Bundesliga

Hertha und HSV - Duell um den Aufschwung

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Uwe Bremer
Eine besondere Partie: Per Skjelbred (Nr. 3) spielte von 2011 bis 2013 für den HSV. Seither trägt der Norweger das Hertha-Trikot

Eine besondere Partie: Per Skjelbred (Nr. 3) spielte von 2011 bis 2013 für den HSV. Seither trägt der Norweger das Hertha-Trikot

Foto: MiS / picture alliance / M.i.S.-Sportp

Für die Sorgenkinder des Vorjahres läuft diese Saison besser als erwartet. Beim Hauptstadt-Klub fällt Torwart Thomas Kraft aus.

Berlin.  Erwartet wird eine Rekord­kulisse. Wenn Hertha am Sonnabend den Hamburger SV empfängt, werden mehr als 60.000 Zuschauer ins Olympiastadion strömen (15.30 Uhr, Sky und im Liveticker bei immerhertha.de). Das Wetter wird mit einer milden Herbstsonne schmeicheln, der Feiertag sowie die klassische Bundesliga-Ansetzungszeit tun ein Übriges. Doch das ist es nicht allein: Vor allem gehören die Kontrahenten zu den positiven Überraschungen dieser noch jungen Saison.

Im vorherigen Spieljahr waren Hertha und der HSV die Schmuddelkinder der Liga. Beide boten eine durchgehend enttäuschende Saison. Und wurden folgerichtig von den meisten Experten auch diesmal als Abstiegskandidaten gehandelt. Um so positiver nehmen die Verantwortlichen den bisherigen Saisonverlauf zur Kenntnis. Der HSV weist nach sieben Runden zehn Punkte auf, Hertha sogar elf.

Wie die Hierarchie verändert wurde

„Man konnte nicht davon ausgehen, dass die Erfolgserlebnisse so schnell kommen“, sagt Hertha-Manager Michael Preetz. „Die Mannschaft belohnt sich für ihren Aufwand. Und die Siege stärken das Selbstvertrauen.“ Der Weg der Kontrahenten zu diesem Aufschwung war durchaus ähnlich. Beide Klubs haben ihre Kader ordentlich durchgemischt.

Beim HSV hat sich die interne Hierarchie geändert, mit Heiko Westermann, Rafael van der Vaart, Marcell Jansen oder Valon Behrami sind etablierte Profis gegangen. Ähnlich war es bei Hertha, wo John Heitinga, Marcel Ndjeng, Nico Schulz, Fabian Holland, Peter Niemeyer, Sandro Wagner, Hajime Hosogai und Sascha Burchert nicht mehr dabei sind.

HSV-Sportdirektor Knäbel lobt Hertha

Peter Knäbel, Direktor Profifußball beim HSV, hat beim Hauptstadt-Klub genau hingeschaut. So war er am vergangenen Sonntag in Frankfurt vor Ort und sah Herthas 1:1 gegen die Eintracht. Zur Kaderzusammenstellung sagte Knäbel der Morgenpost: „In diesem Sommer hat sich Hertha sehr intelligent verstärkt. Anders als wir mussten sie sich nicht von einer ganzen Reihe teurer Spieler trennen, um im Kader Platz zu machen. Hertha hat sehr lange auf Vladimir Darida gewartet, auch Nürnbergs Niklas Stark und Vedad Ibisevic kamen spät. Nur Mitchell Weiser stand früh fest, den wollte Hertha unbedingt haben. Alle vier strategischen Transfers haben sich die Berliner sehr gut überlegt.“

Risiko-Transfers am Ende der Wechselfrist

Beide Klubs haben ganz zum Schluss der Transferperiode einen riskanten Wechsel gewagt. Bei Hertha hat Vedad Ibisevic, 31, die Skeptiker rasch widerlegt, ob er überhaupt noch gehobene Bundesliga-Qualität besitze. Stellvertretend sei hier der Doppelpack von Ibisevic beim 2:0 gegen Köln genannt. Auch in Hamburg schlug dem Ex-Bremer Aaron Hunt, der aus Wolfsburg kam, viel Kritik entgegen. Doch Hunt funktioniert auf Anhieb beim HSV.

Kurios: Beide Trainer werden derzeit mit einer Torwart-Diskussion konfrontiert. So muss sich Ex-Nationalspieler René Adler nach einer Verletzung derzeit hinten anstellen, weil sein Vertreter Jaroslav Drobny mit starken Leistungen glänzt. „Gegen Hertha wird Drobny spielen“, sagte HSV-Coach Bruno Labbadia. „Doch dieses Thema wird uns weiter ­beschäftigen, aber im positiven Sinne.“ Auch bei Hertha ist die Entscheidung bereits gefallen. Thomas Kraft, die etatmäßig Nummer eins, wird nicht im 18er-Aufgebot stehen. „Thomas hat nach dem Mittwochstraining, das er mitgemacht hat, wieder Schulterprobleme bekommen“, sagte Hertha-Trainer Pal Dardai. Für Kraft heißt es Reha, eventuell sogar einige Tage kompletter Ruhe. So wird der norwegische Nationalkeeper Rune Jarstein spielen.

Der HSV will dritten Auswärtssieg in Folge

„Auch der HSV hat sich weiterentwickelt“, sagt Dardai. „sie haben gute Spielzüge und machen es insgesamt viel besser als letztes Jahr.“ Ähnlich positiv äußert sich Labbadia über den Gegner: „Hertha tritt kompakt auf. Man hat kluge Schritte gemacht mit den Neuen, die alle sehr laufstark sind. Mit Vedad Ibisevic haben sie einen Schlüsselspieler bekommen, der ihnen gefehlt hat. Sie haben das Puzzle gut zusammengefügt.“

Die Zahlen bestätigen den PositivTrend. So hat der HSV in Berlin erstmals seit acht Jahren die Chance, drei Auswärtsspiele in Folge zu gewinnen. In dieser Saison gab es zuletzt ein 1:0 in Ingolstadt und ein 3:0 in Gladbach.

Hertha will dritten Heimsieg in Folge

Hertha schaut auf die Chance, erstmals seit einem Jahr drei Heimsiege in Folge zu holen. Dardai: „Wir haben die letzten beiden Heimspiele gewonnen. Jetzt wollen wir mit 60.000 Fans den dritten Sieg einfahren. Wir wollen, dass die Hertha-Fahne wieder glänzt.“