Hertha BSC

Rekik sorgt bei Hertha für ein Luxusproblem

Berlins Stammverteidiger ist nach einer Verletzung zurück. Doch um seine Position muss er nun mit Youngster Jordan Torunarigha kämpfen.

Karim Rekik war in der Hinrunde einer der besten Spieler bei Hertha

Karim Rekik war in der Hinrunde einer der besten Spieler bei Hertha

Foto: Gladys Chai von der Laage / picture alliance / Gladys Chai v

Berlin.  Eigentlich war schon alles vorbei, der Ball nicht mehr kontrollierbar und mit dem Rücken zum Tor stand er auch. In diesem Moment entschloss sich Jordan Torunarigha (20), etwas zu tun, das er für gewöhnlich nicht tut. Der junge Verteidiger von Hertha BSC stieg hoch in die Luft und setzte zum Fallrückzieher an. Sekunden später lag der Ball im Tor und Torunarigha nahm die Glückwünsche seiner Mitspieler entgegen.

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Bei dieser Szene aus einem Trainingsspiel schwang Symbolkraft mit. Eine Botschaft ging von ihr aus: Torunarigha versucht über sich hinauszuwachsen. Wohl wissend, dass gut dieser Tage nicht gut genug ist.

Wobei, was heißt hier gut? Es gibt Beobachter, die bescheinigten ihm gegen den FC Bayern gar eine überragende Leistung, die Redaktion der ARD-„Sportschau“ wählte ihn in die Elf des Spieltags. All das schützt Torunarigha aber nicht davor, um seinen Einsatz am Sonnabend gegen Schalke 04 (15.30 Uhr/Sky) bangen zu müssen. Der Grund heißt Karim Rekik (22), Herthas unumstrittener Abwehrchef der Hinrunde, der nach zehnwöchiger Verletzungspause in Gelsenkirchen erstmals wieder zum Kader gehören soll.

„Ich habe Vertrauen in meine Fähigkeiten“

Mehr noch, Rekik könnte sogar auf Anhieb wieder in die Startformation zurückkehren. „Bei Karim sieht es sehr gut aus, es kann sehr gut sein, dass er spielt“, sagt Trainer Pal Dardai. Nach dem Spiel in München hatte es für einen kurzen Moment so ausgesehen, als hätten sich die Ausgangspositionen verschoben. Platzhirsch Rekik drohte die Rolle des Herausforderers. Doch der Niederländer antwortete auf seine Weise. Er trainierte, als hätte es die im Spiel gegen Hannover erlittene Fußverletzung nie gegeben. Gewann Zweikämpfe und gehörte in jeder Einheit zu den Besten. Herausforderer? „So denke ich nicht. Ich weiß, was ich kann und vertraue in meine Fähigkeiten“, sagt Rekik.

Herthas Trainer steht nun vor einer schwierigen Entscheidung. Soll er seinen besten Verteidiger direkt bringen und so automatisch einem derjenigen das Vertrauen entziehen, die mithalfen, den gefährlichsten Angriff der Bundesliga torlos zu halten? „Niklas und Jordan haben einen kleinen Bonus, weil sie zu Null gespielt haben“, sagt Dardai. Nur hat er auch Sachen gesehen, die ihm weniger Freude bereiteten. „Beide hatten auch einige Stellungsfehler drin“, sagt Herthas Trainer.

Manager Preetz hofft auf einen Konkurrenzkampf

Das mag sein, nur geht es bei der Frage, wer demnächst Herthas Innenverteidigung bildet, nicht primär darum, wer wann falsch gestanden hat. Entscheidend ist, von welchem Pärchen sich Dardai die meiste Stabilität erhofft und in dieser Hinsicht führt kaum ein Weg an Rekik und Stark vorbei. Letzterer ist als Rechtsfuß für die Position des rechten Innenverteidigers gesetzt. Rekik und Torunarigha, die beiden Linksfüße, trennen vom Alter nur zwei Jahre, aber von der Erfahrung Welten. Rekik hat in den Niederlanden gespielt, in England und in Frankreich, ist zudem Nationalspieler.

Torunarigha unterliegt hingegen noch den typischen Leistungsschwankungen seines Alters. Gut zu beobachten in den vergangenen sieben Tagen, als er gegen Mainz ein Unsicherheitsfaktor war und nur eine Woche später gegen Bayern über sich hinauswuchs. „Jordan muss, um den nächsten Schritt zu machen, Konstanz in sein Spiel bekommen“, sagt Herthas Co-Trainer Rainer Widmayer. Genau dieses Auf und Ab ist es, das Dardai im Verbund mit Stark fürchtet, weil auch der nicht immer sein Potenzial abrufen kann. Stark ist dann am besten, wenn er einen sicheren Nebenmann an seiner Seite weiß.

Dass Torunarigha mittlerweile in der Lage ist, jemanden wie Rekik ernsthaft herauszufordern, ist eine der positivsten mannschaftsinternen Entwicklungen. „Jordan hat gegen Bayern eindrucksvoll bewiesen, dass er ein großes Talent ist“, sagt Widmayer. Überzeugt davon sind sie bei Hertha schon lange. Aus diesem Grund wurde im Sommer nach dem Abgang von John Anthony Brooks mit Karim Rekik auch nur ein Innenverteidiger geholt und nach Sebastian Langkamps Wechsel im Winter zu Werder Bremen gar niemand. „Wir wollten Jordan nicht den Weg versperren“, sagt Michael Preetz. Über den Zweikampf zwischen Torunarigha und Rekik freut sich Herthas Manager. „Wenn Karim jetzt zurückkommt, haben wir das, was wir wollen: Einen Konkurrenzkampf, in dem sich die Beteiligten entwickeln“, sagt Preetz.