Dass Bruno Labbadia als Mann des gepflegten Schnitts gilt, ist schon seit Anfang der Neunzigerjahre bekannt. In der Kabine des FC Bayern, so berichten seine damaligen Kollegen, brauchte der Stürmer stets am längsten, um sich salonfähig zu machen, einige Spötter behaupten sogar, er sei beim Haareföhnen engagierter gewesen als auf dem Platz.
Am vergangenen Sonnabend nun ließ sich festhalten, dass sich an Labbadias Faible für Akkuratesse im Laufe der Jahre nichts geändert hat. Nach dem 1:0-Erfolg seines VfL Wolfsburg bei Hertha BSC erlaubte sich der Trainer jedenfalls einen schnittigen Seitenhieb. „Ich habe gehört, du wärst ein guter Gärtner, aber du bist ein Fuchs, der den Rasen extra hoch wachsen lässt“, sagte er zu seinem Berliner Kollegen Pal Dardai – ein kleiner Trost sei höchstens, dass der Ungar ihm versprochen habe, beim nächsten Duell selbst mit dem Rasenmäher anzurücken. Eine Pointe, über die Dardai nur bedingt lachen konnte, denn auch er schien nicht besonders glücklich mit der Beschaffenheit des Grüns. „Die Rasenlänge war nicht meine Entscheidung“, betonte er, „auch für uns war das nicht gut.“ Das mag zwar stimmen, doch die Hauptleidtragenden waren eher die 39.259 Zuschauer, die auf dem durchweichten Grund wenig Erbauliches sahen.
Nun hat das Schimpfen auf den Rasen eigentlich einen Stammplatz in der Hertha-Folklore, allerdings wollten die Berliner dem Granteln über das Gras in diesem Jahr entgehen. Entgegen der Gewohnheiten wurde schon im Januar statt im Frühjahr ein neuer Rasen verlegt, nur reicht das allein eben nicht, wenn es an der nötigen Pflege fehlt. Um im Labbadia-Bild zu bleiben: Was nützt das vollste Haar, wenn die Frisur nicht stimmt?
Dardai für seinen Teil interessiert sich zwar wenig für Frisuren, dafür aber umso mehr für seinen Rasen. Um daheim die Halme zu trimmen, sitzt er nach eigenen Angaben zweimal pro Woche auf dem Rasenmäher. Dass er sich um das Grün im Olympiastadion keine Gedanken macht, scheint daher kaum vorstellbar. Und wer weiß, vielleicht war die Graslänge ja ein Test für die Pokalpartie gegen die Bayern am Mittwoch. Das Spiel des kombinationsstarken Rekordmeisters durch langen Rasen langsam zu machen, wäre zugegebenermaßen: ziemlich ausgefuchst.


