Ein Glas Champagner oder ein Gläschen mit einem guten ungarischen Rotwein? Nichts davon, stattdessen lautete die Ansage des Vaters: „Geh früh ins Bett, morgen bist Du beim U-19-Spitzenspiel dabei.“ Es gab Premieren, die mehr gefeiert worden sind, als der erste Bundesliga-Einsatz von Pal Dardai junior. Der 19-Jährige, Sohn von Trainer Pal Dardai, wollte nach seinem Debüt für Hertha BSC beim 2:2 gegen Augsburg nichts sagen. „Ich rede erst, wenn ich mein Abitur habe“, sagte Pal Dardai jr., der derzeit auf der Zielgeraden seiner schulischen Laufbahn ist. Am Sonntag half dem Bundesliga-Frischling vom Sonnabend seine neue Erfahrung nicht: Herthas U-19 verlor das Topspiel der Bundesliga Nord/Nordost gegen Werder Bremen mit 0:4.
Es sind sehr unterschiedliche Emotionen der Talente, die bei Hertha BSC auszubalancieren sind. Neben der Freude von Dardai jr. – Sturmkollege Davie Selke lobte: „Palko trainiert seit Wochen in überragender Form“ – steht der Frust etwa von Jordan Torunarigha. Der Innenverteidiger hatte in Frankfurt (3:0) eine gute Leistung geboten. Doch gegen Augsburg entschied sich der Trainer für seine etatmäßigen Innenverteidiger Niklas Stark und Karim Rekik. Torunarigha war genervt. Und äußerte seinen Unmut öffentlich. Beim Fotodienst Instagram postete der 20-Jährige: „Why you want to mess up my mood?“ (Warum willst du mir die Laune verderben?) Und: „They will ignore you until they need you“ („Sie ignorieren dich, bis sie dich brauchen“).
Die Verantwortlichen bei Hertha waren nicht amüsiert. „Was will Jordan erreichen“, fragte Trainer Dardai rhetorisch: „Hilft ihm das, schneller in die Mannschaft zu kommen?“
Kritik von Trainer Dardai und Manager Preetz
Dardai war auch deshalb enttäuscht, weil er vor der Partie mit Torunarigha gesprochen hatte. Der Trainer sagte, dass er sehr zufrieden sei mit der Entwicklung des Verteidigers. Dass sowohl Stark (Operation nach Nasenbeinbruch) als auch Rekik (Zehgelenk-Probleme) zuletzt angeschlagen waren.
Sollte einer während des Spiels ausfallen, werde Torunarigha eingewechselt. „Ich habe Jordan gebeten, Geduld zu haben.“ In der kommenden Saison werden seine Chancen auf mehr Einsätze ohnehin besser, weil Hertha auch mit einer Dreier-Abwehrkette spielen werde. Dardai: „Ich werde mit Jordan reden, was er sich dabei denkt.“

Manager Michael Preetz sagte zu den Instagram-Post: „Das ist der verkehrte Weg.“ Er verstehe, dass Torunarigha (19 Bundesliga-Einsätze) ungeduldig sei. Eigentlich laufe es aber gut für den U21-Nationalspieler: „Jordan hat sich in die Lage gebracht, dass er ein Kandidat für die Startelf ist. Ich traue ihm das absolut zu.“
Gleichzeitig verwies der Manager darauf, dass Karim Rekik zunächst das Duell um die Position des linken Innenverteidigers gewonnen hat. „Karim spielt eine gute Saison. Wir können es nicht Karim anlasten, dass Jordan in der entscheidenden Vorbereitungsphase verletzt ausgefallen ist.“ Torunarigha – Vertrag bei Hertha bis 2020 – müsse jetzt dranbleiben. „Wenn Jordan gefordert war, hat er immer Leistung abgeliefert.“ Gleichwohl fordert Preetz Teamgeist ein: „Ich will, dass Jordan sich auf den Fußball konzentriert und nicht auf das Drumherum.“
Berliner spielen noch in Hannover und gegen Leipzig
Die Balance zu halten, fällt den Jungen schwer, gegen Augsburg aber auch Hertha insgesamt. „Komplett enttäuschend“, nannte Manager Preetz die Leistung der Berliner gegen Augsburg. Das Resultat von 2:2 (0:1) war das Beste, was die Blau-Weißen mitnahmen. Zwei Energieleistungen von Davie Selke, der den Elfmeter zum 1:2 herausholte, und zum 2:2 traf (87. Minute), sowie von Vedad Ibisevic, der den Strafstoß versenkte (83.), und die Vorlage zum Ausgleich auflegte – mehr hatte Hertha nicht zu bieten.
Unverständlich für den Manager, zumal Hertha zuvor gegen Köln (2:1) und in Frankfurt (3:0) gewonnen hatte. „Wir kommen mit dem Selbstbewusstsein von sechs Punkten, hätten nur entschlossen zupacken müssen. Stattdessen müssen wir froh sein, wenigstens einen Punkt zu haben, weil der Gegner zwei individuelle Fehler gemacht hat“, haderte Preetz. Ihn ärgerte die Vorstellung: „Wir haben gespielt, als wären wir im Urlaubsmodus, nur, dass wir noch nicht im Urlaub waren.“
Irgendwie unverständlich: In Krisensituationen besteht Hertha regelmäßig. Wenn aber etwas zu gewinnen ist, präsentiert sich das Team ebenso regelmäßig fernab von der Topform – und das seit Jahren. „In den letzten beiden Saisons haben wir viel zu viele Spiele gebraucht, bis wir für Europa qualifiziert waren“, erinnert Trainer Dardai an die vielen Anläufe, die Hertha unternommen hat, um auf den Rängen sieben (2015/16) und sechs (2016/17) einzulaufen. Auf der Suche nach Gründen sagte Preetz: „Das hat etwas mit Fokussierung zu tun, mit Einstellung.“ Zwei Partien, in Hannover und gegen Leipzig stehen noch an. Dardais Marschroute: „Für mich, für Hertha ist das allerwichtigste, dass wir gegen Leipzig gewinnen. Wenn die Fans glücklich über einen Sieg nach Hause gehen, kommen sie auch glücklich zurück.“
Hertha-Trainer Dardai genervt vom "E"-Wort


