Bundesliga

Hertha gegen Gladbach ist das Duell der Serienhelden

Die Berliner wollen zu Hause ungeschlagen bleiben, Gladbach kann den sechsten Liga-Sieg in Folge schaffen. Über das Gesetz der Serie.

Foto: Getty Images / City-Press/Getty Images

Berlin.  Mit dem Gesetz der Serie ist das so eine Sache. Als belastbares Naturgesetz geht die Idee des österreichischen Biologen Paul Kammerer zwar nicht durch, und doch hat sie sich seit der Erstveröffentlichung 1919 fest im Alltagsleben verankert.

Albert Einstein fand Kammerers Eingebung „originell und durchaus nicht absurd“, und auch Pal Dardai – als Cheftrainer von Hertha BSC mehr Praktiker als Theoretiker – scheint dem Seriengesetz etwas abgewinnen zu können. „So lange es gut läuft“, sagt der Ungar, „muss man tierisch dafür kämpfen, dass es so bleibt. Das darf man nicht loslassen.“

Die Berliner haben saisonübergreifend seit fünf Spielen nicht mehr im Olympiastadion verloren. Eine Serie, die sogar noch eine Mini-Serie impliziert: Zuletzt gab’s in Westend drei Siege. Der kommende Gegner Borussia Mönchengladbach setzt am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) allerdings eine eindrucksvolle Serie dagegen: Seit André Schubert als Interimstrainer die Nachfolge des entmutigten Lucien Favre antrat, hat Gladbach jedes seiner fünf Ligaspiele gewonnen. „Sie haben das Momentum“, warnt Hertha-Manager Michael Preetz.

Sehnsucht nach einem Sieg gegen ein Topteam

Hans Meyer, 72, kann dem Biologen Kammerer hingegen wenig abgewinnen. 2003/04 rettete die Trainer-Ikone Hertha vor dem Abstieg, heute ist er Präsidiumsmitglied in Gladbach. Er sagt: „Je länger wir ungeschlagen durch die Meisterschaft gehen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir mal wieder verlieren.“ Ein Gedanke, der sich freilich auch auf Herthas Serie ummünzen lässt.

In Berlin sind sie trotzdem beseelt vom Gesetz der Serie, allerdings auf ambivalente Art und Weise. Denn während die eine Serie tunlichst verlängert werden soll, hat Dardai von einer anderen die Nase voll. Eines ist ihm schließlich bisher verwehrt geblieben – ein Sieg gegen ein Topteam.

„Es ist unglaublich wichtig, dass man mal einen Großen schlägt“, sagt Meyer, den Ex-Profi Dardai als einen seiner prägendsten Trainer bezeichnet. Auf Augenhöhe mit Dortmund oder Wolfsburg sieht Meyer die Borussia allerdings nicht – daran ändert auch die schönste Serie nichts.

Neues Berliner Selbstverständnis

Unter Dardai betraten die Berliner das Feld bislang acht Mal als klarer Außenseiter. Nicht selten verlangten sie ihren Kontrahenten alles ab, fast immer verdienten sie sich die Plakette „unbequem“, doch unterm Strich blieben bestenfalls Achtungserfolge. Das soll sich nun ändern. Auch, weil die Rahmenbedingungen stimmen.

Hertha erwartet 60.000 Zuschauer, 15 Grad und Sonnenschein. „Das wird ein Festtag“, sagte Dardai, ehe er laut darüber nachdachte, sich zum Spieltag in Schale zu schmeißen. „Normalerweise sollte ich einen Anzug anziehen, scherzte der 39-Jährige. „Aber das mache ich nicht“ – schließlich sei er ein junger Trainer. Fußballfolklore.

Viel wichtiger: Hertha verfügt über eine neues Selbstverständnis. Als die Hauptstädter vor sechs Wochen in Wolfsburg gastierten, war die Saison erst fünf Spieltage alt. Mittlerweile haben sie sich im oberen Tabellendrittel festgesetzt, das Polster auf einen Abstiegsplatz beträgt bereits elf Punkte. Der Hauptgrund, weshalb Dardai erstmals von einem „Topspiel für Hertha“ spricht: „Jetzt hast du genug Punkte gesammelt, du kannst mit Elan und Risiko in das Spiel gehen.“

Ex-Herthaner Traore verkörpert Gladbachs Stärken

Wie offensiv er seine Mannschaft aufstellen wird, bleibt allerdings abzuwarten. Gladbach hat in den vergangenen fünf Ligaauftritten 17 Tore erzielt, besticht durch Tempo und Präzision. Bestes Beispiel dafür ist Ibrahima Traore, den Hertha 2009 bereitwillig ziehen ließ. Heute zählt der 27-Jährige zu den festen Größen, übersprintet reihenweise seine Gegner und sorgt für Torgefahr. Beim letzten Aufeinandertreffen traf Traore zum Sieg und brachte Hertha so die bislang letzte Heimniederlage bei.

Fest steht: Vedad Ibisevic fehlt Hertha weiterhin wegen seiner Rotsperre. Für ihn dürfte Spielmacher Alexander Baumjohann oder der lauf- und defensivstärkere Tolga Cigerci ins Team rücken.

„Der Fußball hält immer etwas Überraschendes bereit“, sagt Hans Meyer, der in Gladbach gerade erlebt, wie sich ein Team durch einen Trainerwechsel um 180 Grad gedreht hat. Sicher ist nur: Eine Serie wird am Sonnabend ihr Ende finden.