Fussball

Hertha 4.0 sucht Anschluss an die hippe Klientel

Berliner wollen eine Million Euro von Fans sammeln und Anschluss bei moderner Klientel finden. Die Aktion startet am Sonnabend 14 Uhr.

Berlin.  Die Bundesliga horcht auf. Der Bezahlsender Sky bittet nach den Morgenpost-Veröffentlichungen zu Hertha BSC deren Finanzchef Ingo Schiller in der Pause der Partie am Sonnabend gegen den FC Ingolstadt ans Mikrofon.

Es geht um ein Vorhaben, das neu in der deutschen Profisport-Landschaft ist: Hertha will in 60 Tagen eine Million Euro mit dem Finanzinstrument des „Crowdlending“ einsammeln. Eine Menge („crowd“) an Fans, Mitgliedern, Sympathisanten soll gewonnen werden, um dem Verein in Tranchen zwischen 100 Euro bis maximal 10.000 Euro zu leihen („lending“). Das Geld wird mit 4,5 Prozent pro Jahr verzinst und nach drei Jahren im Mai 2019 zurückgezahlt.

Hertha versucht Anschluss zu finden bei der trendigen, hippen Klientel in Berlin – eine Zielgruppe, mit der der Hauptstadtverein sich seit Längerem schwer tut. Durchgeführt wird die Aktion über den Online-Kreditmarktplatz von Kapilendo, einem Start-up aus Berlin. Die Aktion startet am heutigen Sonnabend um 14 Uhr. Sie läuft im längsten Fall bis zum 17. Mai. Oder endet, sobald die Summe von einer ­Million Euro erreicht ist.

Verein will Neuland betreten

Eine Million ist eher als Hingucker zu verstehen – Hertha hat einen Saison-Etat von 88,5 Millionen Euro, diese Summe macht dort 1,12 Prozent aus. Es geht aus Sicht des Vereins vor allem darum, Neuland zu betreten. Der Zeitgeist der Zielgruppe hat mit Unternehmertum zu tun, etwas auszuprobieren. Nicht vorher alles kaputt reden, was schief gehen könnte, sondern Loslegen und Teilhaben.

Das Label für die Aktion heißt „Hertha 4.0“. Konkret wird die Summe in die Digitalisierung des Vereins gesteckt. „Diese Investitionsmöglichkeit passt hervorragend zur Ausrichtung unseres Vereins, die digitale Transformation bei Hertha BSC voranzutreiben“, sagte Schiller der Morgenpost.

Die Regeln für Finanzgeschäfte in Deutschland gelten auch für dieses Projekt: Dazu gehört, dass Hertha und Kapilendo auf der Internet-Seite, die die Anlage bewirbt (www.kapilendo.de), hervorheben.

„Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen.“ Dieser Fall kann etwa dann eintreten, falls Hertha in den kommenden drei, vier Jahren Insolvenz anmelden oder die Bundesliga ihren Spielbetrieb einstellen müsste.

Anhänger diskutieren das Vorhaben kontrovers

Bei Immerhertha, dem Blog der Morgenpost, wird das Vorhaben kontrovers diskutiert. Die Mehrheit der Nutzer freut sich, dass Hertha etwas Neues versucht. Einige loben die Verzinsung von 4,5 Prozent, die (immer mit Blick auf das Risiko) erheblich über dem liegt, was Sparer bei ihrer Bank erhalten. Es gibt auch Kritiker, die vorhersagen, Hertha werde auf diesem Weg die jungen Hippen nicht erreichen.

Hertha und Kapilendo werden an diesem Sonnabend vor und nach dem Ingolstadt-Spiel auch im Olympiastadion um Anleger werben. Hostessen mit Tablets werden in den VIP-Bereichen unterwegs sein, um Interessenten zum Abschluss einer Beteiligung am Projekt „Hertha 4.0“ zu bewegen.