Zu bestimmen, was absurder anmutet, fällt gar nicht so leicht. Die Tatsache, dass Hertha als überaus durchschnittliches Bundesliga-Team noch immer gute Chancen auf die Teilnahme an der Europa League hat? Oder der irgendwie furchteinflößende Fakt, dass der eigentlich totgesagte HSV wieder vor Leben strotzt und noch vom Klassenerhalt träumen darf?
Um die Kuriositäten-Konstellation perfekt zu machen, darf eine Zusatzinformation nicht fehlen: Die Schicksale beider Teams sind miteinander verknüpft. Damit die Berliner auf Platz sieben springen, der aller Voraussicht nach zum Start in der zweiten Qualifikationsrunde der Europa League berechtigt, brauchen sie dringend Schützenhilfe aus Hamburg. Gleich zwei Hertha-Konkurrenten bekommen es mit den wiedererstarkten und ums Überleben kämpfenden Hanseaten zu tun und könnten so wichtige Punkte lassen. Ein Überblick über den Schlussspurt im Rennen um Europa.
Frankfurt (Tabellenplatz sieben, 46 Punkte, Tordifferenz -2): Seit Trainer Niko Kovac seinen Wechsel zum FC Bayern bekannt gegeben hat, will es nicht mehr so recht laufen bei der bis dahin so furiosen Eintracht. Die jüngste Bilanz: zwei Niederlagen und 1:7 Tore – eine plötzliche Schwäche, die am Sonnabend mit der noch plötzlicheren Stärke des HSV konfrontiert wird. Die Mannschaft von Christian Titz hat drei der letzten vier Partien gewonnen und spielte zuletzt wie ausgewechselt. Frei nach dem Motto „Totgesagte leben länger“ verbreiten die Hamburger in der Liga nun mehr Angst und Schrecken als jeder Zombie – auch am Main. Und: In der Folgewoche wird es nicht einfacher für die Eintracht. Dann geht es zum FC Schalke, einem der heimstärksten Teams der Liga, das sich für das Pokal-Aus im Halbfinale revanchieren will und zudem das Prestige-Fern-Duell gegen Verfolger Dortmund gewinnen möchte. Prognose: Frankfurt bleibt ohne weitere Punkte.
Stuttgart Platz acht, 45 Punkte, Tordifferenz -5): Der Aufschwung beim Liga-Rückkehrer passt sich wunderbar ein ins Kuriositäten-Kabinett der Liga. Unter dem neuen Trainer Tayfun Korkut – zuvor nicht gerade eine Synonym für Erfolg – eilt der VfB von Sieg zu Sieg, hatte dabei aber auch viel Dusel. Dennoch: Zuzutrauen ist den Schwaben inzwischen vieles – auch ein Unentschieden im Heimspiel gegen Hoffenheim, das noch um einen Champions-League-Platz kämpft. Ein Punktgewinn am letzten Spieltag beim FC Bayern dürfte indes selbst für den VfB kaum möglich sein. Prognose: Stuttgart holt noch einen Punkt.
Mönchengladbach (Platz neun, 44 Punkte, Tordifferenz -6): So richtig schlau wird man aus der wankelmütigen Borussia nicht in dieser Saison. Immerhin: Zu Hause hat sich die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking zuletzt stabilisiert, gegen den abstiegsbedrohten SC Freiburg scheint ein Sieg daher nicht unrealistisch. Zum Saisonfinale geht es dann jedoch in den hohen Norden, zum mit Adrenalin gefluteten HSV, der dann womöglich vor eigenem Publikum das Wunder schaffen kann – den Klassenerhalt. Ob Mönchengladbach diesem vermeintlich unabsteigbaren Gegner gewachsen sein wird? Man darf zumindest Zweifel haben. Prognose: Mönchengladbach holt noch drei Punkte.
Hertha BSC (Platz zehn, 43 Punkte, Tordifferenz +3): Ob es verdient wäre, wenn das Mittelmaß-Team Hertha erneut international spielen dürfte? Darüber kann man streiten. Fakt ist: Die Chancen auf die Qualifikation sind voll intakt, was nicht zuletzt an der starken Auswärtsbilanz liegt. Nach einem Punktgewinn in München und Siegen in Leverkusen und Frankfurt werden die Hauptstädter also voller Selbstbewusstsein nach Hannover reisen, zumal sich der Aufsteiger zuletzt schwer tat. Nur ein Punkt aus drei Spielen, vier Pleiten aus den jüngsten fünf Heimspielen, dazu die frische Unruhe durch den abwanderungswilligen Manager Horst Heldt – 96 hat schon bessere Tage gesehen.
Ins Bild passen würde allerdings auch, dass Hertha in Hannover gewinnt und im darauffolgenden Heimspiel wieder mal enttäuscht – wie so oft in dieser Saison. Gegner am letzten Spieltag ist RB Leipzig, das sowohl physisch als auch psychisch auf dem Zahnfleisch zu gehen scheint und zudem auf den gesperrten Leistungsträger Emil Forsberg verzichten muss. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen für die Berliner, wäre da nicht der oben angesprochene Erfahrungswert im Olympiastadion. Reicht es jedoch zu einem Remis, stünde Hertha bei 47 Zählern und hätte im Vergleich mit Gladbach sehr wahrscheinlich das bessere Torverhältnis. Ein Resultat, das prima zur Bundesligasaison 2017/18 passen würde.





