Bundesliga

Zahlen, Daten, Fakten: Die große Hertha-Bilanz

Hertha erreicht das schwächste Resultat unter Dardai, gewinnt aber an Reife und Stabilität. Die Saison 2017/2018 im Überblick.

Gute Mischung: Die Routiniers Vedad Ibisevic und Peter Pekarik mit den jungen Zugängen Karim Rekik und Davie Selke (v.r.)

Gute Mischung: Die Routiniers Vedad Ibisevic und Peter Pekarik mit den jungen Zugängen Karim Rekik und Davie Selke (v.r.)

Foto: Thomas Starke / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Pal Dardai blieb sich treu – als es ans Saisonfazit ging, griff Herthas Cheftrainer zu einem seiner sprachlichen Lieblingsbilder. „Wir haben in diesem Jahr ein gutes Fundament gelegt“, sagte der sportliche Polier des Berliner Bundesligisten, „wir haben eine große Stabilität.“ Von „Fundamenten“ und „Gerüsten“ hat der Ungar in der Vergangenheit schon häufig gesprochen, allerdings wirkt das Bild nach seiner dritten vollen Spielzeit etwas windschief. Über die Basisarbeiten sind er und sein Team schließlich längst hinaus.

Gedanklich weiterspinnen lässt sich das Bauvorhaben natürlich trotzdem. Nach und nach hatten Dardai und sein Architekt, Manager Michael Preetz, das Hertha-Gebäude hochgezogen. Das vorläufige Ergebnis war zwar kein Prachtbau, wurde aber immerhin auf dem europäischen Immobilienmarkt verzeichnet.

Will man den Konstruktions-Fortschritt in dieser Saison beschreiben, bleibt festzuhalten: Nach außen tat sich wenig auf der Baustelle, für ein neues Stockwerk hat es nicht gereicht, Platz zehn ist die schlechteste Platzierung der Ära Dardai. Bei vielen Details wurde dafür jedoch nachgebessert. Einige tragende Säulen (Sebastian Langkamp) wurden gegen neue, zeitgemäßere Modelle (Karim Rekik) ausgetauscht. Eher unbefriedigende Teile (Valentin Stocker, Genki Haraguchi) wichen Varianten, die den Geschmack der Bauleitung deutlich besser treffen (Valentino Lazaro, Mathew Leckie). Und: Für Elemente, deren Halbwertszeit bald abläuft (Vedad Ibisevic, Per Skjelbred), wurden bereits adäquate Nachfolge-Lösungen installiert (Davie Selke, Arne Maier), die sich bereits bewährt haben. Eine Handvoll Maßnahmen, dank denen das Hertha-Haus selbst heftige Sturmböen und Niederschläge unbeschadet überstand.

„Für uns war es seit Langem die erste Saison mit drei Wettbewerben“, sagte Planer Preetz nicht ohne Stolz, „da war es wichtig, dass wir in der Bundesliga nie in Gefahr gekommen sind. Mehr war nicht drin.“ Eine Aussage, die er aber indirekt revidierte. „Die Spiele gegen Augsburg und Hannover wurmen mich“, gab Preetz zu, „da haben wir etwas ­liegen lassen. Ich hätte uns gern noch einmal in der Europa League gesehen.“

Stattdessen sah der Ex-Profi eine kuriose Transformation des Hertha-Teams – von der viertschlechtesten Auswärtsmannschaft der Liga (2016/17) zur sechsbesten, gleichzeitig aber auch vom fünftbesten Heimteam zum drittschlechtesten. „Das kann einfach nicht sein“, sagt Salomon Kalou, mit zwölf Treffern bester Torschütze der Berliner.

Ansonsten blieb sich die Mannschaft in ihrem Auftreten jedoch ähnlich treu wie Dardai seinem Sprachbild vom Fundament. Die Mission, mehr Tor­gefahr zu entwickeln, blieb Theorie. Das Torverhältnis von 43:46 entspricht dem des Vorjahres (43:47). Nach wie vor sind die Berliner die Mannschaft mit den wenigsten Torschüssen der Liga (321), ­andererseits zählen sie weiterhin zu den effizientesten Vollstreckern. Nur Meister FC Bayern (sieben) benötigte für einen Treffer weniger Torschüsse als Hertha (acht). Von neuem Variantenreichtum und mehr Spielwitz war im ­Angriff allerdings wenig zu sehen.

Zumindest bei den Kontern hat sich Dardais Elf spürbar verbessert. In der Vorsaison gelang das erste Kontertor erst am 30. Spieltag. Nun schlugen die Berliner immerhin fünf Mal nach Kontern zu. Dennoch: Kein Team nutzte seltener einen gegnerischen Ballverlust zum Torerfolg als Hertha.

Manager Preetz wird den Druck auf Team und Trainer erhöhen

Das Offensivspiel ist und bleibt das große Manko der Berliner. 65 Prozent aller Treffer gehen auf das Strafraum-Trio Kalou/Selke/Ibisevic, auf ein Weitschusstor wartete Dardai indes vergeblich. Etwas skurril mutet überdies die Standard-Statistik an. Eine der gefährlichsten Waffen der Hinrunde (14 Tore) wirkte nach der Winterpause weit­gehend entschärft. Nur noch dreimal schlug es nach ruhenden Bällen ein. Das aber sollte der einzige Einbruch bleiben. Anders als in den vergangenen Jahren knickte Hertha nach dem Jahreswechsel nicht ein. Etwas mehr als die erreichten 19 Zähler hätten es in der zweiten Saisonhälfte trotzdem sein dürfen, schließlich konnten sich die Berliner 2018 ­komplett auf die Liga konzentrieren.

„Wir haben die Top Ten als Ziel ausgegeben und haben Platz zehn erreicht“, sagte Dardai, „für die Umstände ist das top.“ In der neuen Saison werden die Umstände jedoch dankbarer sein. Die Europacup-Belastung fällt weg, die letztjährigen Zugänge werden von Tag eins Gas geben können. Herthas Polier ahnt, was der Bauleitung vorschwebt. ­„Vielleicht“, sagte Dardai, „macht der Manager nächste Saison Druck.“

Mehr zum Thema:

Newsletter ImmerHertha

Hertha-Chefs sehen gutes Fundament

Hertha sucht den Fortschritt

Hertha kann die Fans nicht versöhnen