Kolumne

Wenn die Hertha-Profis ihre Urlaubsbilder posten

Dank sozialer Medien wirken Fußball-Profis greifbarer denn je. Derzeit sieht man Urlaubsbilder von Marvin Plattenhardt, John Heitinga oder Änis Ben-Hatira. Das birgt Gefahren, beobachtet Jörn Lange.

Foto: instagram.com/a.b.h.10

Marvin Plattenhardt schlappt aus dem hellblauen Meer an den griechischen Strand, John Heitinga entspannt vor seinem schneeweißen Feriendomizil bei einer Runde Backgammon, Änis Ben-Hatira posiert mit ausgebreiteten Armen auf einer Motoryacht vor der Skyline von Dubai.

Nach einer langen, nervenzehrenden Saison genießen die Spieler von Hertha BSC ihren Urlaub – und lassen uns, denen nur das müde Geplätscher der Spree bleibt, bereitwillig daran teilhaben. Fußballprofis liefern ihren Fans inzwischen intimere Einblicke, als sie es der gerade erst verstorbenen Klatschreporter-Ikone Paul Sahner je gewährt hätten.

Mögen die Herthaner noch so weit weg sein: Ihre Freunde und Follower bei Facebook, Twitter und Co. sind immer dicht dran. Der Blick durch das digitale Schlüsselloch verspricht das wirklich wahre Leben – echt, authentisch, unverfälscht. Das macht neugierig, schließlich schlummern in uns allen kleine Voyeure. Ein verwackeltes Selfie fasziniert meist mehr als eine gut ausgeleuchtete Homestory. Die Illusion heißt: Nähe.

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Salomon Kalou, als WM-Teilnehmer und Champions-League-Sieger einer der wenigen großen Namen bei Hertha, nutzt seine Online-Präsenz nicht nur für private Zwecke, sondern wirbt dort auch für seine Stiftung. Ein recht unverfängliches Anliegen, doch anderenorts ist die spaßorientierte Social-Media-Spielwiese längst zu einem ernsthaften Business-Schauplatz mutiert.

Orchestriert von professionellen Agenturen

Cristiano Ronaldo von Real Madrid verfügt selbstverständlich auch über einen Facebook-Account. Über 100 Millionen Menschen gefällt das. Sein unprätentiöser Widerpart vom FC Barcelona, Lionel Messi, kommt immerhin auf knapp 80 Millionen „Likes“, fast genauso viel, wie Basketball-Superstar LeBron James und Pop-Queen Beyoncé zusammen vorweisen können.

Dass Ronaldo, Markenname „CR7“, auf seinen Profilbildern mit seinem neusten Fußballschuh posiert, ist angesichts solcher Reichweiten wenig verwunderlich. Heute werden die Profil-Einträge der Fußball-Granden von professionellen Agenturen orchestriert, nicht selten in mehreren Sprachen. Den (meist jugendlichen) Usern präsentiert sich dann ein Potpourri aus verschwitzten Kabinen-Aufnahmen und Schnappschüssen mit den neuesten „Lieblingsprodukten“. Vermeintliche Alltäglichkeit trifft unterschwellige Werbung: Mein Urlaub, meine Schuhe, mein Kopfhörer. Experten schätzen, dass Ronaldo für einen produktbezogenen Post Summen im mittleren fünfstelligen Bereich aufrufen kann.

Die Berliner Profis sind von solchen Werbedeals weit entfernt. Dennoch sind sie gut beraten, ihre Social-Media-Posts gut zu überdenken. Nicht jedes Bild kommt so gut an wie das jüngste von Ben-Hatira, der den krebskranken Union-Kicker Benjamin Köhler besuchte. Als Ben-Hatira Anfang April gegen Herthas Wunsch zum tunesischen Nationalteam reiste und sich dort prompt verletzte, übte Coach Dardai öffentlich Kritik. Ben-Hatira postete daraufhin eine englischsprachige Postkarte. Die verharmloste Übersetzung: „Mir ist egal, was andere denken.“ Ein Statement mit Konfliktpotenzial, das allerdings ohne Folgen blieb. Es hätte auch anders kommen können.Der frühere Nürnberger Robert Mak wetterte einst via Twitter gegen seinen Coach Dieter Hecking und wurde kurzerhand suspendiert. Die schöne neue Social-Media-Welt ist eben mit Vorsicht zu genießen – von Usern und von Profis.