Hertha-Gegner Ingolstadt

Groß-Alarm in der Hauptstadt

Pascal Groß ist bei Herthas Gegner FC Ingolstadt der Schlüsselspieler. Seine Schusstechnik hat er sich bei einem Berliner abgeschaut.

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Berlin.  Pascal Groß (24) findet Berlin richtig gut. „Ich bin ab und zu da und mag die Stadt“, sagt der Spielmacher des FC Ingolstadt. Nicht nur, dass sein Berater hier wohnt – auch wenn er sich mit seinem besten Kumpel trifft, dem Ex-Herthaner Sejad Salihovic, ist die Spree-Metropole meist der Ort der Wahl.

Während sich Groß auf Berlin freut, sieht die Hauptstadt seinem Besuch mit gemischten Gefühlen entgegen. „Ingolstadt ist unangenehm zu spielen. Sie machen die Räume eng, schalten gut um und haben gefährliche Standards“, sagt Hertha-Trainer Pal Dardai über den Gegner am Sonnabend (15.30 Uhr, Olympiastadion), und spricht damit genau die Qualitäten an, die Groß ins Spiel einbringt.

Ingolstadts Zehner ist der Mann, über den beim Aufsteiger alles läuft. Rund 75 Ballkontakte hat Groß im Schnitt pro Spiel, mehr noch als Hertha-Motor Vladimir Darida (68). „Ich bin gerne viel am Ball und versuche, den entscheidenden Pass zu spielen“, sagt Groß. Fünf Treffer hat er in seiner ersten Bundesligasaison schon vorbereitet, einen weiteren selbst erzielt.

Freistoßtraining mit Sejad Salihovic

Was möglich ist, wenn er sich erst einmal in einer Liga akklimatisiert hat, verdeutlicht die vergangene Zweitliga-Spielzeit: Sieben Treffer und 22 Vorlagen steuerte er zum Aufstieg der Oberbayern bei. Besonders bei ruhenden Bällen ist sein rechter Fuß eine Waffe. Die Konsequenz jahrelangen Trainings: In Hoffenheim, wo der gebürtige Mannheimer erste Profi-Luft schnupperte, nahm ihn Freistoß-Experte Salihovic unter seine Fittiche. Nach Trainingsende ballerte das Duo häufig noch Bälle auf den Kasten – eine Gewohnheit, die sich Groß bis heute bewahrt hat.

Dass sich der Mann mit dem feinen Fuß nicht nur auf die Kabinettstückchen beschränkt, verdeutlichen sechs Gelbe Karten und eine Gelb-Rote Karte, wegen der Groß am vergangenen Spieltag pausieren musste. „Im Nachhinein hat mir das vielleicht sogar gutgetan“, sagt er. Nun geht er ausgeruht in das Spiel gegen die Champions-League-Anwärter aus Berlin. „Ich bin heiß“, sagt Groß, „jetzt freue ich mich ganz besonders, wieder auf dem Platz zu stehen.“

Heiß oder schon zu heiß? Das war auch die Debatte, die in den vergangenen Wochen um das Spiel der Ingolstädter kreiste. „Eine ekelhafte Mannschaft“, konstatierte unlängst ein entnervter Lewis Holtby nach dem Remis seines Hamburger SV. Der Vorwurf, der immer wieder hochkocht: Der unbequeme Aufsteiger provoziert, spielt auf Zeit, agiert unfair.

Der Abstiegskampf ist kein Thema mehr

„Wir werfen zwar defensiv alles rein. Aber mit dieser Sichtweise wird uns Unrecht getan“, sagt Groß: „Wir spielen ein hohes Pressing, laufen unsere Gegner früh und im Sprint an. Aber übermäßige Aggressivität ist nicht Teil unseres Spiels.“

Der Erfolg gibt Ingolstadt Recht. Nach 26 Spieltagen liegt der Klub in seiner ersten Bundesligaspielzeit mit 33 Punkten auf Platz zehn, weit entfernt vom prophezeiten Abstiegskampf. Erst neun Mal ging das Team in der Liga als Verlierer vom Platz – nur Bayern, Dortmund und Hertha sind öfter ungeschlagen. Das gibt Selbstvertrauen.

Die These von Hertha-Trainer Dardai – „wenn wir gute Tagesform haben, sehe ich keine Probleme“ – schreckt in Ingolstadt jedenfalls keinen. „Ich sehe das ein bisschen anders“, kontert Groß: „Wir werden es Hertha nicht einfach machen. Wir haben alle Chancen.“

Um den Klassenerhalt bangt niemand mehr in Ingolstadt. Die Frage, über die auch Groß grübelt, ist vielmehr: Wohin kann der Weg des FCI noch führen? Groß’ Vertrag hat sich nach dem Aufstieg bis 2017 verlängert. Und mit Ralph Hasenhüttl hat er einen Trainer, der ihn fördert. „Ich habe ihm sehr viel zu verdanken. Er schenkt mir Vertrauen“, sagt Groß.

Andere Bundesligisten zeigen Interesse

Das überschaubare Umfeld in Ingolstadt, es hilft ihm, Groß gilt als Familienmensch. Die Geburtsjahre seiner Eltern und seiner Schwester hat er sich auf den Arm tätowiert. Sein Vater Stephan, früher Bundesligaprofi beim Karlsruher SC, schaut sich jedes seiner Spiele im Stadion an.

Einen Karriereplan hat Groß dennoch. „Ich träume davon, eines Tages international zu spielen“, sagt er. „das muss für jeden Fußballer das Ziel sein.“

Seine Zukunft will er planen, sobald der Ligaverbleib rechnerisch perfekt ist. Ingolstadt ist zwar der erste Ansprechpartner, doch längst sind andere auf ihn aufmerksam geworden. Und: Bei einem Wechsel ließe sich im Sommer für Ingolstadt letztmals vor Vertragsende 2017 richtig Kasse machen. Bei welchem Klub Groß künftig für Alarm sorgen wird, ist noch lange nicht entschieden.