Bundesliga

Hertha kann die Fans nicht versöhnen

Hertha verliert im letzten Saisonspiel 2:6 gegen RB Leipzig. Die Tore für die Berliner erzielen Ibisevic und Kalou.

Am Ende gab es immerhin Applaus aus der Ostkurve

Am Ende gab es immerhin Applaus aus der Ostkurve

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin. Vor der Partie waren einige tausend Hertha-Fans in einem "Marsch der Tradition" vom Theodor-Heuss-Platz zum Olympiastadion gepilgert. Vor dem Anpfiff prangte ein großes Spruchband in der Ostkurve: 125 Jahre Hertha BSC. Schon klar, RB Leipzig wurde erst 2008 gegründet – aber die Fußball-Herrschaftsverhältnisse in der Region sind andere. Hertha verlor das Prestigeduell gegen die Sachsen mit 2:6 (1:3). Wie schon im vorigen Jahr (damals ein 2:6 gegen Leverkusen) setzte es im letzten Saisonspiel eine herbe Klatsche. Leipzig feierte mit rund 8000 mitgereisten Fans Tabellenplatz sechs und damit den Einzug in die Europa League (abhängig vom Pokalfinale am kommenden Wochenende zwischen Bayern und Frankfurt entweder in der Play-off-Runde oder direkt für die Gruppenphase). Hertha beendet seine Saison als Zehnter mit der fünften Heimniederlage.

60.502 Zuschauer waren gekommen, für die Hertha-Fans unter ihnen gab es wenig zu feiern. Vor der Partie verabschiedete der Hauptstadt-Klub Mitchell Weiser, der nicht vor Ort war. Die Fans schickten Weiser, der nach Leverkusen wechseln wird und die Chance auf ein letztes Spiel in Blau-Weiß ausgeschlagen hatte, ein gellendes Pfeifkonzert hinterher. Dafür wurde Julian Schieber, der Berlin ebenfalls verlässt, mit rauschendem Applaus bedacht.

Im Spiel durften die Berliner für vier Minuten annehmen, dass es ein erfolgreicher Nachmittag werden könnte. Weil in einer euphorischen Anfangsphase Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic nach einer Flanke von Marvin Plattenhardt den 1:1-Ausgleich köpfte. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Gäste aus Sachsen bereits einmal durch Dayot Upamecano getroffen (2.).

Fans verlassen schon kurz nach der Pause das Stadion

Doch Leipzig war in einer anderen Dimension unterwegs: schnell, kombinationssicher und entschlossen. Peter Pekarik ließ sich im Hertha-Strafraum von Lookman austanzen, der Engländer versenkte den Ball im kurzen Eck, 1:2 – 240 Sekunden nach dem Hertha-Ausgleich nahm das Unheil endgültig seinen Lauf (8.). Dann bügelte Karim Rekik mit einer waghalsigen Grätsche einen Stellungsfehler des überraschend in der Innenverteidigung eingesetzten Jordan Torunarigha aus (19.). Beim 1:3 machte Hertha-Torwart Rune Jarstein eine schlechte Figur, ließ einen eher unpräzise geschossenen Ball von Jean-Kevin Augustin durch die Finger rutschen (22.).

Bereits zehn Minuten nach der Pause setzte der Strom vieler Stadion-Besucher Richtung Parkplatz und S-Bahn ein. Was auch immer sich Hertha in der Pause vorgenommen hatte, RB-Nationalspieler Timo Werner sorgte mit dem 1:4 (49.) und erneut Augustin mit dem 1:5 (54.) für klare Verhältnisse. Am Ende war es Geschmackssache, welches Tor das schönste des Nachmittags war: Das 2:5 von Salomon Kalou war ein spektakulärer, wuchtiger Flugkopfball in den linken Dreiangel (64.) – oder das 2:6, ein Schlenzer des eingewechselten Leipzigers Bruma hoch ins rechte Eck des Hertha-Tores (82.).

Marvin Plattenhardt sagte: "Das haben wir uns anders vorgestellt, wir wollten etwas reißen und die Stimmung hochhalten. Und dann bekommen wir so einfache Gegentore, das darf nicht passieren." Nach dem Abpfiff machten die Hertha-Spieler samt Trainerteam eine Ehrenrunde mit dem Banner: "Die Zukunft gehört Berlin, unser Dank gehört Euch." Vor der Ostkurve wurde aber nur ein Spieler frenetisch gefeiert: Julian Schieber, der in seinem letzten Hertha-Spiel eine halbe Stunde vor dem Ende eingewechselt worden war. "Für uns gibt es nichts zu feiern, das war nur die Verabschiedung für Julian", ordnete Kalou die Stimmung ein.

Feiern konnte hingegen RB Leipzig. "Die Europa League ist ein Riesenerfolg für unseren Verein. Wir sind im zweiten Jahr der Bundesliga-Zugehörigkeit zum zweiten Mal international dabei", sagte RB-Trainer Ralph Hasenhüttl, der die Saison mit seinem Team auf Platz sechs beendet. Hertha-Coach Pal Dardai hat sein Ziel, die Fans mit einem Heimsieg zufrieden in die Sommerpause zu schicken, dagegen verpasst. Sein Fazit lautete: "Unser Ziel war ein Platz in der Top Ten, das haben wir geschafft. Für die Fans gab es heute viele Tore, leider nicht für unsere Seite."

Beim Hauptstadt-Klub gibt es einiges zu besprechen in der Sommerpause. Die Fans aus der Ostkurve haben für die Mitgliederversammlung am Montag (19 Uhr, Messehalle 18) bei den Klub-Verantwortlichen einmal mehr ihre Unzufriedenheit über die Außendarstellung von Hertha mit dem Spruchband hinterlegt: "Horrende Kosten. Zuschauerschwund. Keine Identifikation. Seht es endlich ein: Mit eurem Marketing schadet ihr unsrem Verein."

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