Hertha BSC

Hertha setzt auf die Jugend, aber...

Der Berliner Abwehrchef Stark zahlt in Stuttgart Lehrgeld. Trainer Pal Dardai fordert: „Daraus muss Niklas lernen“

Herthas Niklas Stark (v.) erzielt zum Entsetzen von Mitchell Weiser (h.) ein kurioses Eigentor

Herthas Niklas Stark (v.) erzielt zum Entsetzen von Mitchell Weiser (h.) ein kurioses Eigentor

Foto: Huebner/Blatterspiel / imago/Jan Huebner

Berlin.  Fragen, die in Richtung Krise gehen, mag Pal Dardai nicht. Aber natürlich kam die Frage: Ob bei Hertha BSC auch in diesem Jahr das Rückrunden-Trauma zuschlägt. Schließlich hatten die Blau-Weißen zum Start ins neue Jahr 0:1 (0:0) beim VfB Stuttgart verloren. Prompt erinnerte sich der eine oder andere Beobachter, dass Hertha in den vergangenen vier Spielzeiten von einer nicht recht zu erklärenden Rückserien-Schwäche befallen war. Seit 2013/14 fiel die zweite Hälfte des Spieljahres jeweils schlechter aus als die erste.

Doch Dardai, der Trainer von Hertha, war vorbereitet. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kommentierte er trotz der sechsten Saison-Niederlage ruhig: „Ich glaube nicht, dass Selke oder Lazaro oder einer der jungen Spieler daran denkt.“ Der Coach verwies darauf, dass „mittlerweile 60 Prozent des Kaders neu sind. Wir tauschen Schritt für Schritt aus.“

In der Tat treibt Hertha das Projekt Generationsumbruch weiter voran. In Stuttgart stand als Abwehrchef Niklas Stark (22) auf dem Platz. Rechts hinten verteidigte Mitchell Weiser (23). Im defensiven Mittelfeld war Arne Maier (19) unterwegs, in der Offensive Davie Selke (22) und Valentino Lazaro (21). Auf der Bank saßen Vladimir Darida (27), Sebastian Langkamp (29) und Vedad Ibisevic (33).

Innenverteidiger Rekik fällt auch gegen Dortmund aus

Hertha zeigte in der ersten Hälfte trotz des Hypes um VfB-Rückkehrer Mario Gomez ein gutes Auswärtsspiel und erarbeitete sich vier klare Chancen. „Wir haben da weitergemacht, wo wir in den letzten Spielen der Hinrunde aufgehört haben“, erinnerte Dardai an die Siege im Dezember gegen Hannover (3:1) und Leipzig (3:2) – „gute Pässe, gute Ballzirkulation, das, was wir uns vorgenommen hatten.“ Nach der Pause zahlte Hertha jedoch Lehrgeld. Zunehmend ging die Ordnung verloren. „Es gab viel Umschaltspiel, das, was die Fans mögen“, sagte Dardai.

Und in der entscheidenden Situation, einem Zweikampf von Stark gegen Mario Gomez, unterlief dem Herthaner das letztlich entscheidende Malheur. „Niklas hat gut gespielt, aber leider in dem Moment den Zweikampf verloren“, sagte Dardai. „Gegen Gomez sollst du nicht so viel Körpereinsatz zeigen. Da muss man schlau sein. Niklas muss das lernen.“ Die Niederlage nach dem Eigentor von Stark wertet der Trainer „als einen unglücklichen Start“. Auch Manager Michael Preetz bewertete das 0:1 „als bittere Nieder­lage, weil wir die deutlich besseren Chancen hatten“.

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Zur Altersstruktur sagte Preetz: „Nur mit Alten funktioniert es nicht, nur mit Jungen auch nicht. Es geht um den richtigen Mix.“ Und da hat Hertha so viele Optionen, wie seit Jahren nicht. Dardai achtet darauf, die Generationen zu kombinieren. „Die Paarung mit Niklas Stark und Fabian Lustenberger war gut. Auch das Paar mit Per Skjelbred und Arne Maier war gut.“

Mit Blick auf das Topspiel am Freitag im Olympiastadion gegen Borussia Dortmund (20.30 Uhr) stellt sich erneut die Frage nach der Mischung von Alt und Jung. Im Abwehrzentrum fällt Karim Rekik, Herthas Aufsteiger der Hinrunde, noch länger aus. Die Verletzung des Niederländers, die er sich Mitte Dezember zugezogen hatte, war als Prellung am Sprunggelenk diagnostiziert. Da aber keine entscheidende Besserung eintritt, wird Rekik zu Beginn dieser Woche erneut untersucht.

Dardai legt sich auf Lustenberger gegen den BVB fest

Also könnte am Freitag gegen die offensivstarken Pierre-Emerick Aubameyang, Christian Pulisic oder Mario Götze Hertha-Youngster Jordan Torunarigha (20) auf seinen Einsatz hoffen? Der Hertha-Trainer legte sich bereits fest: In Leipzig „haben wir es gesehen: Der unerfahrene Spieler (gemeint ist Torunarigha) hat nach acht Minuten die Rote Karte bekommen.“ Dann wird Dardai deutlich: „Wir sind nicht in der Situation, dass wir nicht zu viel riskieren sollten, sondern erst mal Erfahrung spielen lassen.“ Als Tabellen-Elfter sei die Situation „nicht einfach“, so Dardai. Hertha will in der Tabelle nach vorn kommen: „Dafür brauchen wir jetzt in der Anfangsphase des Jahres Punkte. Wichtig ist, dass die Mannschaft nicht unsicher wird.“

Das Startprogramm von Hertha hat es in sich. Es geht gegen hochkarätige Gegner wie Dortmund am Freitag und Hoffenheim (3. Februar), es geht nach Leverkusen (10.), zum FC Bayern (24.) und nach Schalke (3. März): „Es kann sein, dass es einige Niederlagen gibt“, sagt Dardai. „Wichtig ist: dass wir mit breiter Brust spielen, dass wir in unsere Ballzirkulation kommen.“

Deshalb wird gegen den BVB in der Innenverteidigung Fabian Lustenberger den Vorzug erhalten. Der Schweizer hat sowohl gegen Leipzig als auch in Stuttgart überzeugt. Hertha hofft auf die Unterstützung einer großen Kulisse. 65.000 Zuschauer werden mindestens im Olympiastadion erwartet.