Rune Jarstein wirkt ziemlich steif. Valentino Lazaro hat keine Lust. Fabian Lustenberger auch nicht. Arne Maier ist eine klassische Fehlbesetzung. Im Grunde sind alle Spieler von Hertha BSC ungeeignet. Nein, die Rede ist hier nicht von Fußball, es geht um schauspielerisches Talent. Das lassen alle Berliner absichtlich in einem, nebenbei erwähnt ziemlich lustigen Videoclip vermissen, der anlässlich eines neuen Sponsorendeals gedreht wurde und auf Herthas Internetseite abrufbar ist.
Das Handelsunternehmen Tedi wird ab der kommenden Spielzeit bis 2021 neuer Hauptsponsor der Berliner. Bisher war die Kette als Ärmelsponsor dabei. Inhaltliche Details zur Vereinbarung wurden nicht gemacht. Dem Vernehmen nach soll Tedi pro Saison rund 7,5 Millionen Euro bereitstellen.
So mancher dürfte sich die Spielfreunde und Kreativität, die Herthas Spieler in dem Clip zeigen, auch auf dem Fußballfeld von ihnen wünschen. In diesem Jahr hat Hertha dies nur selten aufblitzen lassen. Das Heimspiel gegen den 1. FC Köln am Sonnabend (15.30 Uhr) könnte vor diesem Hintergrund als Wiedergutmachung und Initialzündung dienen, ja sogar als letzte Möglichkeit, noch etwas Zauber in diese vermaledeite Heimspielsaison zu bringen. Gelingt Hertha im Olympiastadion ein überzeugender Auftritt, dürfte das der Mannschaft Selbstvertrauen für den Endspurt und die abschließenden Heimspiele gegen den FC Augsburg (28. April) und RB Leipzig (12. Mai) geben.
Köln ist ein guter Gegner für Hertha
Der FC scheint in dieser Hinsicht der ideale Gegner. Er spielt eine historisch schlechte Serie und dürfte kaum noch vor dem Abstieg zu retten sein. Intern beschäftigen sich die Kölner längst mit der Zweiten Liga. Markus Anfang, derzeit Trainer von Holstein Kiel, soll den Posten von Stefan Ruthenbeck zur neuen Saison übernehmen und den Traditionsklub zum Wiederaufstieg verhelfen. Keine einfache Aufgabe. Abgesehen davon, dass ein neuer Kader zusammengestellt werden muss, ist die aktuelle Mannschaft vor allem defensiv extrem anfällig. Kein Bundesligist bekommt mehr Gegentore (56), keine Mannschaft lässt mehr Treffer durch das eigene Zentrum (30) und die linke Abwehrseite zu (16). Offensiv sieht es nicht viel besser aus. Köln hat die viertwenigsten Tore der Liga geschossen und ist der zweitschlechteste Klub im Ausnutzen von Großchancen.
Pal Dardai möchte sich mit all dem nicht zu sehr beschäftigen: „Wichtig für uns ist, dass wir die ersten Chancen auch mal rein machen und dass der letzte Pass ankommt. Wenn die Jungs dann das Selbstvertrauen bekommen, das sie im Training haben, kommen auch die Tore wieder“, sagt Herthas Trainer. Die fehlten zuletzt. Seit drei Heimpartien wartet Hertha auf ein Tor, der letzte Sieg im Olympiastadion datiert vom 13. Dezember 2017 (3:1 gegen Hannover).
Kritischer war die Situation im vergangenen Herbst. Nach einem 1:3 im DFB-Pokal gegen den bis dahin in der Liga sieglosen 1. FC Köln machten einige Fans ihrem Ärger nach Spielschluss Luft, verschafften sich Zugang zum Spielfeld und stellten Spieler sowie Trainer Dardai zur Rede. Die Stimmung drohte zu kippen. Auch wenn Hertha sich danach wieder fing und nie in Abstiegsgefahr geriet, blieb die ganz große Harmonie zwischen Mannschaft und Publikum in dieser Saison aus. Der Zuschauerschnitt sank von 50.200 auf 44.266, dazu gab es andere Nebenkriegsschauplätze wie die Stadiondebatte und der Streit um die Digitalisierungsstrategie des Vereins. Tore und ein schön herausgespielter Heimsieg gegen Köln würden die Vereinsseele wieder etwas beruhigen.


