Hertha BSC

Torwart Rune Jarstein brennt auf seine Doppel-Premiere

Noch ist offen, ob Stammkeeper Thomas Kraft gegen Köln ausfällt. Selbst wenn: Mit Rune Jarstein hat Hertha den perfekten Ersatz.

So gut wie gegen Werder Bremen soll Rune Jarstein auch gegen den 1.FC Köln halten

So gut wie gegen Werder Bremen soll Rune Jarstein auch gegen den 1.FC Köln halten

Foto: Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Berlin.  Noch haben sie die Hoffnung nicht aufgegeben bei Hertha BSC. Bei Stammtorwart Thomas Kraft, der am Sonnabend in Wolfsburg verletzt ausgewechselt werden musste, wurden am Montag Prellungen an Rippe und Schlüsselbein festgestellt. Eigentlich eine gute Nachricht – es hätte durchaus schlimmer kommen können.

Ob er am Dienstagabend (20 Uhr, Olympiastadion und im Liveticker bei www.immerhertha.de) gegen den 1. FC Köln schon wieder einsatzfähig ist, bleibt jedoch fraglich. „Thomas ist nicht schmerzfrei“, sagte Teamarzt Ulrich Schleicher, „das ist immer ein Risiko.“ Trotzdem will es Kraft am Dienstagvormittag noch mal probieren. Eine Entscheidung wird Trainer Pal Dardai erst nach dem Anschwitzen treffen.

Egal wie das Ergebnis ausfallen wird, allzu große Sorgen muss sich der Ungar nicht machen. Denn: Dass Rune Jarstein, Herthas Nummer zwei, ein würdiger Vertreter ist, hat er erst am Sonntag bewiesen. Beim Vizemeister VfL Wolfsburg vertrat er in den zweiten 45 Minuten den ausgewechselten Kraft, zeigte zwei starke Paraden und verhinderte beim 0:2 eine höhere Niederlage. Es habe gut getan, wieder zu spielen, gab Jarstein zu. Und ein Lob vom Coach gab es obendrein: „Rune ist sehr gut reingekommen“, sagte Dardai.

Enttäuschte Hoffnungen

Damit, dass er beim Norweger trotz der ansprechenden Leistung noch Steigerungspotenzial sieht, hielt Dardai allerdings auch nicht hinterm Berg. „Er muss noch eine bessere Ausstrahlung haben“, forderte der Ungar. Doch woher soll die kommen bei einem, der bislang konsequent in der zweiten Reihe platziert wurde?

Niemand kennt das Schicksal eines Reservisten besser als ein Ersatztorhüter. Die Hierarchien sind meist klar geregelt, Verletzungen der Stammkräfte selten und die Einsätze der Nachzügler rar. Wenn sie aber doch mal gefragt sind, stehen sie sofort im Fokus. Der Druck ist immens. Unglückliche Aktionen können lange nachhallen.

„Unglücklich“ ist ein Stichwort, das auch die Beziehung zwischen Jarstein und Hertha BSC ziemlich treffend beschreibt. Auf beiden Seiten waren die Erwartungen groß im Januar 2014, als es Jarstein in die Hauptstadt zog. Er selbst, Norwegens Nummer eins, erfüllte sich den Traum vom Auslandsengagement, verbunden mit der Hoffnung auf einen Stammplatz in einer der besten Ligen der Welt.

Erst Petry überzeugt Dardai

Und Herthas damaliger Trainer Jos Luhukay, von Krafts Qualitäten nie restlos überzeugt, träumte wohl von einer echten Alternative. Die Realität aber sah anders aus. Einen Stammplatz hatte Jar­stein nur auf der Bank, hinzu kamen teils hartnäckige Verletzungen. Im Sommer legte Hertha dem Keeper einen Vereinswechsel ans Herz. Doch obwohl der schwedische Topklub Malmö FF anklopfte, blieb Jarstein.

Mit Torwarttrainer Zsolt Petry, der im Sommer Richard Golz beerbte, konnte Jarstein einen wichtigen Fürsprecher von sich überzeugen. Der legte seinem Landsmann Dardai dringend ans Herz, Jarstein zu halten. Mit Sascha Burchert wurde stattdessen ein anderer Torwart verliehen und Jarstein klare Nummer zwei. Bis jetzt.

„Wenn Rune jetzt die Chance hat, sich zu zeigen, wünschen wir uns, dass er seine Stärken ausspielt“, sagte Herthas Manager Michael Preetz. Besagte Stärken liegen nicht zufällig in den Bereichen, in denen Thomas Kraft gemeinhin Schwächen attestiert werden. „Er ist ein guter Fußballspieler“, sagte Preetz. Eine Fähigkeit, nach der sich die Hertha-Fans nicht erst seit Krafts Slapstickeinlage gegen Wolfsburg sehnen.

Jarstein hat noch nie mit Hertha gewonnen

Zudem wird Jarstein, 1,90 Meter, eine bessere Strafraumbeherrschung nachgesagt. Gegen die Kölner, die in vier Spielen bereits vier Kopfballtore erzielten, könnte Hertha diese Qualität gut gebrauchen. Zumal mit John Brooks (Oberschenkelprobleme) und Sebastian Langkamp (Außenbandanriss) die beiden kopfballstärksten Spieler fehlen.

Jarstein wird in sieben Tagen 31. Sein Vertrag läuft bis 2016. Er weiß: Allzu viele Chancen, um sich zu beweisen, wird es nicht mehr geben. Und er möchte endlich mit Hertha gewinnen. Die Bilanz seiner blau-weißen Einsätze? Ernüchternd. 0:2 in Gelsenkirchen, 2:4 in Leverkusen, 0:2 beim VfL. Drei Niederlagen gegen sogenannte „Große“. Auf seine Kappe gingen sie nicht.

„Ich fokussiere mich jetzt voll auf Köln“, sagte Jarstein am Sonntag, als es so aussah, dass Kraft definitiv ausfallen würde. Jarstein freute sich da schon auf sein erstes Heimspiel für Hertha, denn im Olympiastadion durfte er bislang noch nie auflaufen. Nun aber bewegt er sich wieder im Ungewissen. Dabei würde es sich doch so sehr anbieten, gleich zwei Premieren auf einmal zu feiern.