Gegen Gladbach

Mit links stürmt Mittelstädt in Herthas Startelf

Hertha setzt im Topspiel gegen Mönchengladbach auf den erst 19 Jahre alten Maximilian Mittelstädt. Weil er die Statik des Spiels erhält.

Maximilian Mittelstädt stand bereits zwei Mal in Herthas Startelf. Nun soll der 19-Jährige gegen Gladbach Linksverteidiger Marvin Plattenhardt ersetzen

Maximilian Mittelstädt stand bereits zwei Mal in Herthas Startelf. Nun soll der 19-Jährige gegen Gladbach Linksverteidiger Marvin Plattenhardt ersetzen

Foto: Ottmar Winter

Berlin.  Langsam kennt sich Maximilian Mittelstädt damit aus, wie schnell es im Fußball-Business gehen kann. Mitte April lief er noch für Herthas U23 bei Carl Zeiss Jena auf, Regionalliga-Romantik inklusive – sieben Tage später fand er sich auf dem Rasen des Olympiastadions wieder. Startelf-Premiere in der Bundesliga, eine Feuertaufe, mitten im Abitur-Stress, ausgerechnet gegen die Granden von Bayern München. Aber: Der damals 18-Jährige schlug sich dabei wacker.

Wenn Mittelstädt heute Abend (20.30 Uhr, Sky und im Liveticker bei immerhertha.de) im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach erneut von Beginn an aufläuft, dürfte sich wohl ein Déjà-vu-Gefühl einstellen. Auch diesmal ging der Wechsel von U23 zu den Profis flott. Als sich Herthas Linksverteidiger Marvin Plattenhardt vorige Woche verletzte, weilte Mittelstädt mit Herthas Zweitvertretung in England bei einem Einladungsturnier.

Chefcoach Pal Dardai beorderte ihn trotzdem zurück nach Berlin, beließ ihn gegen Hoffenheim aber noch auf der Bank. Zu viel Reisestress, zu wenig Bindung zu den Profis – zu große Risiken. „Am liebsten wollte ich ihn schon letzte Woche spielen lassen“, erklärte Dardai, „aber jetzt hat er eine ganze Woche bei uns trainiert und die nötige innere Ruhe.“

Trainer Dardai hat den Linksfuß stetig aufgebaut

Die wird Mittelstädt auch brauchen. Sicher, er hat sich bereits gegen Kaliber wie Douglas Costa, Thiago oder Thomas Müller behauptet, aber gegen die Bayern setzte Dardai ihn im rechten Mittelfeld ein. „Dort“, sagte der Ungar später, „kannst du dir auch mal einen Fehler erlauben.“ Nun aber wird er Mittelstädt in die letzte Reihe beordern, wo ein Fauxpas schnell zu einem Gegentor führt.

Und seine Gegenspieler werden ihn fordern, ob sie nun Patrick Herrmann, André Hahn oder Thorgan Hazard heißen. Bange ist Dardai trotzdem nicht. „Maxi hat ein Kämpferherz“, sagt er, „er ist schnell und geht immer ans Limit.“

Für Mittelstädt spricht aber auch ein anderes Argument. Er ist Teil einer seltenen Spezies, ein Linksfüßer. Das wiederum hat Konsequenzen für die Statik des Berliner Spiels. Einerseits im Spielaufbau, wo sich für einen Linksfuß auf der linken Seite andere Winkel ergeben als für einen Rechtsfüßer, aber auch bei Offensivaktionen. Anders als Peter Pekarik, der in Hoffenheim als Linksverteidiger aushalf, kann Mittelstädt aus vollem Lauf flanken, wenn er die Linie entlangprescht. „Das kann Maxi extrem gut“, sagt Ante Covic, Herthas U23-Trainer, der Mittelstädt in dieser Saison in vier von fünf Spielen im Mittelfeld einsetzte.

U23-Trainer Covic holte ihn vor vier Jahren zu Hertha

Covic war auch derjenige, der Mittelstädt vor vier Jahren mitteilte, dass Hertha ihn ins Nachwuchsprogramm holen möchte. Bis dahin spielte Mittelstädt, aufgewachsen in Spandau und zunächst für den SC Staaken aktiv, bei Hertha Zehlendorf. „Er hat damals gesagt, das wäre einer der schönsten Tage in seinem Leben“, erinnert sich Covic. Denn Hertha-Fan war Mittelstädt schon immer. Ehe er Feldspieler wurde, stand er in Staaken im Tor, in grauer Jogginghose – so wie sein Vorbild, Herthas Ex-Keeper Gabor Kiraly.

Inzwischen taugt er selbst zum Vorbild, zumindest für den Hertha-Nachwuchs. Er hat ihn schließlich geschafft, den Sprung aus der Jugend-Akademie in die Bundesliga. 2015 unterschrieb er seinen ersten Profi-Vertrag. Seither gehört er dazu, zu den Großen. Hinten anstellen musste er sich natürlich trotzdem, drängte sich aber durch gute Trainingsleistungen auf. Sieben Mal stand er vorige Saison im 18er-Kader, ehe Pal Dardai ihn erstmals einwechselte. Am 24. Spieltag gegen Eintracht Frankfurt, in der der Nachspielzeit.

„Ich bin dankbar für jede Sekunde, die ich spielen darf“, sagte er damals, und seine Augen strahlten mit dem Flutlicht des Olympiastadions um die Wette. Zwei Einsätze über 90 Minuten sollten folgen. Gegen die Bayern und gegen Darmstadt, als er ein Tor vorbereitete, aber anschließend auch eins verschuldete. Lehrgeld.

Preetz wollte ihm keinen Etablierten vor die Nase setzen

Im vergangenen Sommer dann das nächste Signal von Hertha: Statt den auslaufenden Vertrag von Linksverteidiger Johannes van den Bergh zu verlängern, entschlossen sich Preetz und Dardai, auf Mittelstädt zu setzen. Nun ist er Vertreter Nummer eins für Marvin Plattenhardt, der sich allerdings auf hohem Niveau stabilisiert hat. Vorerst bleibt nur die Reservistenrolle. Für Mittelstädt, Typ junger Musterprofi, noch kein Problem.

„Maxi ist sehr zielstrebig und gefasst“, sagt Covic. Mittelstädt, 1,79 Meter groß, weiß genau, dass er noch zulegen muss. Physisch ohnehin, normal für einen 19-Jährigen, und auch in Sachen Cleverness und Erfahrung. Wer ihn aber im Training beobachtet, sieht einen ehrgeizigen, bissigen Verteidiger, der seinen etablierten Kollegen alles abverlangt.

Im Vergleich mit seinen Altersgenossen zählt Mittelstädt zu den Besten. Bei der U19-EM im Sommer gehörte er zu den Stammkräften. Im August erhielt er vom Deutschen Fußball-Bund die Fritz-Walter-Medaille in Bronze, eine Auszeichnung der besten Nachwuchsspieler des Landes. Eine tolle Momentaufnahme.

In der U19 gilt er als einer der Besten des Landes

Dass er sich auch im Männerbereich durchsetzen kann, muss er indes noch beweisen. „Das ist die größte Hürde“, weiß auch Covic, „aber es hat ihm gut getan, dass er sich im letzten Jahr jeden Tag auf höchstem Level mit Profis messen konnte.“

Nun also der nächste Ernstfall. Topspiel am Freitagabend, Flutlicht vor 50.000 Zuschauern. Die Hertha-Fans werden dem Berliner Jungen fest die Daumen drücken. Sie wissen: Mittelstädt ist ein Mann für die Zukunft. Und manchmal kommt die schneller, als man denkt.