In der Nachspielzeit war der Frust nicht mehr zu bändigen. Ondrej Duda erfoulte sich eine Gelbe Karte, Vedad Ibisevic meckerte mit dem Schiedsrichter und Fabian Lustenberger mit so ziemlich jedem, der ihm über den Weg lief. Die Profis von Hertha BSC waren bedient nach dem 0:1 (0:1) bei Schalke 04. Sie wussten: Beim Champions-League-Anwärter wäre mehr drin gewesen. „Wir hatten genug Chancen, um mindestens einen Punkt mitzunehmen“, sagte Lustenberger genervt: „Der Aufwand war mal wieder groß, aber der Ertrag klein.“

Die starke Auswärtsserie der Berliner fand tief im Westen also ein Ende. Dreimal in Folge waren sie in der Fremde ohne Gegentor geblieben. Diesmal reichte ein einziger Schalker Geistesblitz, damit es einschlug. Marco Pjaca gelang kurz vor der Pause die Entscheidung (37. Minute), allerdings mit freundlicher Unterstützung der Berliner Verteidiger. Schalke-Manager Christian Heidel gab zu: „Der Sieg war sicher ein bisschen glücklich.“ In der Tabelle verbleibt Hertha nach der achten Saisonniederlage auf Platz elf – zumindest bis Sonntag.

Im Vergleich zum überraschenden 0:0 beim FC Bayern hatte Herthas Trainer Pal Dardai sein Team auf zwei Positionen verändert. Für Vladimir Darida (Nagelbettentzündung) kehrte Talent Arne Maier ins zentrale Mittelfeld zurück, für Innenverteidiger Jordan Torunarigha (Infekt) Karim Rekik. Seine zehn Wochen Verletzungspause waren dem Niederländer dabei nicht anzumerken, auf Schalke war der Abwehrspieler auf Anhieb voll da, agierte souverän und umsichtig, übernahm sofort wieder die Initiative und dirigierte seine Kollegen. Einzig beim Gegentor sollte auch er nicht gut aussehen.

Stark trifft aus vier Metern Entfernung nicht das Tor

Generell aber gab es für Herthas Hintermannschaft nicht allzu viel zu tun. Die Schalker übernahmen zwar zunächst die Regie, liefen sich in der kompakten Berliner Defensive aber zuverlässig fest. Um Missverständnisse zu vermeiden: Von reiner Spielzerstörungskultur konnte beim Hauptstadtklub keine Rede sein. Die Gäste agierten einfach enorm wach – und schalteten nach zehn Minuten sogar auf Angriff. Nach einer Maier-Ablage zwang Stürmer Davie Selke Schalkes Keeper Ralf Fährmann mit einem 18-Meter-Schuss zu einer Parade (12.), ehe der Schlussmann einen Berliner Freistoß aus der Gefahrenzone fausten musste (13.). Schließlich machte Fährmann auch Herthas beste Gelegenheit zunichte, wobei: Streng genommen lag das weniger am Torhüter, als vielmehr an Niklas Stark. Nach guter Vorarbeit von Salomon Kalou schob der Verteidiger den Ball aus vier Metern nicht ins halb verwaiste Tor, sondern in die Arme des Torwarts (14.). „Das war einfach Riesenpech“, sagte Stark später, „ich komme nicht richtig an den Ball.“ Chance verpasst. Dennoch: Die Berliner lieferten in dieser Phase einen erstaunlich forschen Auftritt.

Nun wäre es allzu schön gewesen, wenn die Gäste diesen Drive beibehalten hätten, doch stattdessen bewahrheitete sich mehr und mehr Dardais Prognose. „Wer ein schönes Spiel sehen will, muss ein anderes angucken“, hatte der Ungar von dem Anpfiff orakelt. Beide Teams verlegten sich zunehmend auf die Verteidigungsarbeit, mitunter war ein Königsblauer von fünf (diesmal roten) Berlinern umgeben. Das Problem dabei: War der Ball erstmal erobert, wollte das Umschalten danach nicht mehr gelingen. Kurz vor der Pause dann der Rückschlag. Marvin Plattenhardt, der sein 100. Bundesligaspiel für Hertha absolvierte, ließ Daniel Caligiuri zu unbedrängt flanken. Die flache Hereingabe des Schalkers rauschte vorbei an Rekik, Stark und Gegenspieler Breel Embolo vorbei ins Zentrum, wo der heranstürmenden Marko Pjaca trocken zum 0:1 vollendete (37.). „Das war eine kurze Unaufmerksamkeit“, sagte Dardai, „aber die Jungs haben das gut runtergeschluckt.“

Sogar Schalkes Trainer lobt später das Spiel der Berliner

Tatsächlich war von den Schalkern nach dem Seitenwechsel nicht mehr viel zu sehen. Die 61.578 Zuschauer sahen keinen einzigen Torschuss mehr von den Hausherren. Hertha hingegen investierte viel, verteidigte hoch und kam so immerhin vereinzelt zu Gelegenheiten. Rekik köpfte nach einem Plattenhardt-Freistoß knapp übers Tor (58.); Lustenberger verfehlte sein Ziel aus der Distanz (66.). Die Einwechslungen von Vedad Ibisevic (73.) brachte in der Schlussphase noch mal zusätzlichen Schub, aber ein Tor sollte nicht mehr gelingen.

Domenico Tedesco zeigte sich trotzdem beeindruckt. „Kompliment an Hertha“, sagte Schalkes Coach. Ein schwacher Trost für die Berliner, die sich ihren Frust am Sonnabend von der Seele schießen wollen. Dann ist der SC Freiburg zu Gast im Olympiastadion.

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