Mit dem Ballnetz über der Schulter schlenderte Arne Maier (19) als Letzter vom Trainingsplatz. Zwei Spiele hatte der Mittelfeldspieler von Hertha BSC zuletzt wegen eines grippalen Infekts verpasst, am Dienstag kehrte er ins Mannschaftstraining zurück und fand sich gleich in der Position des Azubis wieder. Trainingsutensilien abräumen, während die anderen das Weite suchten.
Allzu lange wird Maier diese Rolle nicht mehr inne haben. Bei Hertha sind sie überzeugt, dass der junge Mann, der seit 2007 im Verein ist, demnächst die sportliche Gegenwart prägen wird. Am Vormittag hatte der Berliner Bundesligist die Vertragsverlängerung mit Maier bekannt gegeben. Über Laufzeit und Inhalte machte der Verein keine Angaben, die Rede ist von einem bis 2022 datierten Arbeitspapier. Manager Michael Preetz ließ sich per Mitteilung zitieren: „Arne ist bisher sicher eine der Entdeckungen der Saison. Er hat gezeigt, über welch großes Potenzial er verfügt. Wir sind davon überzeugt, dass seine großartige Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen ist.“
Trainer Pal Dardai sagte: „Arne hat blaues Blut und eine gute Mentalität. Jetzt muss er weitermachen und nicht zufrieden sein“. In Maier verfügt er nicht nur für die kommenden Jahre über eine Option mehr, sondern weiß den vielleicht talentiertesten Mittelfeldspieler Deutschlands in seinen Reihen. Im Herbst 2017, als 18-Jähriger, erkämpfte der sich einen Stammplatz im Zentrum vor der Abwehr. Seine Dynamik, sein Zug zum Tor und die für sein Alter ungewöhnliche Ruhe am Ball taten dem Berliner Spiel gut. Auch weil die restlichen Fußballer im Kader, die für diese Position infrage kommen, über andere Qualitäten verfügen.
Die Durchlässigkeit zu den Profis ist vorhanden
Wie wichtig Maier für Hertha geworden ist, ließ sich vor knapp zwei Wochen beobachten. Kurz vor dem Heimspiel gegen Mainz 05 erwischte ihn ein grippaler Infekt, an einen Einsatz war nicht zu denken und prompt legte Hertha einen der uninspiriertesten Auftritte in dieser Saison hin. Was nicht allein an Maiers Abwesenheit lag, aber unbestritten ist, dass seine Fähigkeiten an diesem Abend gegen einen gut organisierten Gegner gefragt gewesen wären.
Bei Hertha wissen sie längst, welch Juwel sie in dem jungen Mann mit den blonden Haaren haben. Schon im Herbst sagte Manager Preetz: „Vielleicht wird irgendwann einmal der Moment kommen, an dem wir als Verein zu klein für Arne sind. Aber bis dahin wollen wir ihn noch auf seiner Entwicklung begleiten.“
Es gab eine Zeit, da ließen sich junge Talente nicht so gern auf ihrem Karriereweg von Hertha begleiten. Talentierte Nachwuchsspieler suchten bei der erstbesten Gelegenheit das Weite. Durch Maiers Vertragsverlängerung gelang es Hertha, den Status als angesehene Adresse für aufstrebende Fußballer zu festigen. Die Wirkung ist enorm. Einerseits sticht Hertha die nationale Konkurrenz aus, anderseits geht das Signal an jüngere Jahrgänge, dass die Durchlässigkeit zu den Profis vorhanden ist. Maier gilt als das Gesicht von Herthas Nachwuchsakademie.
Ausbilden, weiterentwickeln, verkaufen
Im Sommer waren Karim Rekik, Valentino Lazaro und Davie Selke, alle Anfang 20, schon nach Berlin gekommen, weil sie dort die besten Entwicklungschancen für sich sehen. Den gleichen Weg hatten zuvor Niklas Stark und Mitchell Weiser gewählt und sich schnell im Bundesliga-Team etabliert. „Wenn man ihre Entwicklung verfolgt und all die anderen jungen Spieler im Team sieht, dann spielt das bei der Entscheidung für den Verein natürlich eine Rolle“, sagte Davie Selke unlängst. Auch Maier musste angeblich nicht lange überlegen. „Die Gespräche liefen sehr gut, sodass es am Ende eine einfache Entscheidung war zu verlängern.“
Aussagen wie diese stützen die Arbeit von Michael Preetz. Herthas Manager, der die letzten beiden Abstiege der Vereinshistorie mit zu verantworten hatte und dafür heftig in der Kritik stand, hat sich mittlerweile ein Profil als Mann mit einem guten Gespür erarbeitet. Kaum einem Verein in der Bundesliga gelang es in dieser Saison, sich so sinnvoll zu verstärken. Die Zugänge Rekik, Lazaro, Selke und Mathew Leckie konnten alle schon ihren Wert für die Mannschaft beweisen. So gelang es Preetz, Spieler wie John Anthony Brooks gewinnbringend zu veräußern und trotzdem die sportliche Qualität der Mannschaft nicht zu mindern. Auch die Vertragsverlängerung und anschließende Leihe von Reservist Genki Haraguchi (zu Fortuna Düsseldorf) gilt als Coup, weil im Falle einer guten WM des Japaners die Möglichkeit eines Weiterverkaufs bleibt.
Preetz hatte immer wieder betont, dass Herthas Rolle wegen der vergleichsweise geringen wirtschaftlichen Mittel nur die des Ausbildungsvereins sein kann. Ausbilden, weiterentwickeln, verkaufen. Was Arne Maier angeht, läuft die Weiterentwicklung ab sofort auf Hochtouren.





