Elfmeter, TV-Beweis, Rote Karte - die heiß diskutierten Aufreger rund um Davie Selke ließen Pal Dardai kalt. Am Morgen nach dem 3:0-Sieg von Hertha beim Pokalfinalisten Eintracht Frankfurt genoss der Berliner Trainer bei schönstem Frühlingswetter einfach die entspannte Situation auf Tabellenplatz neun der Fußball-Bundesliga. „Wir haben 42 Punkte - das ist sehr viel bei der Doppelbelastung“, betonte Dardai mit Hinweis auf das Zweifachprogramm Bundesliga und Europa League in dieser Spielzeit.

Für Hertha kann eine durchwachsene Saison positiv enden, sogar die Hoffnung auf eine erneute Chance im internationalen Geschäft ist im Team wieder aufgekeimt. „Ich hoffe auf weitere Treffer“, sagte zum Beispiel der Australier Mathew Leckie, der in Frankfurt neben Selke (Foulelfmeter) und Alexander Esswein traf: „Und auch, dass es noch mit der Europa League klappt.“ Der Rückstand auf Tabellenplatz sieben, der die Berechtigung für eine Qualifikationsrunde mit sich bringt, beträgt noch vier Punkte.

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Ein direkter Gruppenplatz in der Europa League ist fünf Punkte entfernt, den dazu nötigen sechsten Rang nimmt derzeit RB Leipzig ein. Gegen die Sachsen bestreiten die Berliner am 12. Mai im eigenen Stadion das Saisonfinale. „Da wollen wir ein gutes Spiel machen, damit die Fans glücklich nach Hause gehen“, sagte Dardai schon jetzt. Insgesamt wolle er aber „nicht unnötigen Druck aufbauen. Wir haben es nicht selbst in der Hand“, sagte Dardai, ohne das Wort Europa League zu benutzen. „Das Ziel ist, unser nächstes Heimspiel zu gewinnen. Wenn du das hast, dann können wir über andere Dinge reden.“

Einsatz von Selke am Wochenende fraglich

Ob Selke gegen Augsburg dabei sein kann, ist offen. Der 23-jährige Stürmer zog sich eine Jochbeinprellung und Gehirnerschütterung zu. Um den Elfmeterpfiff für Selke in Frankfurt gab es viel Aufregung. Referee Sascha Stegemann (Niederkassel) hatte seine Entscheidung nach einem Zweikampf zwischen Makoto Hasebe und Selke auf Anraten des Video-Assistenten sogar noch einmal überprüft, blieb dann dabei.

„Das ist der Wahnsinn. Wahrnehmungsfehler vom Schiedsrichter verstehe ich, das kann passieren. Aber wenn du mit dem Puls runtergehst, wie beim Biathlon am Schießstand, und dir das noch mal in Ruhe anschaust - dann noch einmal das Gleiche zu sehen, das hat er exklusiv“, schimpfte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic.

Dardai hielt sich mit einer Beurteilung zurück: „Es war ein kleine Berührung, ob man den Elfmeter geben soll oder nicht, ist schwierig einzuschätzen.“ Selke sei „mit seinen langen Beinen sehr schwierig zu verteidigen“, ergänzte der 42-Jährige: „Davie ist sehr unangenehm. Auch im Training. Er ist wendig, kann schnell die Richtung wechseln. Das ist permanenter Stress für die Gegner.“ Und der Elfmeter „war nicht das Spielentscheidende“. Dies sei vielmehr die Rote Karte für Hasebe (79.) gewesen, der mit dem Ellbogen Selke im Gesicht traf.

Zwei weitere Personalien bereiten Dardai noch leichte Kopfschmerzen. Verteidiger Karim Rekik, der in Frankfurt kurz vor Schluss wegen einer Zehenverletzung vom Platz genommen wurde, soll nach den Worten des Ungarn Mitte dieser Woche wieder ins Training einsteigen. Verteidiger Niklas Stark muss nach einer Nasen-Operation erst einmal weiter pausieren.

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dpa