Einmal mit links. Einmal mit rechts. Vladimir Darida schießt aus allen Positionen und mit beiden Füßen. Hauptsache, der Ball kommt aufs Tor. Zwei Minuten später: Darida animiert seine Mitspieler nach einer missglückten Aktion. Einmal etwas lauter, einmal etwas gediegener. Hauptsache, auf dem Platz wird gesprochen.
Da ist er wieder, der alte Darida (27). Der vorangehen, der Verantwortung übernehmen will, und sei es nur im Trainingsspiel bei strömendem Regen. Zu lange schon hatten sie ihn vermisst bei Hertha BSC. Nicht dass der Mittelfeldspieler nicht dagewesen wäre, physisch weilte er seit Beginn der Vorbereitung auf die Rückrunde wieder bei der Mannschaft. Von seinem Habitus aber war er doch ein anderer.
Die mehr als zwei Monate Pause, in denen er wegen einer Knieverletzung nicht spielen konnte, hatten ihm zugesetzt. Der tschechische Nationalspieler wirkte nicht mehr so aggressiv, nicht mehr so bissig, und die fehlende Spielpraxis war ihm nach so einer langen Pause natürlich auch anzumerken. Darida, lange Zeit Herthas Motor, stotterte.
Am Sonnabend gastiert Hoffenheim in Berlin
Seit dieser Woche scheinen bei ihm wieder alle Zylinder auf Hochdruck zu laufen. „Durch seine Körpersprache spüre ich, dass er wieder etwas will vom Trainer. Das ist schön, das habe ich lange nicht mehr gespürt und auch ein bisschen vermisst“, sagt Pal Dardai. Gut möglich, dass Herthas Trainer Darida im Heimspiel am Sonnabend gegen die TSG Hoffenheim (15.30 Uhr) zum ersten Mal seit dem 14. Oktober 2017 wieder von Beginn an aufstellt.
Ondrej Duda, der gegen Dortmund und Bremen als zentraler offensiver Mittelfeldspieler begann, fällt wegen einer Wadenverletzung aus. Davon abgesehen passe der lauf- und zweikampfstärkere Darida gut in die Mannschaft gegen einen so ballsicheren Kontrahenten wie Hoffenheim, deutet Dardai an. „Es kann sein, dass Vladi in der Mitte spielt“, sagt Herthas Trainer. Valentino Lazaro und Salomon Kalou würden ihn dann flankieren.
Erst sechs Minute Spielzeit in diesem Jahr
Die Rückrunde verläuft für Darida bisher so, wie noch keine Serie für ihn verlaufen ist, seit er das Trikot von Hertha BSC trägt. Gerade einmal sechs Minuten kam er im Januar zum Einsatz, gegen Stuttgart und gegen Bremen verzichtete Dardai ganz auf ihn. „Ich kann das verstehen, das ist normal. Nach einer langen Pause kann man nicht gleich wieder 90 Minuten spielen“, sagt Darida. Nur war es in seinem Fall eben nicht normal. Weil Darida bislang der war, der immer spielte. Es gab Zeiten, da galt seine Stelle bei Hertha als einer der sichersten Arbeitsplätze Berlins.
Sicherheit ist im Sport jedoch nur von kurzer Dauer. In seiner Abwesenheit emanzipierte sich die Mannschaft von ihrem einstigen Motor. Zuerst lernte sie, auf Reserve zu fahren, dann taten sich neue Energiequellen auf. Arne Maier (19) half nun, aus dem defensiven Zentrum anzutreiben, genau von dort aus, wo Darida früher als Transmissionsriemen zwischen Defensive und Offensive wirkte. „Er ist erst 19 Jahre alt und spielt sehr gut. Mir ist es egal, ob ich Sechser oder Zehner bin. Als Zehner bin ich näher zum Tor und kann Tore schießen. Das macht Spaß“, sagt Darida.
Spaß haben, das wäre mal wieder was. Am Ende seiner Verletzungspause hatte ihm der doch arg gefehlt. Liegestütze. Rumpfbeuge. Immer nur Stabilisationsübungen. Irgendwann war es selbst ihm, dem Musterprofi und Fleißarbeiter, zu viel. Herthas Mittelfeldspieler verspürte den Drang zu rennen, zu schießen, sich auszupowern. Aber das durfte er ja nicht.
Verdienste der Vergangenheit zählen nicht mehr
Die Knieverletzung hatte sich nach Wochen der konservativen Behandlung doch als komplizierter herausgestellt und musste operiert werden. Für Darida, dessen größte Verletzung bisher ein Außenbandriss im Sprunggelenk war, eine unschöne Erfahrung. „Ich war traurig, dass ich nicht richtig trainieren konnte. In der Reha hab ich viel gemacht, aber das ist nicht das Gleiche, wie mit der Mannschaft zu trainieren“, sagt Darida.
Körperlich sei er bei hundert Prozent, sagte er zu Beginn der Vorbereitung. Auf dem Feld, während des Trainings, sah das anders aus. Dardai sah den Rost und reagierte, wie er vor zwei Jahren vielleicht noch nicht reagiert hätte. Von Daridas langer Wartezeit ging eine Botschaft aus. Wer in der Rückrunde nicht komplett fit ist, wer sich nicht zu hundert Prozent im Training aufdrängt, der muss von draußen zusehen. Egal welche Verdienste er sein Werk nennt. Im Winter 2018 stehen Dardai personelle Möglichkeiten zur Verfügung, wie noch nie während seiner nun dreijährigen Amtszeit. Darida hat das verstanden. Seine jüngsten Trainingsleistungen zeugen davon.




