stark reagierenden VfL-Torwart Casteels zu überwinden (81.). Auch der emsige Davie Selke blieb ohne Durchschlagskraft. Sein 13-Meter-Schuss aus spitzem Winkel wurde von VfL-Keeper Casteels mit der Fußspitze am Tor vorbeigelenkt (89.).

Darida und Selke vergeben die Chancen zum Ausgleich

„Das ist dumm gelaufen“, sagte Verteidiger Niklas Stark, „wir müssen es jetzt schnell abhaken.“ VfL-Trainer Bruno Labbadia freute sich über „einen schönen Sieg gegen einen Gegner, der ähnlich gut organisiert war wie wir“.

Herthas Salomon Kalou hingegen war nach der ersten Niederlage des Jahres (und der ersten mit Mittelfeldspieler Marko Grujic) unzufrieden. „Das war eine große Chance für Europa“, sagte der Ivorer, „aber Wolfsburg war diesmal besser.“ Dardai kritisierte vor allem das Gegentor: „Das haben wir schlecht verteidigt.“ Und der Trainer räumte ein, dass Wolfsburg „verdient gewonnen hat, wegen der Einstellung und der körperlichen Präsenz, die sie gezeigt haben“. Mit Blick auf die Pokal-Aufgabe am Mittwoch im dann wohl ausverkauften Olympiastadion – es sind nur noch wenige Restkarten zu erwerben – sagte er: „Wir müssen uns steigern. So wird es gegen die Bayern dünn.“

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