Hertha BSC

3:0 gegen HSV - Ein Feiertag für die Stürmer

Hertha siegt 3:0 gegen den Hamburger SV und stürmt auf Platz vier. Das Angriffsduo Kalou und Ibisevic funktioniert erneut prächtig.

Jubel bei den Herthanerrn: Sie haben mit 3:0 den HSV vom Platz gefegt

Jubel bei den Herthanerrn: Sie haben mit 3:0 den HSV vom Platz gefegt

Foto: Bongarts/Getty

Letzte Herbstsonnenstrahlen fielen in die Ostkurve im Olympiastadion, als sich Fabian Lustenberger davor niedersetzte. Herthas Kapitän hatte seine Mannschaft mitgebracht. Auch sie hockte sich artig vor den Bereich in der Berliner Arena, in dem die treuesten Fans stehen. Sie mussten nämlich etwas Zeit mitbringen. Die eigene Anhängerschaft brüllte erst unzählige Male den Vereinsnamen. Dann wurde der Gegner dieses Festtages am Festtag zur Deutschen Einheit, der Hamburger SV, ein bisschen durch den Kakao gezogen. Danach dann wieder der Vereinsname. Unverkennbar wurde hier ein Moment ausgekostet – so lange wie möglich. Denn wann hatte es das zuletzt schon gegeben?

In der Länderspielpause auf einem Europapokalplatz

Hertha BSC gewann am Sonnabend verblüffend deutlich mit 3:0 (1:0) gegen den HSV durch das Tor von Salomon Kalou (17. Minute) und den Zwei-Minuten-Doppelpack von Vedad Ibisevic (76. und 78.). Es war der dritte Heimsieg in Folge, und das war den Berlinern zuletzt vor einem Jahr gelungen. Aber noch viel verblüffender als die neuerliche Stärke im eigenen Stadion ist, dass Hertha mit nun 14 Punkten bis auf Platz vier vorgestürmt ist und die Länderspielpause auf einem Europapokalplatz verweilen darf.

Als wirklich jeder Siegesgesang einmal vorgeführt war, stimmten die Fans in der Ostkurve endlich die obligatorische Uffta an, und Lustenberger und seine Kollegen konnten vor Freude durch die Gegend springen. „Wir haben im Moment einfach einen Lauf. Dieser Sieg war wichtig, denn er ist ein Schritt für eine gute Saison“, sagte der starke Kalou. Warum es gerade läuft, das erklärte Mittelfeldspieler Per Skjelbred: „Wir haben eine gute Truppe, einen guten Trainer und einen guten Teamgeist.“ Dazu erwies sich der HSV wieder einmal als einer von Herthas Lieblingsgegnern: Wie schon in den vier Bundesligapartien zuvor gegen die Hanseaten gewannen die Blau-Weißen, ohne dabei ein Gegentor zu kassieren.

„Ich bin sehr zufrieden mit der Mannschaft“, sagte Trainer Pal Dardai nach dem Spiel, hatte aber wenig Lust, in Euphorie zu verfallen: „Ich beschäftige mich nicht mit der Tabelle. Für uns war das heute zwar ein Festtag. Wir können jetzt sagen, dass wir einen guten Start erwischt haben. Aber mehr auch nicht“, sagte der Ungar. „Weihnachten können wir gucken, wo wir stehen. Bis dahin heißt es: arbeiten.“

Personell hatte Dardai sein Team gegenüber dem 1:1 in Frankfurt zwar nicht verändert, dafür aber taktisch: Statt eines 4-3-3-Systems mit einem einzigen Stürmer ließ er vor 65.427 Zuschauern mit zwei Angreifern beginnen. Bei Heimspielen will Dardai schließlich gern Spektakel sehen.

Die Doppelspitze aus dem 30-Jährigen Kalou und dem 31-Jährigen Ibisevic nannte Skjelbred später etwas ironisch „schon in die Jahre gekommen“, aber treffsicher sind sie immer noch: Der agile Rechtsverteidiger Mitchell Weiser tänzelte durchs HSV-Mittelfeld und bediente Kalou am Strafraum. Dort wackelte der Ivorer seinen Gegenspieler aus und schoss flach aus 18 Metern zum 1:0 ein (17.). Es war sein drittes Saisontor. „So ein Tor schießt du nur, wenn du mit zwei Stürmern spielst“, sagte Dardai. Ibisevic hatte mit einem klugen Laufweg Platz für Kalou geschaffen.

Jens Hegeler ersetzt den verletzten Niklas Stark gut

Aber Dardai hatte auch gleich wieder etwas Grund zum Ärger: Innenverteidiger Niklas Stark musste schon nach 29 Minuten mit Adduktorenproblemen vom Feld. Ausfall Nummer elf in dieser noch jungen Saison. Für Stark kam Jens Hegeler. Der ist eigentlich Mittelfeldspieler, aber einen gesunden Verteidiger hatte Dardai nicht mehr im Aufgebot. Also musste Hegeler ran, und machte seine Sache gut.

Halbzeit zwei lässt sich schnell zusammenfassen: Erst vergab Hertha die hervorragende Gelegenheit zum 2:0. Kalou hatte geistesgegenwärtig am HSV-Strafraum abtropfen lassen, aber Vladimir Darida, der in Frankfurt noch zum Ausgleich getroffen hatte, vergab aus 16 Metern (51.). Nun erinnerte sich der HSV daran, dass man auswärts zuletzt ja eigentlich auch recht gut drauf war. Es gab schließlich zwei Siege in Folge auf fremden Plätzen. Die Hanseaten übernahmen mehr und mehr die Spielkontrolle. Lewis Holtby scheiterte an Rune Jarstein, der erneut den verletzten Stammtorwart Thomas Kraft ersetzte (56.). Hertha verlegte sich aufs Kontern.

Vedad Ibisevic hatte noch nicht so richtig in diese Partie gefunden. Bis jetzt. Nachdem er noch eine Flanke von Marvin Plattenhardt knapp vorbeiköpfte, setzte ihn Cigerci mit einem Rückpass so gut ein, dass Ibisevic die Kugel aus fünf Metern nur noch über die Linie drücken musste (76.). Und wenn man schon mal dabei ist, kann man ja auch gleich weitermachen: Der eingewechselte Alexander Baumjohann schickte Ibisevic, der stand zwar im Abseits, aber Schiedsrichter Felix Brych sah das nicht. Ibisevic war’s egal. Er blieb vor dem Ex-Herthaner Jaroslav Drobny im HSV-Tor kühl und traf zum 3:0-Endstand (78.). Es waren die Saisontore drei und vier des neuen Angreifers für Hertha.

So ließ sich nach dem Spiel auch ausgiebig feiern. Ein weiterer Grund ließ sich auch noch finden: Seit der Einführung der Dreipunkteregel zur Saison 1995/96 ist Hertha bisher zwei Mal mit 14 und einmal mit 15 Punkten nach acht Spielen in die Saison gestartet (2000, 2005 und 2008). Am Ende jener Spielzeiten schafften es die Berliner dann immer unter die besten Sechs. Per Skjelbred hatte aber auch darauf eine Antwort: „Lasst uns jetzt nicht mit Europa anfangen. Lasst uns lieber diesen Tag genießen!“

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