Hertha BSC

Vladimir Darida ist einer wie Pavel Nedved

Der Mittelfeldspieler drängt mit Hertha und Tschechien auf die europäische Bühne. Im Liga-Endspurt der Berliner hängt viel von ihm ab.

In 29 Pflichtspielen für Hertha erzielte Vladimir Darida sechs Tore und bereitete fünf weitere Treffer vor – zuletzt das 2:0 von Niklas Stark gegen Schalke per Ecke

In 29 Pflichtspielen für Hertha erzielte Vladimir Darida sechs Tore und bereitete fünf weitere Treffer vor – zuletzt das 2:0 von Niklas Stark gegen Schalke per Ecke

Foto: dpa Picture-Alliance / City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Als ganz Tschechien nach Portugal blickt, steht Vladimir Darida kurz vor seinem 14. Geburtstag. An den Wänden seines Zimmers hängen Poster von Manchester United und David Beckham, doch jetzt, im Sommer 2004, hat er nur noch Augen für das Nationalteam.

Während sich Pavel Nedved, Milan Baros, Jan Koller und Co. als Mitfavoriten in Richtung Titel spielen, nimmt Darida an einem Fußballcamp in der Heimat teil. „Wir haben uns damals jedes Spiel angesehen, gemeinsam mit dem ganzen Camp“, erzählt er fast zwölf Jahre später.

Die tschechischen Titelträume, sie sollten auf dramatische Art und Weise zerplatzen. Nedved, damals Europas Fußballer des Jahres, verletzte sich im Halbfinale gegen Griechenland schwer, sein Team verlor in der Verlängerung per Silver Goal. Verehrt wurde die Mannschaft von 2004 trotzdem – und wird es bis heute, auch von Darida. Die Namen der „Goldenen Generation“, sie fallen wie auf Knopfdruck. Nedved. Poborsky. Koller. Smicer. Baros. „Jetzt gerade gibt es viele junge Spieler, die auch so eine gute Generation werden wollen“, sagt der Mittelfeldspieler von Hertha BSC. Allen voran er selbst.

Bei einem Sieg gegen Ingolstadt rückt Europa immer näher

Einer, der 2004 dabei war, traut ihm das zu. Tomas Galasek, der Tschechien beim 2:1 gegen Deutschland in der EM-Gruppenphase als Mannschaftskapitän aufs Feld führte, sieht in Darida „die Zukunft des tschechischen Fußballs. Er kann der nächste Pavel Nedved werden“, sagt der 69-malige Nationalspieler, „das habe ich schon gedacht, als ich ihn zum ersten Mal bei Viktoria Pilsen gesehen habe.“

Ein großer Vergleich. Und einer, den man nicht zu wörtlich nehmen darf. Denn Nedved, der nach einer furiosen EM 1996 bei Lazio Rom und Juventus Turin zu einem der besten Mittelfeldspieler der Welt reifte, war ein anderer, ein offensiverer Spielertyp als Darida; einer, der nicht nur im Zentrum, sondern oft auch auf den Flügeln eingesetzt wurde.

Zahlreiche Parallelen lassen sich trotzdem finden. Die ungemeine Laufstärke etwa, oder der präzise Schuss, auch das ausbaufähige Kopfballspiel. Und: Auch Nedved machte in seiner Karriereplanung nie große Sprünge, sondern arbeitete sich kontinuierlich nach oben.

Lob vom Ex-Kapitän der Tschechen

Im Ausland zu spielen, sagt Darida, sei für jeden tschechischen Spieler ein Traum. Er weiß: Für die großen Talente wird die Bühne in der Heimat schnell zu klein. Galasek, der mit Nürnberg 2007 den DFB-Pokal gewann, verließ Tschechien mit 23, wechselte über die Zwischenstation Willem II zum niederländischen Topklub Ajax Amsterdam. „Ich fand gut, dass Vladimir erst zu einem kleinen Verein gegangen ist“, sagt er. „In Freiburg konnte er sich entwickeln, aber der Wechsel zu Hertha hat ihm genauso gut getan.“ Ein Schritt nach dem nächsten.

Die logische Fortsetzung rückt aktuell immer näher. Gewinnt Hertha an diesem Sonnabend (15.30 Uhr, Sky und im Liveticker bei immerhertha.de) das Heimspiel gegen Aufsteiger Ingolstadt, wird die Europapokalteilnahme der Berliner immer realistischer. Für Da­ridas Karriere, sagt Galasek, 30 Champions-League-Einsätze für Ajax, muss der internationale Wettbewerb das nächste Ziel sein. „Vielleicht kommt nach vier Jahren bei Hertha dann einer der ganz großen Klubs“, sagt der 43-Jährige. So wie einst bei Nedved.

Es ist nicht nur der Fußballer Da­rida, der Galasek begeistert, sondern auch dessen Charakter. Bescheidenheit, Fleiß, Zuverlässigkeit – „vielleicht ist das typisch tschechisch“, sagt Da­rida mit einem schüchternen Lächeln.

Bei der EM will der 25-Jährige das Achtelfinale erreichen

Nein, zu forschen Aussagen lässt sich der 25-Jährige nicht hinreißen, auch nicht vom dritten Tabellenplatz, den Hertha acht Spieltage vor Saisonende bekleidet. Einen Vorteil hat er dann aber doch ausgemacht. Anders als die Verfolger Schalke, Leverkusen oder Wolfsburg hätten er und seine Kollegen ihr Saisonziel – den Klassenerhalt – schon erreicht. „Wir können die Situation genießen und müssen nicht auf Krampf Erfolg haben“, sagt er, „das ist ein großer Vorteil.“ Hertha und die Entdeckung der Leichtigkeit.

Und wenn Hertha die Chance auf Europa noch verspielen würde? Darida behilft sich mit einem Vergleich. So wie ein Unentschieden nach zwischenzeitlicher Führung gegen Dortmund wäre das. Vor der Partie ein großer Erfolg, hinterher eine Enttäuschung. Dass es so weit kommt, will er unbedingt vermeiden. Europa ruft – auf Klubebene und im Sommer bei der EM.

Bei Hertha gilt Darida genauso als Hoffnungsträger wie in seiner Heimat. Auf die Frage, ob er sich lieber mit seinem Verein für die Champions League qualifizieren oder mit dem Nationalteam in die K.o.-Runde einziehen würde, findet er eine schnörkellose, passende Antwort – so, wie sonst auf dem Platz: „Beides!“