Niklas Stark ist ein Profi, der Verantwortung will. 21 Schützen hatten es bereits versucht. Nun lag der Ball wieder auf dem Elfmeterpunkt, als Letzter beim internen Kick im Trainingslager von Hertha BSC war Stark an der Reihe. Doch wie das so ist, wenn man Verantwortung übernimmt – es kann auch schiefgehen. Der Schuss von Stark wurde von Torwart Jonathan Klinsmann pariert. Trainer Pal Dardai wird das Elfmeterschießen mit Stirnrunzeln gesehen haben. Zwei Wochen vor dem Spiel in der ersten Runde um den DFB-Pokal bei Eintracht Braunschweig (20. August) hatten seine Profis von 24 Versuchen zehn vergeben.
Vor Stark liegt die Schlüssel-Saison seiner Karriere. Die Spielzeit 2018/19 entscheidet, wie hoch hinaus es für den Innenverteidiger geht. Manager Michael Preetz hat erzählt, dass Stark (und Davie Selke, der aber nun verletzt ausfällt) den Eindruck vermitteln, als hätten sie sich sehr viel vorgenommen. Preetz hat die Namen nicht zufällig genannt. Selke und Stark waren wichtige Spieler der deutschen U21-Nationalmannschaft, die 2017 Europameister wurde.
Ärgerliche Schnitzer in der Vorsaison
Fußball-Deutschland wartet immer noch auf die „gravierenden Änderungen“, die Bundestrainer Joachim Löw nach dem WM-Desaster in Russland angekündigt hatte. Dass die Weltmeister-Innenverteidigung von 2014 mit den Münchnern Jerome Boateng und Mats Hummels – beide werden dieses Jahr 30 – weder jünger noch schneller wird, ist unübersehbar.
Bei Hertha haben die Verantwortlichen bereits vergangene Saison Stark (23) den Posten des Abwehrchefs anvertraut. Vorgänger Sebastian Langkamp wurde im Winter in Richtung Bremen verabschiedet. 2017/18 war ein Lehrjahr für Stark. Neben diversen guten Partien unterliefen ihm Schnitzer. Ein Eigentor in Stuttgart (Endstand 0:1), ein durch Unachtsamkeit verursachter Elfmeter gegen Hoffenheim (Endstand 1:1) und anderes mehr.
Trainer Dardai erhöht den Druck auf den Abwehrchef
Weil sie bei Hertha überzeugt sind von Starks Qualitäten, wird er verstärkt in die Pflicht genommen. „Ich will nicht mehr über jugendliche Fehler oder Naivität reden“, sagt Trainer Dardai. Nun gilt es für Stark, sich zum Leistungsträger zu entwickeln. „Niklas hat jetzt das Alter und die Erfahrung. Da bekommt er auch Druck von mir.“ Druck von Dardai meint: „Ich habe Niklas gesagt: Ab jetzt gibt es keine Fehler mehr.“
Stark ist ein fränkischer Junge, 2015 vom 1. FC Nürnberg nach Berlin gekommen. Er hat die Nachwuchs-Nationalmannschaften durchlaufen (45 Junioren-Länderspiele), er kennt die Gepflogenheiten. Angesprochen auf die derzeit günstige Perspektive in der Nationalelf sagt Stark: „Das ist jetzt nicht mein erstes Ziel. Ich will mir das verdienen. Man empfiehlt sich mit Leistungen in der Bundesliga. Ich will mit Hertha Erfolg haben.“
Stark weiß, dass man mit vorlauten Sprüchen bei Bundestrainer Löw nicht punktet. Zudem gibt es in seiner Altersklasse mit Antonio Rüdiger (FC Chelsea), Niklas Süle (FC Bayern) oder Jonathan Tah (Bayer Leverkusen) reichlich starke Konkurrenz in der Innenverteidigung.
Im Hinterkopf ist das Ziel Nationalelf präsent
98 Bundesliga-Spiele hat der 1,90 Meter große Verteidiger mittlerweile absolviert. Er neigt nicht dazu, sein Licht unter den Scheffel zu stellen und sagt: Doch, „im Hinterkopf ist es schon da, bei der Nationalelf anzugreifen“.
Beim Hauptstadt-Klub werden neben dem als Kapitän feststehenden Vedad Ibisevic noch zwei Stellvertreter gesucht. Gut möglich, dass Stark in der internen Hierarchie aufsteigt. In jedem Fall ist er zuversichtlich: „Ich möchte, dass wir besser abschneiden als vergangene Saison.“ Da Hertha zuletzt auf Rang zehn eingekommen ist, heißt das Ziel für 2018/19 also „einstelliger Tabellenplatz“. Und im Smartphone vielleicht die Telefonnummer vom Bundestrainer speichern.
Mehr über Hertha BSC:


