Hertha

Salomon Kalou - Torjäger mit starkem Team im Rücken

Stürmer Kalou trumpft bei Hertha BSC plötzlich auf und schürt Träume vom Europacup. Manager Preetz aber sagt: „Wir sind kein Spitzenteam.“

Foto: Stuart Franklin / Bongarts/Getty Images

Es könnte sein, dass es bald ein neues Accessoire im Hertha-Fanshop gibt. Eine Badekappe mit der Nummer 8 und dem Namen Kalou darauf. Wenn Besonderes passiert, kann man zu besonderen Maßnahmen greifen. Und wenn man Salomon Kalou nach seinen drei Treffern, die Hertha zum 3:1 gegen Hannover am Freitag geführt haben, schon kein Denkmal bauen möchte, dann wenigstens das.

Pal Dardai hat das am Sonnabend vorgeschlagen, als er mit ziemlich guter Laune vor die Presse trat. Kalou musste gegen die Niedersachsen diesen Turban aus Mullbinde tragen, damit der Schnitt am Kopf nicht wieder aufplatzte. Beim Warmlaufen hatte sich der Afrikaner noch ein Bademützchen drüber gezogen.

Später wurde vermutet, dass seine drei Tore in einem Spiel genau diesem neuen Kopfschmuck zu verdanken waren. Wenn Mirakulöses passiert, braucht es manchmal vielleicht mirakulöse Erklärungen. Denn wie kann es sein, dass Kalou in dieser Spielzeit nun schon zehn Treffer in nur 13 Pflichtspielen (sieben in der Liga, drei im Pokal) erzielt hat, nachdem er im Vorjahr in 28 Partien nur sechs Mal traf?

Eine Kettenreaktion

Von Kalou kann man jenes Staunen dann aber auch auf die gesamte Truppe übertragen, denn seine Entwicklung zeigt ja an, wo Herthas hingegangen ist: Wie kann es sein, dass ein Team, dass in der letzten Saison nur knapp in der Liga blieb, plötzlich so auftrumpft und nach nur zwölf Spieltagen schon 20 Punkte besitzt?

Dardai wippte fröhlich von einem Bein aufs andere, als er die Lösung präsentierte: „Das ist eine gemeinsame Sache: Ist die Mannschaft gut, ist das auch gut für Salomon. Dann kann er vorne knipsen. Und das ist dann wieder gut für das Team. Eine schöne Kette“, sagte Dardai.

Der Angreifer verzichtet auf die Reise zum Nationalteam

Auch wenn das natürlich nicht so einfach umzusetzen war, wie es klingt, liegt darin die Erklärung. Hatte Kalou in der vergangenen Saison noch in einer Mannschaft ohne Spielkultur agieren müssen, weiß er nun ein Team im Rücken, das ihn einzusetzen vermag. „Letztes Jahr war doch nur Halleluja: hinten zu machen und vorne hoffen. Jetzt ist das anders“, sagte Dardai.

Zudem kommt, dass Kalou im Sommer erstmals bei Hertha eine komplette Vorbereitung absolvieren konnte, in der er von Fitnesstrainer Henrik Kuchno schön gescheucht wurde.

„Jetzt macht sein Körper alles, was er will“ sagte Dardai. In einer schlechten Verfassung war Kalou damals auch, weil er oft zur ivorischen Nationalelf reiste. Darauf verzichtet er in der kommenden Woche und bleibt in Berlin.

Gänsehaut beim Trainer

Im Sommertrainingslager hatte Dardai noch gemotzt, Kalou müsse endlich das in ihn gesteckte Vertrauen zurückzahlen. Das sei alles zu wenig, was der Champions-League-Gewinner von 2012 da anbiete.

Dardais Mutter war Kindergartenerzieherin. Oft besuchte er sie bei der Arbeit und kennt sich daher mit Pädagogik aus. Nun zahlt Kalou zurück, und Dardai lobt: „Seine Ballan- und -mitnahme beim zweiten Tor war Weltklasse. Da hat man Gänsehaut. Deshalb heißt er Salomon Kalou, und jeder kennt ihn.“

Wenn man Dardai aber auch ein bisschen kennt, weiß man, dass er eigentlich immer etwas unzufrieden damit war, dass Kalou Defizite bei der Schnelligkeit hat. Gegen Hannover reagierte er insofern darauf, dass er dem 30-Jährigen die beiden schnellsten Burschen in seinem Kader an die Seite stellte: Genki Haraguchi und Mitchell Weiser.

„So hatte er mehr Unterstützung bei den Kontern. So fressen sie den Gegner auf“, sagte Dardai. Dass Kalou immer noch eine besonder Qualität besitzt, zeigt eine andere Statistik: Drei Mal schoss er gegen 96 aufs Tor, drei Mal war der Ball drin. Mehr als jeder dritte Versuch in der Liga landet im Netz (19 Torschüsse insgesamt).

Dardais Ziel sind 45 Punkte und nicht der Europapokal

„Meine Mission ist nicht beendet“, sagte Kalou dazu. Wenn einer die höchsten Weihen im europäischen Fußball erhalten hat, denkt der natürlich eher groß: „Letztes Jahr war das Ziel, in der Liga zu blieben. In diesem Jahr kann das Ziel sein, um die Qualifikation für Europa mitzuspielen“, sagte er.

Dardai will aber von Europa nichts wissen: „Wir haben unsere Ziele: zehn Punkte mehr als im letzten Jahr und das Pokalfinale“, sagte der 39-Jährige. Das wären dann 45 Punkte, und damit würde man wahrscheinlich doch schon an den Europapokalplätzen kratzen. Herthas Manager Michael Preetz stört das Gerede von außen nicht, „solange wir wissen, was unsere Ziele sind“, sagte der 48-Jährige. „20 Punkte sind klasse. Aber wir sind kein Spitzenteam. Irgendwann mal wollen wir uns dorthin entwickeln. Und dafür hilft der bisherige Saisonverlauf“, sagte Preetz.

Dafür hilft auch ein Kalou in der aktuellen Verfassung. Und da darf dann auch die Badekappe in Serie gehen.