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Und plötzlich hat Hertha BSC ein Torwartproblem

Die Berliner haben derzeit nur noch zwei gesunde Keeper. Und ein Dritter hat beim Trainingsspiel furchtbar gepatzt.

Thomas Kraft hechtet im Trainingslager in Belek

Thomas Kraft hechtet im Trainingslager in Belek

Foto: Alex Grimm / Bongarts/Getty Images

Belek.  Auf einmal ist es weg. Eben noch war es da. Jetzt aber fehlt da was im Besitz von Hertha BSC. Jemand hat aus der türkischen Mannschaftsherberge der Berliner in Belek alle Trikots von Sinan Kurt mit der Nummer 18 gestohlen. So schnell kann das gehen, dass man los ist, was man fest bei sich dachte.

Trikots nur, ok. Spieler aber, die drinstecken sollen, sind schlimmer. Doch auch da ist dem Bundesligadritten in dieser Trainingslagerwoche mächtig was verloren gegangen. Fünf Torhüter standen zum Trainingsauftakt Anfang Januar im Kader der Blau-Weißen.

Nun, acht Tage vor dem Rückrundenstart, sind nur noch zwei unversehrte davon übrig geblieben. Eben war das Angebot zwischen den Pfosten noch üppig. Jetzt hat Hertha plötzlich ein Torwartproblem. Einer, der es wissen muss, sagt: „Das ist, als besäße man am Anfang der Woche 100.000 Euro auf dem Konto und denkt, man hätte was in der Hinterhand. Doch am Ende der Woche ist das Geld weg.“

Marius Gersbeck wurde nach Chemnitz verliehen

Marius Gersbeck, der 20 Jahre alte hoffnungsvolle Schlussmann, ist am Mittwoch für anderthalb Jahre an den Drittligisten Chemnitz verliehen worden, um Spielpraxis zu bekommen. Das mache für beide Seiten Sinn, sagte Herthas Manager Michael Preetz. Einer weg. Ok, noch vier.

Ersatzmann Sascha Burchert, der von seiner Ausleihe nach Norwegen zurück ist, leistete sich beim 1:4 (1:0) im Test gegen den Zweitligisten Bochum am Mittwoch nicht nur vier böse Patzer, die alle zu Gegentoren und damit zu Herthas erster Niederlage in der Vorbereitung führten. Das allein schon fördert nicht gerade das Vertrauen in den 26-Jährigen. Zu allem Überfluss hat sich Burchert auch noch eine Muskelverletzung zugezogen. Zwei weg. Drei da. Wird schon enger.

Die Leiden des Thomas Kraft

Und dann ist da noch das Leiden des Thomas Kraft. Der ehemalige Stammtorwart fiel seit September vergangenen Jahres wegen einer komplizierten Schulterverletzung aus und wollte in Belek eigentlich den Kampf um die Rückeroberung der Nummer eins von Rune Jar-stein aufnehmen. Aber Kraft hat weiterhin Schmerzen und konnte keines der bisherigen drei Testspiele absolvieren. Sogar eine Abreise aus Belek stand im Raum.

Am Donnerstag hechtete Kraft im Training zwar wieder nach Bällen, sagte aber der Morgenpost: „Es ist eine fiese Verletzung, mit der ich kämpfe. Ich werde noch etwas Zeit brauchen.“ Den Rückrundenstart gegen Augsburg am 23. Januar wird der 27-Jährige sehr wahrscheinlich verpassen. Drei weg.

Nils Körber im Abiturstress

Bleibt also nur noch Jarstein, der somit als unangefochtener Stammkeeper in die zweite Saisonhälfte starten wird. Und dahinter? Da ist lediglich der junge Nils Körber – ein großes Talent zwar, aber auch ein Mann ohne Erfahrung. Zudem gibt es auch bei ihm ein Problem.

In Belek ist der 19-Jährige nicht dabei, weil er mitten im Abiturstress steckt. Körber saß in der Hinrunde bereits mehrfach als zweiter Mann auf der Hertha-Bank. Doch eine ideale Vorbereitung konnte er aufgrund der schulischen Verpflichtungen nicht absolvieren. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich allerdings gerade, dass er dennoch als Nummer zwei in die Rückrunde gehen wird.

Burchert, dem das Glück nicht gerade zugewandt zu sein scheint – da gab es ja mal die beiden Patzer gegen den HSV, die seither an ihm kleben – hat nur noch einen Vertrag bis Sommer. Spätestens dann dürfte sich in der Berliner Torwarthierarchie eine Menge tun.

Hertha hat mit Chemnitz eine Rückholoption bei Gersbeck vereinbart – die gilt aber frühestens im Sommer. Es könnte sein, dass er sich schneller wieder bei Hertha anfindet als gedacht. Die gestohlenen Sinan-Kurt-Trikots wahrscheinlich nicht.

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