Nach Fan-Krawallen

„Es kann keine Parallelgesellschaft der Ultras geben“

Die Polizei Dortmund verteidigt ihren Einsatz am Berliner Block. Die Reaktion der Fans findet Hertha-Manager Preetz „abenteuerlich“

Foto: Bernd Thissen / dpa

Berlin.  Das Verhalten einiger Unverbesserlicher aus dem Hertha-Block bei der Partie in Dortmund (2:2) wird Hertha BSC noch länger beschäftigen. In einer Pressekonferenz am Montag in Dortmund schilderte Edzard Freyhoff, Einsatzleiter der Polizei am Sonnabend, dass unter den 3000 Auswärtsfans im Berliner Block rund 150 Gewalttäter gewesen seien. Er habe den Befehl erteilt, die Choreographie-Fahne der Ultra-Gruppe Hauptstadtmafia sicherzustellen, „um weitere Straftaten zu verhindern“. Ihm sei klar gewesen, dass die Fahne in der Szene als ein „Heiligtum“ gesehen werde. „Aber die Symbolik kann nicht die Verletzung von Unbeteiligten rechtfertigen“, so Freyhoff.

Durch die verbotene Pyroaktion, im Hertha-Block zum Anpfiff durchgeführt, gab es eine starke Verrauchung im Oberring. In der Folge mussten laut Polizei zehn Unbeteiligte wegen Atemwegsproblemen versorgt werden. Die Rauchentwicklung begründe „den Verdacht einer gefährlichen Körperverletzung“, sagte Gregor Lange, der Dortmunder Polizeipräsident: „Es kann im Stadion keine Parallelgesellschaft der Ultras geben. 80.000 Besucher erwarten, dass wir ihre Sicherheit gewährleisten.“ Die Gewalt, auf die die Beamten gestoßen seien sowie der spätere „Gewaltexzess“, als Randalierer aus dem Hertha-Block zwei Toilettenanlagen zerstörten, bestätigten die Polizeieinschätzung, so Lange.

Hertha arbeitet den Ermittlern zu

In Berlin unterstrich Manager Michael Preetz, dass Hertha der Ermittlungskommission der Dortmunder Polizei zuarbeiten werde. Es liegt umfangreiches Bild- und Videomaterial vor. „Da viele Personen nicht vermummt waren, rechnen wir damit, viele Straftäter identifizieren zu können“, sagte der Leiter der Kommission, Ronald Aßmus. Zudem prüfe die Staatsanwaltschaft, ob ein Fall von schwerem Landfriedensbruch vorliege.

Die Kritik aus der Fanszene in Dortmund und von Hertha, der Polizeieinsatz sei völlig überzogen gewesen, rief beim Hertha-Manager nur Kopfschütteln hervor: „Abenteuerlich – einen möglicherweise unverhältnismäßigen Einsatz der Polizei mit Gewalt zu rechtfertigen, das muss mir mal einer erklären“, sagte Preetz. Derweil hat der DFB-Kontrollausschuss am Montag Ermittlungen eingeleitet.