Bundesliga

Hertha verschenkt den Sieg gegen Gladbach

Schiedsrichterin Steinhaus erkannte erst den Gladbacher Ausgleichstreffer ab. Später gab sie nach Korrektur den Sieg-Elfer der Fohlen.

Gladbachs Stindl kämpft sich vor Lustenberger

Gladbachs Stindl kämpft sich vor Lustenberger

Foto: pa

Mönchengladbach. Was genau Salomon Kalou durch den Kabinen-Flur trat, war in den verwinkelten Katakomben des Borussia-Parks nicht zu sehen. Zu hören war sein polternder Frustabbau aber deutlich. Worte ließ Herthas bester Torjäger nach dem bitteren 1:2 (1:0) in Mönchengladbach hingegen nicht mehr verlauten. Der Ivorer wusste: Trotz seines Führungstreffers (40. Minute) zählte er zu den Hauptverantwortlichen für die Niederlage, weil er zwar brandgefährlich agierte, aber beste Gelegenheiten ungenutzt ließ. „Wir hätten das zweite und dritte Tor machen müssen“, sagte Stürmer Davie Selke, auch er ein ­fahrlässiger Chancen-Auslasser, „dieses Spiel dürfen wir nie und nimmer verlieren.“ Weil Borussen-Joker Thorgan Hazard (75., 79./Foulelfmeter) kaltschnäuziger agierte als alle Herthaner, ­taten die Berliner es trotzdem.

Von einem hochklassigen Spiel konnte am Sonnabend zwar keine Rede sein, von einem dramatischen dafür umso mehr. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus griff zweimal zum Videobeweis, erkannte erst den Gladbacher Ausgleichstreffer wegen Abseitsstellung ab und gab später nach Korrektur aus Köln jenen Elfmeter, der die Partie entscheiden sollte. Zwei Szenen, in denen die Unparteiische zwar nicht die glücklichste Figur abgab, aber richtig lag. Und Vorwürfe machten sich die Berliner ohnehin nur selbst. „Wenn wir so einen Vorsprung aus der Hand geben, muss ich schlucken“, sagte Trainer Pal Dardai: „Taktisch und von den Zweikämpfen kann ich der Mannschaft keinen großen Vorwurf machen, aber wir fahren mit null Punkten nach Hause.“ Kurioserweise um einen Tabellenplatz verbessert – der schlechten Tordifferenz des FC Augsburg sei Dank.

Im Vergleich zur Nullnummer gegen Wolfsburg hatte Dardai sein Team auf drei Positionen verändert. Linksverteidiger Marvin Plattenhardt kehrte nach abgesessener Sperre in die Startelf zurück, genauso wie Stürmer Davie Selke und der schmerzlich vermisste Schlüsselmoment-Erzeuger Valentino Lazaro. Der Österreicher hatte sich erst am Donnerstag gesund gemeldet, kam in Gladbach aber erst in Durchgang zwei auf Betriebstemperatur. Der Beginn der Partie ging allerdings an fast allen 22 Protagonisten vorbei. Wenig Tempo, viele Ungenauigkeiten – der Sonnenschein am Niederrhein schien fast zu Sommerkick-Allüren zu verleiten. Das änderte sich erst nach 17 Minuten, als Selke den Ball nach Doppelpass mit Vladimir Darida auf vollem Lauf aufs Tor drosch – knapp am langen Pfosten vorbei (17.).

So langsam tat sich etwas. Gladbachs Raffael (19.) und Lars Stindl antworteten (30.) mit strammen Schüssen. Auf Berliner Seite war es vor allem Kalou, der sich nun in die Heldenrolle zu manövrieren schien. Dardai hatte den Ivorer in seinem 128. Pflichtspiel für Hertha mit der Kapitänsbinde ausgestattet, was jener offenbar als Auftrag begriff. Nach zwei starken Versuchen als Vorbereiter (21./33.) gab Kalou kurz vor der Pause den Vollstrecker, als Gladbachs Verteidiger Jannik Vestergaard eine Stark-Hereingabe vors Tor und in den Lauf des Angreifers spitzelte. Der schob trocken ein – 1:0 (40.), eine verdiente Pausenführung, untermalt von Pfiffen der Heim-Fans.

Nach dem Seitenwechsel war es dann aber ausgerechnet Kalou, der Herthas Abschluss-Dilemma einleitete, indem er eine Lazaro-Flanke per Kopf nicht verwertete (47.). Für fassungslose Gesichter sorgte er bei den 51.417 Zuschauern später, als er mit Bedacht einen Verteidiger ausstiegen ließ und danach äußerst unbedacht aus zehn Metern über das Tor schoss (68.). Dass Selke im Eins-gegen-eins-Duell mit Borussen-Keeper Yann Sommer zu überhastet abschloss (73.), setzte dem Drama dann die Krone auf. Noch schlimmer: Nun gelangen den bis dahin harmlosen Gladbachern die Tore.

Thorgan Hazard verwandelt vom Elfmeterpunkt

Erst traf Hazard nach einer Kopfballverlängerung von Josip Drmic aus Nahdistanz (75.), ehe Fabian Lustenberger im Strafraum zu ungeschickt gegen Nico Elvedi einstieg. Die Folge: Videobeweis, Hazard vom Punkt, 0:2 (79.) – Hertha hatte die Partie binnen vier Minuten aus der Hand gegeben. Zu allem Überfluss standen sich die Joker Vedad Ibisevic und Alexander Esswein bei einer großen Chancen gegenseitig im Weg (85.). Ein Szene, die Herthas Auftritt trefflich zusammenfasste.

„Wenn wir 50 Prozent unserer Torchancen machen würde, wären wir europäisch dabei“, sagte ein frustrierter Valentino Lazaro. Stattdessen festigen die Berliner ihren Platz im ­Niemandsland der Bundesliga-Tabelle. Immerhin: Mit einer Leistung wie in Mönchengladbach dürfte am Sonnabend im Olympiastadion gegen den abstiegsbedrohten 1. FC Köln mehr drin sein.

Mehr zum Thema:

Hertha-Keeper Jarstein: „Ich will bis 40 in Berlin spielen“

Warum Hertha Europa noch nicht aufgeben sollte