Bundesliga

Es läuft endlich bei Hertha BSC

Hertha BSC erlebt einen erstaunlichen Aufschwung, weil die Berliner fleißiger sind als ihre Gegner. Das liegt auch an Vladimir Darida.

Vladimir Darida schoss gegen Frankfurt sein erstes Bundesligator für Hertha BSC

Vladimir Darida schoss gegen Frankfurt sein erstes Bundesligator für Hertha BSC

Foto: imago sportfotodienst / imago/Eibner

Vladimir Darida machte viele Meter. Erst marschierte er nach links. Als es dort eng wurde, zog er rüber nach rechts. Und dann wieder zurück. Herthas Mittelfeldspieler musste mächtig unterwegs sein. Bis auch das letzte Auto vorbeigefahren war, und er endlich in Ruhe erzählen konnte.

Wie es sich angefühlt habe, sein erstes Bundesligator für die Berliner zu erzielen. Dem Tschechen gelang am Sonntag gegen Frankfurt (1:1) der späte Ausgleich. Am Montagmorgen stand Darida auf dem ungewöhnlich hoch frequentierten Asphaltweg vor Herthas Trainingsplatz und suchte nach Worten. „Ich hatte mir vorgenommen, in dieser Saison mehr Tore zu schießen. Ich denke, ich werde noch ein paar mehr machen“, sagte der 25-Jährige.

In jedem Spiel mehr gelaufen als der Gegner

Erstaunlich am Fußball ist, dass Spieler, die auf dem Feld eine große Strahlkraft besitzen, außerhalb manchmal wesentlich unscheinbarer sind. Bei Darida aber liegt es auch an der Sprache.

Doch im Sommer hat Hertha nicht etwas mehr als 3,7 Millionen für den tschechischen Nationalspieler ausgegeben, damit er große Reden schwingt. Auch das Toreschießen, selbst wenn es im Moment ganz gut klappt, war nicht der Grund: Darida kam, weil er genau den Stil verkörpert, den sie für das eigene Team entworfen hatten: Er verbindet Fleiß mit Ballsicherheit.

Gegen Frankfurt konnte Hertha in der Schlussphase noch einmal das Tempo erhöhen, während die Hessen konditionell einbrachen. „Die hatten schwere Beine. Die konnten nicht mehr rennen“, hatte Per Skjelbred, noch so ein Dauerläufer bei den Berlinern, zufrieden festgestellt. So wie in den sechs Spielen zuvor war Hertha mehr gelaufen als der Gegner.

Dardai: „Ich spüre, dass etwas entsteht.“

„Das ist der Grundstein für unsere Entwicklung. In solchen Partien wie gegen Frankfurt siehst du den Unterschied. Die Spieler gehen über die Wand und marschieren einfach weiter“, sagte Trainer Pal Dardai.

Der Ungar hatte in der Sommervorbereitung auf ein straffes Fitnessprogramm gesetzt. „Die Jungs taten mir manchmal richtig leid“, erzählte er danach. In der Hinrunde vor einem Jahr unter Jos Luhukay war Hertha noch das lauffaulste Team der Liga. Auch das ein Grund, warum es nicht voran ging.

Nun ist das anders. Dardais Idee vom erfolgreichen Spiel seiner Mannschaft basiert auf Fleiß. Und das will er auch selbst vorleben: Am Montagmorgen war der 39-Jährige 20 Minuten vor Trainingsbeginn auf dem Rasen und stellte selbst die Hütchen auf.

In der Einheit der Ersatzspieler spielte er wie schon vergangene Woche mit und sagte später schwitzend: „Die Jungs sehen: Der Trainerstab ist fleißig. Dann sind sie selbst auch fleißig und arbeiten gut. So wächst etwas. Alle ackern, und es gibt eine gute Arbeitsmoral“, sagte Dardai. „Ich spüre, dass hier wieder etwas entsteht.“

Veränderte Rolle für Darida

Herthas Aufschwung der vergangenen Wochen ist erstaunlich. Aus einer verunsicherten Mannschaft, die nicht mehr konnte, als einigermaßen das Spiel des Gegners zu zerstören, haben sie in Berlin eine leidenschaftliche, laufstarke und ballsichere Mannschaft geformt, die am Ende sogar Nehmerqualitäten beweist.

„Der Trainer hat ein klares Konzept. Wir sollen jetzt Fußball spielen, und wir haben die Spieler dafür“, sagte Tolga Cigerci. Damit könnte sich der Mittelfeldspieler, der in Frankfurt bei seinem zweiten längeren Einsatz nach der Verletzung wieder eine starke Leistung zeigte, selbst gemeint haben. Auch er ist laufgewaltig und ballsicher.

Und er dürfte Darida gemeint haben. Wie immer hatte der Tscheche den Top-Laufwert (13,06 Kilometer). „Ich laufe gern. Aber manchmal muss ich aufpassen, dass ich nicht zu viel laufe und mal absichern“, sagte Darida.

Trotz Platz sechs fordert Trainer Dardai, nicht zufrieden zu sein

Dardai ist das ebenfalls aufgefallen, und so hat er Darida in der zweiten Halbzeit gegen Frankfurt um eine Position nach hinten beordert. Er agierte nun nicht mehr hinter der Spitze, sondern als Sechser: „Ich habe ihn nun besser kennengelernt und das Gefühl: Wenn er mehr aus der Tiefe kommt, hat er mehr Spielkontrolle“, sagte der Trainer.

Bei Hertha läuft es derzeit endlich mal. Elf Zähler und Platz sechs können sich sehen lassen. Wichtiger noch sind aber die sieben Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone. Damit es allerdings so bleibt, fordert Dardai weiter Fleiß. „Fängst du an, zufrieden zu sein, dann verlierst du wieder alles, was du dir erarbeitet hast“, sagte er. Alle sollen schön weiter in Bewegung bleiben.