Per Mertesacker, Clemens Fritz, Levan Kobiashvili, Christoph Janker, Sami Allagui, Maik Franz, John Heitinga – es sind viele Weggefährten, die Peter Niemeyer eingeladen hat. Nein, er werde nicht wehmütig sein beim Abschied, erzählt der 34-Jährige der Morgenpost: „Ich freue mich unheimlich.“
Der SV Darmstadt, Niemeyers letzter Arbeitgeber, verabschiedet den Mittelfeldspieler im DFB-Pokalspiel gegen Hertha BSC, seinen vorletzten Arbeitgeber (18.30 Uhr, Sky). „Einige, die ich eingeladen habe, werde da auf dem Rasen stehen“, sagt Niemeyer mit Blick auf gemeinsame Weggefährten wie Fabian Lustenberger oder Thomas Kraft.
Nach 16 Jahren als Fußball-Profi bei Twente Enschede, Werder Bremen, Hertha und Darmstadt macht Niemeyer Schluss. Verletzungen haben ihm zugesetzt. 2017/18 konnte er nur vier Spiele für den Zweitligisten absolvieren.
Fünf Jahre trug Niemeyer zuvor das Hertha-Trikot, von 2010 bis 2015. Es waren turbulente Zeiten. Dem Aufstieg in die Bundesliga 2011 folgte der Abstieg 2012. In der Saison 2012/13 war Niemeyer unter Trainer Jos Luhukay Kapitän jener Hertha-Mannschaft, die mit Rekordpunktzahl (76) in die Bundesliga zurückkehrte.
Was bleibt beim Rückblick auf die Karriere? „Über meine fußballerischen Qualitäten kann man diskutieren“, sagt Niemeyer, „aber ich habe mich bei jedem Arbeitgeber zu 100 Prozent mit dem Verein und der Aufgabe identifiziert.“ Niemeyer war einer, den man immer lieber in der eigenen als in der gegnerischen Mannschaft hatte: einsatzstark, kantig, unbeugsam. So war Niemeyer nicht immer. Das Robuste hat er sich erst mit der Zeit angeeignet. Bei Hertha bekam Niemeyer endlich das, was jeder Profi braucht: regelmäßige Einsatzzeiten, um einen Rhythmus zu haben. Niemeyer hat immer viel Energie benötigt, um in Schwung zu kommen. Fans haben dafür eine feine Antenne. Niemeyer war weder Torjäger noch Filigrantechniker. Aber jeder Besucher hat gespürt: Niemeyer hat immer alles reingehauen. Deshalb wurden Szenen möglich, wie jene nach einer eigentlich unmöglichen Niederlage. Hertha hatte sich im Mai 2016 gegen Aufsteiger Darmstadt daheim mit 1:2 blamiert. Die vor der Saison in Berlin ausgemusterten Niemeyer und Sandro Wagner – der Darmstadts Siegtor provozierend vor den Hertha-Fans feierte – stellten damit den Klassenerhalt sicher. Weil er sich bei seinem Wechsel von Hertha zuDarmstadt nicht hatte verabschieden können, wanderte Niemeyer mit seinem Sohn Leonhard an der Hand, beide im Darmstädter Trikot, durch das Olympiastadion und verbeugte sich in der Ostkurve vor den Hertha-Fans. Reaktion: Die feierten den Ex-Kapitän mit Ovationen. „Ich hatte das Glück, bei meinen Vereinen immer mit erhobenem Kopf durch die Vordertür reinzukommen, aber auch wieder rausgehen zu können“, sagt Niemeyer rückblickend.
Von seiner authentischen Art profitiert Niemeyer auch nach dem Ende der Profizeit. Weil er einen guten Draht zu Heitinga hat, hat Niemeyer bei dessen Stammverein Ajax Amsterdam hospitiert, ebenso wie bei seinem Ex-Klub Twente Enschede. Bei der Internetplattform Dazn war er im Einsatz als Experte für holländischen Fußball. Zudem macht Niemeyer einen Trainer-Schein. „Ich versuche, mich breit aufzustellen und etwas zu finden, wo ich am besten helfen kann“, sagt Niemeyer. Auch bei Hertha wird er gemäß Vereinbarung noch mal ein Jahr in einer noch zu bestimmenden Position arbeiten. „Im Frühjahr setze ich mich mit Manager Michael Preetz zusammen, dann entscheiden wir.“




