Daheim in Ungarn hatte eine Wahrsagerin Pal Dardai unlängst die nähere Zukunft prophezeit. Nach dem Spiel gegen Schalke, so die Seherin, komme eine erfolgreiche Zeit auf den Trainer von Hertha BSC und seine Mannschaft zu. Ein sonniges Frühjahr sozusagen. Nun mag Herthas Fußball derzeit nicht unbedingt die Gemüter der Fans erwärmen, aber ein Teil der Voraussage ist bereits eingetreten.
Seit dem Spiel in Gelsenkirchen ist der Berliner Bundesligist unbesiegt. Zwei Unentschieden, ein Sieg, das macht fünf Punkte aus drei Spielen. Das passt zur bisherigen Spielzeit. „Wir haben eine solide Rückrunde gespielt, dabei insgesamt vielleicht einen Tick zu wenig gewonnen“, sagt Manager Michael Preetz. Bei zwei der drei Niederlagen sei Hertha die bessere Mannschaft gewesen, aber die vielen Remis (sechs) würden eben ein Voranschreiten in der Tabelle verhindern.
Am Saisonende könnte vielleicht Platz sieben für Europa reichen
Dem ausgeglichenen Mittelfeld der Bundesliga sei Dank, besitzen die Berliner vor dem Gastspiel am Sonnabend bei Borussia Mönchengladbach (15.30 Uhr/Sky) dennoch alle Möglichkeiten, eine Rückkehr ins internationale Geschäft anzustreben. Da am Ende der Saison sehr wahrscheinlich Platz sieben zur Qualifikation an der Europa League berechtigen wird, befindet sich Hertha mit sechs Punkten Rückstand noch in Reichweite.
Preetz wiegelt trotzdem ab: „Das ist kein realistisches Ziel, solange wir nicht anfangen zu gewinnen. Erst dann können wir darüber reden. Wir konnten die ganze Saison über die Momente nicht nutzen, wenn es darum ging, sich nach oben abzusetzen“, sagt der Manager. Er nennt die jüngsten Partien gegen Mainz, Freiburg (beide 0:2) und Wolfsburg (0:0) als Beispiele. Genau das war schon in der Hinrunde ein Problem. Etwa beim Hinspiel gegen Gladbach (2:4), als man mit einem Sieg zur vorderen Gruppe hätte aufschließen können. Oder etwas später gegen Frankfurt (1:2).
Ob Platz sieben tatsächlich ein erstrebenswertes Ziel ist, sei dahingestellt. Derjenige Bundesligist müsste in der zweiten Qualifikations-Runde einsteigen, die am 26. Juli beginnt. Das ist rund einen Monat vor dem Start der Bundesliga und nur elf Tage nach dem Finale der Weltmeisterschaft in Moskau. Abgesehen von den ungünstigen Terminen sind insgesamt drei Qualifikations-Runden, also sechs Spiele zu überstehen, ehe die Gruppenphase erreicht wäre. Das wäre schon eine Belastung, bevor die eigentliche Belastung durch Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League beginnt.
Keine Experimente in Gladbach
Nur scheint es ohnehin, als hätte sich Hertha auf dem elften Platz eingepegelt. Bei zehn Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang 16 und noch sechs ausstehenden Spielen ist die Abstiegsgefahr nahezu gebannt. Komplett in Sicherheit wiegen möchte sich Trainer Pal Dardai aber noch nicht: „Wir müssen noch ein paar Punkte holen“, sagt der Ungar. Intern hatte er die Marke von 40 Punkten als Ziel ausgegeben. Dazu fehlen noch vier Zähler.
In Gladbach, wo Hertha seit zehn Jahren auf einen Sieg wartet, dürfe es daher keine Experimente geben. Valentino Lazaro konnte nach überstandenem grippalen Infekt am Donnerstag zum ersten Mal mit der Mannschaft trainieren und soll auflaufen. „Er hat einige Extraschichten gemacht, kommt mit und wird auch spielen“, sagt Dardai. Der Österreicher wurde gerade erst zum Bundesliga-Neuling des Monats März gekürt und war zuletzt in sehr guter Form. Verzichten kann Hertha auf ihn gerade nicht, das war beim 0:0 gegen Wolfsburg zu sehen. Mit seiner Dynamik, Schnelligkeit und Ballsicherheit ist Lazaro einer der wenigen Lichtblicke in der oft stotternden Berliner Offensive geworden. Innenverteidiger Niklas Stark, der unter der Woche leichte Probleme hatte nach einem Pferdekuss, ist ebenfalls fit. Hertha kann also mit der bestmöglichen Elf auflaufen.
Nationalspieler Plattenhardt kehrt ins Team zurück
Zu der wird nach drei Spielen als Reservist vermutlich auch wieder Davie Selke gehören. Der Angreifer habe sehr gut trainiert. „Es kann sein, dass er beginnt“, sagt Dardai, der nur auf Maximilian Mittelstädt verzichten muss. Herthas Außenbahnspieler verletzte sich am Hüftbeuger und fällt vorerst aus. Die genaue Dauer ist noch nicht absehbar. Wahrscheinlich hätte Mittelstädt aber auch nicht zur Startelf gehört, da Marvin Plattenhardt nach verbüßter Gelbsperre wieder dabei ist.
Spielern wie Mittelstädt Spielpraxis zu geben, gehört in dieser Saison zu den ausstehenden Vorhaben von Dardai. Momentan sei es dafür aber noch zu früh. „Wenn man vor den letzten zwei Spielen absehen kann, was möglich ist und was nicht, dann entscheiden wir, ob wir dem einen oder anderen jungen Spieler noch Spielzeit geben“, sagt Herthas Trainer. Vielleicht ist ja sogar noch viel möglich.


